Chaturanga

Chaturanga
Chess zhor 26.png
Chess zver 26.png
a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8
a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7
a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6
a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5
a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4
a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3
a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2
a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1
Chess zver 26.png
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Ashtāpada: das 64-Felder-Brett ohne Schachbrettmuster – manchmal mit besonderen Markierungen – auf dem Chaturanga gespielt wurde.

Chaturanga oder Caturanga (gesprochen: tschátur-ánga) ist ein altes indisches Spiel, von dem angenommen wird, dass es den Ursprung von Schach, Shogi, Makruk oder Xiangqi bildet (vgl. den Artikel über die Geschichte des Schachspiels).

Chaturanga ist spätestens seit 600 n. Chr. gespielt worden, und wird allgemein für die älteste Schachversion gehalten. Seine persische Version Chatrang ist der direkte Vorläufer des arabischen Schatrandsch, der Form, in der Schach ins mittelalterliche Europa gelangte.

Inhaltsverzeichnis

Spielbrett

Chaturanga wurde auf einem 64-Felder-Brett ohne Schachbrettmuster gespielt, Ashtāpada[1] genannt. Das Brett enthielt einige besondere Markierungen, deren Bedeutung heutzutage unbekannt ist. Diese Markierungen haben nichts mit Chaturanga zu tun, werden aber aus Tradition auf dem Brett angebracht. Einige Historiker haben spekuliert, dass das Ashtāpada auch für Würfelspiele nach Art des „Mensch ärgere dich nicht“ – ähnlich dem indischen Pachisi-Spiel – verwendet wurde, wofür die Markierungen von Bedeutung gewesen sein könnten. Im Mahābhārata, Buch 4, Kapitel 1, heißt es:

Und auf den Schachbrettern bewegen sich wunderschöne Bauernfiguren aus Elfenbein von blauer und gelber und roter und weißer Farbe durch den Wurf von schwarzen und roten Würfeln. [2]

Regeln

Chaturanga-Spielsteine
Chess kll44.pngChess kdl44.png Ràja (König)
Chess qll44.pngChess qdl44.png Mantri (Berater)
Chess rll44.pngChess rdl44.png Ratha (Wagen)
Chess bll44.pngChess bdl44.png Gaja (Elefant)
Chess nll44.pngChess ndl44.png Ashva (Springer)
Chess pll44.pngChess pdl44.png Padàti (Soldat)
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a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8
a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7
a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6
a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5
a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4
a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3
a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2
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Chess zver 26.png
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Chaturanga: Position der Steine zu Spielbeginn. Anders als im Schach stehen die Ràjas einander nicht gegenüber; der weiße Ràja beginnt auf e1 und der schwarze Ràja auf d8.

Die genauen Regeln des Chaturanga sind nicht bekannt. Schachhistoriker glauben allerdings, dass das Spiel dieselben oder sehr ähnliche Regeln wie Schatrandsch hatte. Vor allem ist die Zugweise des Gaja – des Elefanten und Vorläufer des Läufers im modernen Schach – unklar.

  • Ràja (König); auch Raja oder Rajah – bewegt sich wie der König im Schach oder Schatrandsch. Nach manchen Quellen darf der Ràja sich auch einmal wie ein Springer bewegen, sofern ihm nicht Schach geboten wurde.
  • Mantri (Berater); auch als Senapati (General) bekannt – bewegt sich ein Feld diagonal wie der Fers im Schatrandsch.
  • Ratha (Wagen) – bewegt sich wie der Turm im Schach oder Schatrandsch.
  • Gaja (Elefant) – drei verschiedene Zugweisen werden in der alten Literatur beschrieben:
    1. Zwei Felder in eine beliebige, diagonale Richtung, wobei er ein Feld überspringt wie der Alfil im Schatrandsch. Das ist wahrscheinlich die älteste Zugweise.
      • Dieselbe Zugweise ist für das Boot in einer Version des Chaturangas für vier Spieler, dem Chaturaji, üblich.
      • Der Elefant im Xiangqi (Chinesisches Schach) zieht ähnlich, aber ohne springen zu können. Im Märchenschach wird der Name "Elefant" für eine Spielfigur verwendet, die zwei Felder diagonal ziehen kann, falls keine andere Figur dazwischen steht.
    2. Ein Feld vorwärts oder ein Feld in eine beliebige, diagonale Richtung (man denke an die vier Beine und den Rüssel des Elefanten).
      • Das ist derselbe Zug wie der des Silbernen Generals im Shogi.
      • Im Makruk (Thai-Schach) und Sittuyin (Burmesisches Schach) bewegt sich der Elefant auf diese Weise.
      • Dieser Zug wurde um 1030 von Biruni in seinem Indien-Buch beschrieben.
    3. Zwei Felder in eine beliebige, orthogonale Richtung, wobei er ein Feld überspringt.
      • Ein Spielstein mit dieser Zugweise heißt in manchen Schachvarianten Dabbābah.[3] Dieser Zug wurde von dem arabischen Schachmeister al-Adli[4] um 840 in seinem teilweise verloren gegangenen Werk über Schach beschrieben. (Das arabische Wort dabbābah bezeichnete früher eine oben bedeckte Belagerungsmaschine, um Festungen anzugreifen, und bedeutet heute „Panzer“).
      • Der deutsche Historiker Johannes Kohtz (1843-1918) schlägt dagegen vor, dass dies die ursprüngliche Zugweise des Ratha war.[5]
  • Ashva (Springer); auch Ashwa oder Asva geschrieben – bewegt sich wie der Springer im Schach oder Schatrandsch. (Dieser ausgefallene Zug kennzeichnet ein Spiel als einen wahrscheinlichen Abkömmling des Chaturanga.)
  • Padàti (Fußsoldat); auch Pedati geschrieben oder als Sainik (Krieger?) bekannt – bewegt sich wie der Bauer im Schach oder Schatrandsch.

