St. Blasius (Bellamont)

St. Blasius (Bellamont)
St. Blasius in Bellamont

St. Blasius ist eine von 1719 bis 1725 unter Abt Beda Werner erbaute römisch-katholische Pfarrkirche in Bellamont, einem Teilort von Steinhausen an der Rottum. Sie befindet sich in der Seelsorgeeinheit St. Benedikt in Ochsenhausen im Landkreis Biberach in Oberschwaben. In der abseits bekannter Verkehrswege liegenden einfachen und unscheinbaren Dorfkirche befinden sich Werke aus der Memminger Werkstatt von Ivo Strigel, des Ulmer Bildhauers Nikolaus Weckmann. Die Ausmalung der Kirche ist ein Werk des späteren Augsburger Reichsstädtischen Akademiedirektors Johann Georg Bergmüller.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Lage

Die Kirche liegt nahezu in der Ortsmitte auf der vollständig verschwundenen schon 1216 erwähnten ehemaligen Burg Bellamont, auf einer leicht nach Süden in Richtung Holzweiher, Hohbäumle und Tristolzer Berg abfallenden Hochebene. Sie wird von Friedhof und nördlicher Aussegnungshalle mit einer Mauer umgeben. Bei der Neuanlage von Gräbern auf dem um die Kirche gelegenen Friedhof wurden Fundamente der Burg gefunden. Der Ort Bellamont wird halbkreisförmig von der in die Donau mündenden Bellamonter Rottum umflossen.

Die Pfarrei Bellamont wurde 1258 erstmals urkundlich erwähnt. Von 1719 bis 1725 unter Abt Beda Werner wurde die Kirche neu erbaut, sein Nachfolger Cölestin Frener vollendete die Kirche nach dessen Tod. Die Wappen beider Äbte sind deshalb im Kircheninneren zu sehen. Auf der zweiten Bankwange des nördlichen Kirchengestühls besagt eine Inschrift, dass Weihbischof Sirgenstein von Konstanz die Kirche geweiht hat. Nach der Säkularisation 1807 wurde Bellamont endgültig eine eigene Pfarrei. Seit 1979 wurde sie vom Pfarrer der Gemeinde Steinhausen an der Rottum aus mitpastoriert.

Die Renovierung der Kirche von 1973 bis 1976 kostete 1,2 Millionen DM. Sie wurden alleinig von der Kirchengemeinde aufgebracht, die zusätzlich insgesamt 6000 freiwillige Arbeitsstunden leistete. 1994 fand eine Innenerneuerung des Turms und Glockenstuhls statt.

Turm und Glocken

Der Kirchturm hat eine mit Kupfer ummantelte Zwiebelhaube und vier Schallöffnungen. An der Traufe des Glockenturms sind vier Zifferblätter der Kirchturmuhr eingelassen. Im Glockenturm hängen drei Glocken. Eine Glocke mit Blasiusrelief gegossen 1725 bei Joh. Daniel und Joh. Georg Schmelz in Biberach an der Riß. In Großbuchstaben steht dort vom Latein ins Deutsche übersetzt: Durch Feuereifer von Abt Beda zum Klingen gebracht zur Ehre des Hl. Märtyrers Blasius, dieses Dorfes Patron. Wegen ihres Kunstwertes konnte für die Glocke die Beschlagnahmung während der NS-Zeit abgewendet werden. Die beiden abgelieferten Glocken sind verschollen und wurden 1976 durch neue ersetzt.

Ausstattung

Chorraum mit Hochaltar

Die Kirche ist dem Heiligen und Bischof Blasius von Sebaste geweiht. Sie ist ein einschiffiges Langhaus mit eingezogenem Chor. Die Außenfigur in der Chorbogennische ist eine Blasiusdarstellung von Johann Georg Reisch aus dem Jahre 1725. Die Deckengemälde stammen von Johann Georg Bergmüller. Vorne sind die vier großen lateinischen Kirchenlehrer, Ambrosius, Hieronymus, Augustinus und Gregor abgebildet. Das hintere stuckgefaßte Deckenfresko in der Mitte zeigt eine Szene aus der Legende des Kirchenpatrons Blasius. Das vordere Fresko zeigt Abt Cölestin Frener und seine Mitbrüder, das Kloster und die Pfarrkirche Bellamont sich dem himmlischen Schutz erbetend. Über dem Chorbogen befindet sich das Wappen von Abt Beda, ein silberner Pelikan in blauem Grund. Über dem Hochaltar das Wappen des aus Konstanz stammenden Abtes Cölestin. Das Hochaltarbild mit der Verherrlichung des Hl. Blasius stammt von Bergmüller, ebenso wie die vier Evangelistenbilder der Kanzel.

Beide Seitenaltarfiguren die Apostel Petrus und Paulus sowie eine Madonnenfigur und Teile des verschollenen spätgotischen Altars der Stiftskirche St. Georg sind vom Ulmer Bildhauer Niklaus Weckmann. Die Madonna ist aus der Memminger Werkstatt Ivo Strigels 1470.

Die Kanzel, Beichtstühle, Figur des Heiligen Sebastian und das Chorbogenkreuz fertigte Johann Georg Reisch (1691-1760). Zacharias Binder aus Ehingen schuf um 1648 den Evangelisten Johannes auf dem Kanzeldeckel, St. Michael und die Engel auf den Beichtstühlen, die aus der Vorgängerkirche stammen.

Der Kirchenschatz hat prächtige Paramente, eine barocke Sonnenmonstranz, Ewiglichtlampe von 1725, Messkelch von 1767 mit Stifterinschrift des Mönches Lanfrancus Schnitzer angefertigt von einem Augsburger Goldschmiedmeister Georg Ignaz Baur einem gebürtigen Biberacher.

Orgel

Die erste Orgel tauchte in den Abrechnung des Kloster mit dem Datumsvermerk 2. Februar 1757 mit einer Summe von 30 Gulden auf. Der heutige barocke Orgelprospekt stammt aus der Klosterkirche von Urspring. 1835 veranlasste der Orgelbauer Schultes aus Neresheim den Umzug nach Ochsenhausen. Die jetzige Orgels ist das Meisterstück des Orgelbauers Wiedmann aus Oberessendorf. Sie hat zwei Manuale und 20 Register.[1]

I Hauptwerk C–a3
1. Prinzipal 8'
2. Rohrflöte 8'
3. Octav 4'
4. Sesquialter II 22/3'
5. Hohlflöte 2'
6. Mixtur IV 11/3'
7. Trompete 8'
II Unterwerk C–a3
8. Holzgedeckt 8'
9. Spitzgambe 8'
10. Prinzipal 4'
11. Koppelflöte 4'
12. Prinzipal 2'
13. Larigot 12/3'
14. Scharff III 1'
15. Dulzian 8'
Tremulant
Pedalwerk C–a3
16. Subbass 16'
17. Octavbass 8'
18. Gedecktbass 8'
19. Piffaro II 4'
20. Fagott 16'

Literatur

  • Eberhard Silvers, St. Blasius Bellamont, 2000
  • Dehio, Baden-Württemberg II. Die Regierungsbezirke Freiburg und Tübingen. Deutscher Kunstverlag, München 1997.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Die Orgel auf dem Netzautrtitt des Herstellers Orgelbau Wiedemann. Abgerufen am 20. März 2011.
48.0118759.908465

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