Ulrich Melchinger

Ulrich Melchinger

Ulrich Melchinger (* 19. Mai 1937 in Frankfurt am Main; † 22. Juni 1979 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Opernregisseur.

Leben und Wirken

Melchinger ist der Sohn des Theaterkritikers Siegfried Melchinger. Er wuchs in Frankfurt am Main auf und wechselte mit seinen Eltern nach Kriegsende nach Wien. Er studierte dort Musik und Klavier und beendete sein Ausbildung 1957 in Stuttgart. Anschließend war er Produktionsassistent an der Wiener Staatsoper bei Herbert von Karajan und ging dann als Regisseur an die Oper des Theaters Lübeck. Von 1966 bis 1977 war Melchinger Oberspielleiter am Staatstheater Kassel, wo er durch moderne, politisch aktualisierte Inszenierungen des Wagner-Rings (1970–1974) auf sich aufmerksam machte. „Melchinger ließ als erster die Walküren mit Motorrädern auftreten, machte Walhall zur Reichskanzlei.” [1] Wichtiger Partner seiner Kasseler Inszenierungen war Thomas Richter-Forgách, der Bühnenbild und Kostüm entwarf. Notorisch wurde seine Inszenierung des Fliegenden Holländers als schwarze Messe von 1976,[2] die im Publikum zu Tumulten führten.[3] Im Begleitprogramm der documenta 8 wurde Melchingers Ring-Inszenierung 1987 als bis dato „berühmteste Produktion“ des Staatstheaters komplett wiederaufgenommen.[4]

Ab 1977 war er Oberspielleiter in Freiburg, inszenierte im Oktober 1978 die Uraufführung von Franz Schrekers Christophorus, als Koproduktion mit den Berliner Festwochen und begann mit Don Giovanni einen Mozart-Opernzyklus einzustudieren. Er starb 42jährig während den Vorbereitungen zur Aufführung der Zauberflöte an einem Herzinfarkt. Melchinger war verheiratet und hatte vier Kinder.

Literatur

  • ‪Rudolf Hartmann: Opera. ‪Chartwell Books, 1976‬ ISBN ‪978‬-‪0‬-‪89009576‬-‪8‬, S. 260

Einzelnachweise

  1. Nachruf. In: Der Spiegel vom 27/1979 vom 2. Juli 1979
  2. James K. Holman: The Flying Dutchman : An Introduction. In: John Louis DiGaetani. Wagner outside the Ring. McFarland, Jefferson NC 2009, ISBN 0-7864-3400-7, S. 30.
  3. Heinz Josef Herbort: Erlöst wird nicht mehr. In: Die ZEIT. Nr. 9/1976 vom 20. Februar 1976.
  4. Eine neue Haltung der Kunst. In: Hamburger Abendblatt, Nr. 134 vom 12. Juni 1987, S. 16.

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