Frankenderby

Frankenderby
1. FC Nürnberg SpVgg Greuther Fürth

Als Frankenderby werden Fußballspiele zwischen den Vereinen 1. FC Nürnberg und SpVgg Greuther Fürth bezeichnet. Das Frankenderby ist mit bislang 253 Begegnungen das am häufigsten ausgetragene Fußballderby Deutschlands.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gründeten sich die Fußballvereine 1. FC Nürnberg und SpVgg Fürth, und schnell entwickelte sich eine große Rivalität, die besonders brisant wurde, da beide Mannschaften lange Zeit zu den besten Klubs Deutschlands gehörten, obwohl die Städte seit 1899 direkt aneinander grenzen und beinahe verwachsen sind.

Anfänge

Erstmals fand es Herbst 1902 statt und endete 15:0 für Nürnberg. Allerdings können die ersten drei Spiele nicht bedingungslos in die Statistik eingerechnet werden, da damals noch die Fußballabteilung des TV 1860 Fürth antrat, die erst am 23. September 1903 selbstständig wurde. Im Dezember 1908 endete erstmals ein Spiel unentschieden (3:3) und am 20. Oktober 1910 gab es den ersten Sieg für Fürth (2:1). Dieser erste Sieg war zudem das erste Derby, das auf dem Fürther Sportplatz am Ronhofer Weg, dem damals größten Sportplatz des Deutschen Reiches, ausgetragen wurde. Die Zuschauerzahl betrug rund 10.000.

Franken als deutsche Fußballhochburg

Allgemein gelang es Fürth in den 1910ern, an Nürnberg vorbeizuziehen, was in der ersten deutschen Meisterschaft im Jahr 1914 gipfelte. 1920 gewann dann erstmals Nürnberg die Victoria, nachdem im Finale Fürth geschlagen worden war. Es war die unmittelbar folgende Meisterschaftssaison, da der Erste Weltkrieg zwischendurch zur Unterbrechung des Spielbetriebs geführt hatte. Vom 8. Juli 1918 bis zum 5. Februar 1922 blieb Nürnberg in 104 Verbandsspielen ungeschlagen. Anfang und Ende dieser Serie wurden von Niederlagen gegen Fürth bestimmt. Die 1920er bedeuteten für beide Vereine die erfolgreichste Zeit. Größere Bekanntheit erreichte eine Anekdote vom 21. April 1924. Damals waren für ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande ausschließlich Spieler von Nürnberg und Fürth nominiert worden. Deutschland gewann in diesem Spiel erstmals gegen die Niederlande, die Akteure verbrachten jedoch Hin- und Rückfahrt in nach Vereinen getrennten Zugabteilen. 1929 wurde Fürth zum letzten mal Meister, wobei das Finale gegen Hertha BSC im Nürnberger Stadion ausgetragen wurde. Exemplarisch für die Härte, in der die Derbys zu dieser Zeit bestritten wurden, ist ein Spiel vom 6. Oktober 1929. Damals gab es 87 Freistöße und drei Platzverweise. Endstand war 1:1.

Anfang der 50er Jahre schaffte es das Frankenderby nochmals, sich zu einem der hochklassigsten Fußballspiele Deutschlands zu etablieren. Eine 2:7-Heimniederlage der Nürnberger gegen Fürth vom 1. Oktober 1956 kommentierte der ehemalige Nürnberger Außenläufer Hans „Bumbes“ Schmidt mit den Worten: „Die Tränen haben mir in den Augen gestanden, wie die gespielt haben! Und ausgerechnet die Blödel aus Fürth gewinnen das!“ Das Zitat erreichte deswegen Bekanntheit, weil Schmidt zu diesem Zeitpunkt der Fürther Trainer war.

Seit Gründung der Bundesliga

1963 konnte sich die SpVgg Fürth nicht für die neu eingeführte Bundesliga qualifizieren. Nürnberg hingegen wurde 1968 letztmals Meister, ehe der Club abstieg und fortan als Fahrstuhlmannschaft fungiert. Fürth stieg zwischendurch in die Viertklassigkeit ab. 1996/97 spielten beide Vereine in der drittklassigen Regionalliga Süd und trafen auch im DFB-Pokal aufeinander. Die 44.181 Zuschauer bilden noch immer den Rekord für ein Pokalspiel zwischen Drittligisten. Die Liga dominierten Nürnberg und Fürth nach Belieben, so dass sie am Ende gemeinsam aufstiegen. Seither gehört Fürth ununterbrochen der zweiten Bundesliga an, wobei der Aufstieg in den letzten Jahren stets nur knapp verfehlt wurde; Nürnberg hingegen wechselte sieben Mal zwischen zweiter und erster Liga.