Al-Adli erwähnt auch zwei weitere Unterschiede zum Schatrandsch:

  • Ein Patt galt als Sieg für einen Patt gesetzten Spieler. Diese Regel wirkt nicht logisch, taucht allerdings in einigen Schachvarianten in England um 1600 wieder auf. Nach einigen Quellen gab es kein Patt, was unwahrscheinlich ist.
  • Der Spieler, der zuerst den König des Gegners entblößt hat (alle Steine bis auf den König gefangen hat) gewinnt. Im Schatrandsch gilt das ebenfalls als Sieg, sofern der Gegner den König des Spielers nicht im Gegenzug ebenfalls entblößen kann.

Geschichte

In Sanskrit bedeutet "Chaturanga" wörtlich „vierteilig“, was sich zugleich auf die vier Truppengattungen des altindischen Heeres bezieht. Neben dem König und seinem Berater im Zentrum bestand die Armee aus den folgenden Einheiten:

  • Infanterie repräsentiert durch eine Linie vorwärts ziehender Bauern.
  • Kriegselefanten, die im Zentrum der Armee König und Kriegskasse trugen, besaßen als Nachkommen des mythologischen Elefanten Airavata die meiste Schlagkraft, zugleich wurde ihnen wegen ihrer Fähigkeit, als schnelle Vorhut des Heeres Sümpfe zu überqueren und Wege anzulegen, im Spiel die Rolle als Läufer zuerkannt. Später wurde diese eher schwache Figur nicht für eine angemessene Wiedergabe der Kraft eines wirklichen Elefanten in der indischen Kriegsführung gehalten. Dadurch änderten sich Zugweise und Name, und heutzutage wird in Indien der Turm häufig als Elefant bezeichnet und der Läufer heißt „Kamel" (Der Ausdruck "Kamel" wird auch für einen Spielstein aus dem Märchenschach mit einer anderen Zugweise, einem (3,1)-Sprung, verwendet).
  • Die Kavallerie wird durch den Springer repräsentiert und einem Zug, der seitliche Ausfälle begünstigt.
  • Streitwagen auf den Flanken, die sich schnell, aber nur geradeaus bewegen. Sie wurden in Europa zum Turm, in Russland auch als „Schiff“ bezeichnet.

Archäologische Belege

Im zentralen Nordindien – in der Gegend zwischen Kanauj und Pataliputra – sind seit den 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts zahlreiche kleine Tonfiguren ausgegraben worden, darunter bewaffnete Krieger, Elefanten, Pferde und Wagen. Allerdings gibt es keine Figuren, die eindeutig als „König“ oder „Berater“ identifiziert werden können, und nie ist ein komplettes Schachset gefunden worden. Die meisten Stücke sind nicht publiziert und befinden sich in schwer zugänglichen Museen.[6] Die 5-15 cm großen Figuren sind in Modeln gefertigt, also serienmäßig hergestellt worden, und einige von ihnen sind auf zwischen 300 und 600 n. Chr. datiert worden. Die Münchner Indologin Renate Syed interpretiert sie als Repräsentanten der Heeresgattungen, die in einer Art Sandkastenspiel von Militärs zum Nachstellen von Schlachten verwendet worden sind. Gegen 450 n. Chr. habe dann eine unbekannte Person diese Figuren mit dem Ashtāpada, dem 64-Felder-Brett, kombiniert und daraus das Chaturanga entwickelt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Ashtāpada englischer Weblink
  2. Zitat aus dem Mahābhārata, Buch 4, Kapitel 1 englischer Weblink
  3. Dabbābah englischer Weblink
  4. [1] englischer Weblink; im Internet Archive
  5. Zugweise des Ratha englischer Weblink
  6. einige Bildbeschreibungen und Abbildungen finden sich in Syed, Kanauj ..., S. 78-80 und 87-91

Literatur

  • David Hooper und Kenneth Whyld: The Oxford Companion to Chess. 2. Auflage. 1992, ISBN 0-19-866164-9.
  • Harold James Ruthven Murray: A History of Chess. 1913, ISBN 0-936317-01-9.
  • David Parlett: The Oxford History of Board Games. 1999, ISBN 0-19-212998-8.
  • D.B. Pritchard: The Encyclopedia of Chess Variants. 1994, ISBN 0-9524142-0-1.
  • Renate Syed: Kanauj, die Maukharis und das Caturanga. Förderkreis Schach-Geschichtsforschung e.V., Kelkheim/Ts. 2001, ISBN 3-934474-09-8.

Weblinks


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