Heinrich Prell

Heinrich Prell

Heinrich Bernward Prell (* 11. Oktober 1888 in Kiel; † 25. April 1962 in Tharandt, nach anderen Quellen in Dresden) war ein deutscher Zoologe und Forstwissenschaftler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Heinrich Prell entstammt einer Künstlerfamilie. Sein Vater Hermann Prell erhielt 1892 eine Professur an der Akademie der bildenden Künste Dresden. Nach dem Abitur 1907 studierte er in Freiburg, München und Marburg Medizin und Naturwissenschaften und spezialisierte sich auf Zoologie.[1] Nach der Promotion 1913 in Marburg ging er als Assistent zu Karl Escherich an die Sächsische Forstakademie Tharandt. Nach dem Weggang Escherichs aus Tharandt wechselte Prell zur Universität Tübingen zu Friedrich Blochmann (1858–1931). Schon im Sommer 1914 habilitierte sich Prell mit einer Arbeit „Über die Beziehungen zwischen primären und sekundären Sexualcharakteren bei Schmetterlingen“ und wurde Privatdozent für Zoologie und vergleichende Anatomie. Er hielt unter anderem auch Vorlesungen über Fischkunde, Fischereiwesen und Entwicklungsgeschichte der Tiere. Nach einem Einsatz als Feldunterarzt in bakteriologischen Laboratorien der Wehrmacht im Ersten Weltkrieg wurde er 1919 zum a. o. Professor an der Universität Tübingen ernannt. 1923 nahm er einen Ruf als ordentlicher Professor an die Forstliche Hochschule Tharandt an. In dieser Zeit heiratete er die promovierte Zoologin Adrienne Renée Koehler. Seit 1927 war Prell Rektor der Forstlichen Hochschule Tharandt. Durch den Anschluss an die Technische Hochschule Dresden 1929 rettete er die durch Sparmaßnahmen bedrohte Einrichtung in Tharandt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm Prell neben seinen Verpflichtungen in Tharandt den Lehrstuhl für Allgemeine Zoologie der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät in Dresden bis zu dessen Neubesetzung 1954. Außerdem rettete er erneut den Standort Tharandt. 1951 wurde seine wissenschaftliche Tätigkeit durch eine Mitgliedschaft in der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig geehrt. Nach der Emeritierung 1957 führte er den Lehrstuhl auf Wunsch der Fakultät trotz mehrfacher schwerer Erkrankungen weiter.

Wissenschaftliche Arbeitsgebiete

Prells wissenschaftliche Arbeiten umfassten hauptsächlich die Entomologie. Er beschäftigte sich mit der Morphologie der Beintastler (Protura) und Schmetterlinge, mit Virusinfektionen bei Forstschädlingen, beim Seidenspinner (Bombyx mori) und bei der Honigbiene (Apis mellifera), mit Bienenverlusten durch Industrieabgase und mit Gradationen des Grauen Lärchenwicklers (Zeiraphera griseana) und der Nonne (Lymantria monacha).[2] Außerdem hat er sich mit Pelztierkunde beschäftigt und war von 1927 bis 1933 Mitglied des Sonderausschusses für Pelztierzucht der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft zu Berlin und wurde 1931 Mitglied des Sachverständigen-Ausschusses für Pelztierzucht bei der Reichszentrale für Pelztier- und Rauchwarenforschung in Leipzig. Nebenbei beschäftigte er sich auch mit historischer Zoologie, mit Paarungs- und Tragzeiten einiger Wildarten (Reh, Braunbär, einige Marderarten) und mit dem Einfluss von Hüttenrauchbestandteilen auf den Haarverlust des Rotwildes.[3]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. H. Franck-Grosmann (1962): Professor Dr. Heinrich B. Prell †. In: Anzeiger für Schädlingskunde 35(8): 126–127. doi:10.1007/BF01881069
  2. Bernhard Klausnitzer, M. Roth, K. Klass, M. Nuss (2005): Zur Geschichte und Situation der Entomologie in Dresden. In: DGaaE-Nachrichten 19(1): 4–16.
  3. H. Gäbler (1962): Prof. Dr. Heinrich Prell †. In: Zeitschrift für Jagdwissenschaft 8(4): 165–166. doi:10.1007/BF01979581

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно сделать НИР?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Prell — ist der Name von Andreas Prell (1820–1881), Kaufmann und Mitglied des Deutschen Reichstags Bally Prell (eigentlich Agnes Pauline Prell; 1922−1982), Münchner Vortragskünstlerin und Volkssängerin Heinrich Prell (1888–1962), deutscher Zoologe,… …   Deutsch Wikipedia

  • Prell — Prell, Hermann, Maler, geb. 29. April 1854 in Leipzig, bildete sich auf der Kunstakademie in Dresden, besonders bei Th. Grosse, und dann bei Gussow in Berlin und trat zuerst auf der Berliner Kunstausstellung von 1878 mit einem Genrebild: die… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Hermann Prell — um 1900 Hermann Prell (* 29. April 1854 in Leipzig; † 18. Mai 1922 in Loschwitz/seit 1922 Stadtteil von Dresden) war ein deutscher Bildhauer, Historien und Monumentalmaler sowie Professor an der Akademie der Bildenden …   Deutsch Wikipedia

  • Andreas Prell — (* 23. Oktober 1820 in Hamburg; † 23. Oktober 1881 in Wiesbaden) war Kaufmann und Mitglied des Deutschen Reichstags. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Einzelnachweise 3 Literatur …   Deutsch Wikipedia

  • Forstliche Hochschule Tharandt — Heinrich Cotta begründete 1811 die forstliche Hochschullehre in Tharandt …   Deutsch Wikipedia

  • Kulturbrauerei — Die Kulturbrauerei von der Kreuzung Schönhauser Allee/Sredzkistraße aus gesehen Die Berliner Kulturbrauerei ist ein 25.000 m² großes Bauensemble. Sie steht mit ihren Höfen und ihrer einzigartigen Architektur seit 1974 unter Denkmalschutz und… …   Deutsch Wikipedia

  • Schönhauser Allee — Kastanien Ecke Schönhauser Allee, im Vordergrund die Hochbahn …   Deutsch Wikipedia

  • Schönhauser Allee Arcaden — Die Schönhauser Allee ist die größte Einkaufsstraße im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg des Bezirks Pankow und eine bedeutende Verkehrsachse vom Schönhauser Tor in den Norden von Berlin. Inhaltsverzeichnis 1 Allgemeines 1.1 Name 1.2 Lage im… …   Deutsch Wikipedia

  • Schönhauser Tor — Die Schönhauser Allee ist die größte Einkaufsstraße im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg des Bezirks Pankow und eine bedeutende Verkehrsachse vom Schönhauser Tor in den Norden von Berlin. Inhaltsverzeichnis 1 Allgemeines 1.1 Name 1.2 Lage im… …   Deutsch Wikipedia

  • Senefelderplatz — Die Schönhauser Allee ist die größte Einkaufsstraße im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg des Bezirks Pankow und eine bedeutende Verkehrsachse vom Schönhauser Tor in den Norden von Berlin. Inhaltsverzeichnis 1 Allgemeines 1.1 Name 1.2 Lage im… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”