In den letzten Jahren wurden einige Fürther Heimspiele im größeren Fankenstadion ausgetragen, nicht aber in der Saison 2003/04 sowie in der Saison 2008/09, da die Spielvereinigung im Aufstiegskampf nicht auf den Heimvorteil verzichten wollte. 2004 zogen etwa 3000 Nürnberger Fans in einem Marsch durch Fürth durch die Fürther Innenstadt, die Polizei wurde völlig überrascht. Um ein ähnliches Debakel zu verhindern, richtete die Polizei 2009 einen weitläufigen Sicherheitsring um das Fürther Stadion ein. Solche Sicherheitsvorkehrungen zeugen von der hohen Brisanz des Spiels.[1][2] Beim 253. Derby am 10. Mai 2009 wurde im easyCredit-Stadion ein Public Viewing veranstaltet, zu dem 16.000 Besucher kamen, mehr Personen, als in das ausverkaufte Playmobil-Stadion passten.[3]

Im Achtelfinale des DFB-Pokals 2011/12 kommt es am 20. Dezember 2011 zur 254. Auflage des Frankenderbys.[4]

Wechsel zwischen den Vereinen

Ein Wechsel zwischen den Vereinen war früher „ein Ding der Unmöglichkeit“. Leonhard „Loni“ Seiderer war der erste Spieler, der von Nürnberg zu Fürth wechselte. Hans Sutor hingegen wurde praktisch zu einem Wechsel gezwungen. Als der Fürther kurz nach der gegen Nürnberg verlorenen Meisterschaft 1920 eine Nürnbergerin heiratete, durfte er nicht mehr für seinen Verein spielen. Er schloss sich darauf dem 1. FC Nürnberg an, mit dem er schließlich drei Meisterschaften gewann. Der bislang letzte Spieler, der direkt zwischen den Profiteams transferierte, war Juri Judt, der vor der Saison 2008/09 zu Nürnberg kam.

Statistik

Bislang fanden 253 Frankenderbys statt. Dabei gewannen 137 mal die Nürnberger, 70 mal die Fürther und 46 mal endete das Spiel unentschieden.

Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse der letzten Derbys. Dabei sind Nürnberger Siege rot und Fürther Siege grün unterlegt.

Datum Heimmannschaft Auswärtsmannschaft Ergebnis Torschützen Anlass
20. Dezember 2011 1. FC Nürnberg SpVgg Greuther Fürth -:- (-:-) DFB-Pokal
10. Mai 2009 SpVgg Greuther Fürth 1. FC Nürnberg 1:1 (0:0) 0:1 Vidosic (47.), 1:1 Reisinger (57.) 2. Bundesliga
24. November 2008 1. FC Nürnberg SpVgg Greuther Fürth 2:1 (0:1) 0:1 Reisinger (38.), 1:1 Maroh (72.), 2:1 Eigler (87.) 2. Bundesliga
10. Oktober 2007 SpVgg Greuther Fürth 1. FC Nürnberg 3:1 (3:0) 1:0 Maierhofer (3.), 2:0 Judt (11.), 3:0 Lanig (32.), 3:1 Pagenburg (86.) Freundschaftsspiel
31. August 2006 1. FC Nürnberg SpVgg Greuther Fürth 2:0 (0:0) 1:0, 2:0 Benko (57., 69) Freundschaftsspiel
7. Oktober 2004 SpVgg Greuther Fürth 1. FC Nürnberg 1:0 (0:0) 1:0 Feinbier (67.) Freundschaftsspiel
7. März 2004 SpVgg Greuther Fürth 1. FC Nürnberg 2:2 (2:1) 1:0 Feinbier (6.), 1:1 Kleine (11., Eigentor), 2:1 Feinbier (37.), 2:2 Kießling (80.) 2. Bundesliga
22. September 2003 1. FC Nürnberg SpVgg Greuther Fürth 1:1 (1:0) 1:0 Mintál (22.), 1:1 Reichel (88.) 2. Bundesliga
17. März 2001 1. FC Nürnberg SpVgg Greuther Fürth 0:1 (0:1) 0:1 Amanatidis (21.) 2. Bundesliga
21. Oktober 2000 SpVgg Greuther Fürth 1. FC Nürnberg 0:0 2. Bundesliga

Literatur

Christoph Bausenwein, Harald Kaiser, Herbert Liedel, Bernd Siegler, Der Club – 100 Jahre Fußball, 1999, Verlag W. Tümmels, Nürnberg, ISBN 3-921590-70-1, S. 82 f.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Fürth: Zug der Ultras verlief ohne Zwischenfälle (nn-online, 10. Mai 2009)
  2. Polizei will Chaos verhindern (nn-online, 19. März 2009)
  3. Punkteilung im Derby, 10. Mai 2009
  4. Berichterstattung der Sportschau zur Auslosung der Achtelfinals, 30. Oktober 2011

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