Heinrich XXIV. Reuß zu Köstritz

Heinrich XXIV. Reuß zu Köstritz
Heinrich XXIV. Prinz Reuß zu Köstritz

Heinrich XXIV. Prinz Reuß zu Köstritz, auch Heinrich XXIV. Prinz Reuß jüngere Linie, (* 8. Dezember 1855 in Trebschen; † 2. Oktober 1910 in Ernstbrunn, Niederösterreich) war ein deutscher Komponist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der in Trebschen in der Mark Brandenburg geborene Heinrich XXIV. entstammte der nichtregierenden Nebenlinie Reuß-Köstritz aus der jüngeren Linie der alten, weitverzweigten deutschen Adelsfamilie der Reuß. Seine Jugend verbrachte er in Wien, wo er entscheidend durch die künstlerische Atmosphäre seines Elternhauses geprägt wurde. Den ersten Musikunterricht (Klavier, Orgel, Generalbass) erhielt er von seinem Vater, Fürst Heinrich IV. (1821–1894), der selbst komponierender Dilettant und Schüler Carl Gottlieb Reißigers gewesen war. In Dresden erteilte man Heinrich XXIV. schließlich als Gymnasiasten einen geregelten Musikunterricht, den er später in Leipzig und Bonn fortsetzte. Trotz seiner ersichtlichen musikalischen Begabung entschloss sich Heinrich XXIV. zuerst ein juristisches Studium aufzunehmen. Nachdem er allerdings 1883 zum Dr. jur. promovierte, widmete er sich von diesem Zeitpunkt an fast nur noch seinem musikalischen Interessen. In dem Komponisten Heinrich von Herzogenberg, der in Kontakt mit Johannes Brahms stand, fand Heinrich XXIV. einen fähigen Lehrmeister, wenngleich er auch einmal über seine Treffen mit Brahms persönlich sagte, dass dieser ihm "oft in zehn Minuten mehr beibrachte als es Herzogenberg in Monaten gelungen war." Am 27. Mai 1884 hatte Heinrich XXIV. seine Cousine Elisabeth Prinzessin Reuß zu Köstritz (1860–1931) geheiratet. Der Ehe entstammten fünf Kinder. Heinrich XXIV. Prinz Reuß-Köstritz starb zwei Monate vor seinem 55. Geburtstag im Oktober 1910 in Ernstbrunn, wo sich seit 1828 der Stammsitz seiner Familie befand.

Stil

Heinrich XXIV. Prinz Reuß-Köstritz sah sich als Komponist besonders von Johannes Brahms beeinflusst, den er sehr verehrte. Seine Musik ist auch dementsprechend stark von Brahms' Stil geprägt, unterscheidet sich allerdings von diesem durch einen im Großen und Ganzen leichteren Tonfall und ähnelt somit mehr derjenigen seines Lehrers Heinrich von Herzogenberg. Auch eine stilistische Nähe zu den Werken Antonín Dvořáks ist auszumachen. An den Kompositionen Heinrichs XXIV. fallen besonders eine meisterliche Beherrschung der Form und der Satztechniken, vor allem bei kontrapunktischer Stimmführung, auf. Sein Hauptschaffensgebiet war, wie bei Brahms, Dvořák und Herzogenberg, die Kammermusik, die er um zahlreiche Werke der verschiedensten Gattungen bereichert hat. Unter seinem übrigen Schaffen ragen seine sechs Symphonien hervor.

Zu Lebzeiten erfreuten sich die Werke des komponierenden Fürsten nicht nur in Fachkreisen einer hohen Wertschätzung. Auch Max Reger gehörte zu ihren Bewunderern. Noch Jahre nach Heinrichs Tod wurden seine Kompositionen in diversen Konzertführern wärmstens empfohlen, so äußerte sich z.B. der Musikwissenschaftler Wilhelm Altmann im 1929 erschienenen dritten Band seines Handbuchs für Streichquartettspieler über das Streichsextett Nr. 2 h-Moll: "[Es] ist ein Werk, das an künstlerischem Wert den beiden Brahmsschen Sextetten nahekommt. Jeder Kammermusikfreund sollte es kennen." Ab etwa 1930 wurde es zunehmend stiller um den Komponisten, dessen Werk eine Wiederentdeckung durchaus lohnen würde.

Werke (Auswahl)

Kammermusik

  • Violasonate G-Dur op. 22 (1904)
  • Cellosonate C-Dur op. 7 (1895)
  • Trio für Violine, Viola und Klavier op. 25
  • Streichquartett Nr. 1 F-Dur op. 11
  • Streichquartett Nr. 2 g-moll op. 23/1 (1904)
  • Streichquartett Nr. 3 Es-Dur op. 23/2 (1904)
  • Streichquintett F-Dur op. 4 (1887)
  • Streichsextett Nr. 1 d-Moll op. 12 (1899)
  • Streichsextett Nr. 2 h-Moll op. 17 (1902)

Orchesterwerke

  • Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 10
  • Symphonie Nr. 2 A-Dur oop.
  • Symphonie Nr. 3 e-Moll op. 28 (1907)
  • Symphonie Nr. 4
  • Symphonie Nr. 5
  • Symphonie Nr. 6

Weblinks


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