Diözesan- und Dombibliothek Münster

Diözesan- und Dombibliothek Münster
Blick auf den westlichen Flügel, im Hintergrund der Turm der Überwasserkirche.

Die Diözesanbibliothek am Überwasserkirchplatz an der Überwasserkirche im westfälischen Münster ist die zentrale Bibliothek des Bistums Münster. Sie ist nach eigenen Angaben mit etwa 700.000 Bänden und 680 dauernd gehaltenen Zeitschriften die größte Spezialbibliothek in Deutschland [1]. Dazu kommen mehrere Tausend historische Handschriften.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ostflügel der Bibliothek.

Die Geschichte der Bibliothek und somit auch der Sammlung geht bereits auf das Jahr 1401 zurück, als die Fraterherren bzw. „Brüder vom gemeinsamen Leben“ ein eigenes Haus in der westfälischen Stadt errichteten. Seitdem nahm der Umfang der Sammlung stetig zu, auch trotz der Unterbrechung in den Jahren 1535 und 1536, als die Täufer in Münster herrschten und ein nicht näher quantifizierbarer Anteil des Bestandes verloren ging.

Im Jahre 1772 wurde die Ordensgemeinschaft aufgelöst und die Sammlung mit der des Critinianums vereinigt. Sie sollten ab dem Jahre 1776 die Basis der Bibliothek des neu gegründeten Priesterseminars darstellen. Mit der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts vermehrte sich der Bestand sprunghaft, als die Bestände der aufgelösten Klöster integriert wurden.

Im Jahre 1958 erhielt die Bibliothek die Verwaltung der international bekannten Santini-Sammlung zurück, die sie bereits 1853 erwarb und 1923 für 25 Jahre unter die Obhut der Westfälischen Wilhelms-Universität stellte. Erst 1960 wurde die Bibliothek der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Jahre 1977 erfolgte die Ausgliederung aus dem Priesterseminar als eigenständige Diözesanbibliothek und ein Jahr später der Umzug in ein eigenes Gebäude in unmittelbarer Nähe zur Überwasserkirche. Eine erneute Erweiterung der Sammlung erfuhr die Bibliothek im Januar 1995 mit der Aufnahme der Studien- und Zentralbibliothek der Franziskaner. Sie ist eine Dauerleihgabe an die Diözesanbibliothek. Im Jahre 2003 wurde das alte Bibliotheksgebäude abgetragen und durch einen größeren, von Max Dudler konzipierten Neubau ersetzt, der am 9. Dezember 2005 eröffnet und von Bischof Reinhard Lettmann geweiht und gesegnet wurde.

Sondersammlungen

Der Bestand der Diözesanbibliothek in Münster umfasst mehrere Sondersammlungen. Die bedeutendste und bekannteste ist die Santini-Sammlung des italienischen Priesters, Komponisten und Musik-Sammlers Fortunato Santini (1778-1861). Diese Sammlung, die sich seit 1853 im Besitz des Bistums Münster befindet und 1862 von Rom nach Münster verbracht wurde, gilt als eine der umfangreichsten und wertvollsten Quelle für italienische Musik. Sie enthält etwa 20.000 Titel in Form von ungefähr 4.500 Handschriften und 1.200 Drucken aus der Zeit vom 16. bis zum 19. Jahrhundert.

Eine weitere bedeutende Sammlung ist die Bibliothek der Fraterherren. Dabei handelt es sich um eine umfangreiche, geschlossene Sammlung. Ihr kommt eine besondere Bedeutung zu, da die Fraterherren einen maßgeblichen Einfluss auf Schrift und Buchdruck in der frühen Neuzeit hatten. Diese Sammlung besteht aus zwölf Handschriften, etwa 120 Wiegen- und 300 Frühdrucke, sowie ungefähr 1.400 Bänden. Sie alle entstanden zwischen 1531 und 1770.

Weitere Sondersammlungen sind die Bibliothek des Critinianums sowie die Gebet- und Gesangbuchsammlung des ehemaligen Ludgerianums. Letztgenannte ist eine bedeutende und umfangreiche Sammlung für die Frömmigkeitsgeschichte Nordwestdeutschlands. Daneben gehören diverse Bestände aus ehemaligen Pfarr- und Klosterkirchen des Bistums und aus dem ehemaligen Diözesanmuseum sowie die Bibliothek und die Briefsammlung von Peter Wust der Diözesanbibliothek Münster.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Artikel aus Die Glocke vom 10. Dezember 2005 zur Eröffnung der neuen Diözesanbibliothek

51.9647222222227.62208333333337Koordinaten: 51° 57′ 53″ N, 7° 37′ 19″ O


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Поможем сделать НИР

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Dombibliothek — Eine Dombibliothek ist eine zu einer Bischofskirche gehörende Bibliothek, die meist bereits im Mittelalter begründet wurde. Heute sind sie oft als Dom und Diözesanbibliothek auch öffentlich zugänglich. Als Bibliotheksform seit dem frühen… …   Deutsch Wikipedia

  • Johann Gropper — Johannes Gropper Wappen von Johannes Gropper Johannes Gropper, auch Johann Gropper (* 24. Februar 1503 in Soest, Nordrhein Westfalen; † …   Deutsch Wikipedia

  • Dombibliotheken — Eine Dombibliothek ist eine zu einer Bischofskirche gehörende Bibliothek, die meist bereits im Mittelalter begründet wurde. Heute sind sie oft als Dom und Diözesanbibliothek auch öffentlich zugänglich. Als Bibliotheksform seit dem frühen… …   Deutsch Wikipedia

  • Johannes Gropper — Wappen von Johannes Gropper Johannes Gropper, auch Johann Gropper (* 24. Februar 1503 …   Deutsch Wikipedia

  • Harm Klueting — (* 23. März 1949 in Iserlohn) ist ein deutscher Historiker, Theologe, Universitätsprofessor und römisch katholischer Priester. Seine Forschungsschwerpunkte sind Kirchengeschichte und Allgemeine Geschichte der Frühen Neuzeit. Er hat aber auch… …   Deutsch Wikipedia

  • Johann Friedrich Benzenberg — (* 5. Mai 1777 in Schöller bei Elberfeld; † 8. Juni 1846 in Bilk bei Düsseldorf) war ein deutscher Physiker, Geodät und Publizist …   Deutsch Wikipedia

  • Johannes Gropper — Biographie Naissance 24 février 1503 à Soest …   Wikipédia en Français

  • Liste der Fachbibliotheken — Folgende Liste stellt die Fachbibliotheken der einzelnen Fachbereiche dar, auch virtuelle Fachbibliotheken und Sondersammelgebiete einzelner Bibliotheken finden dabei ihre Berücksichtigung. Diese Liste erhebt aber keinen Anspruch auf… …   Deutsch Wikipedia

  • Castra Novaesia — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Neuss am Rhein — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”