Hellmuth Hirth

Hellmuth Hirth
Hellmuth Hirth zur Zeit seiner großen Erfolge
Hirth (M.) mit einem Fluggast und Edmund Rumpler (r.) beim Deutschlandflug 1911

Hellmuth Hirth (* 24. April 1886 in Heilbronn; † 1. Juli 1938 in Karlsbad) war ein Flugpionier, Flugzeug- und Flugmotorenkonstrukteur.

Er nutzte die Erfindung seines Vaters Albert Hirth einer strahlenförmigen Stirn-Passverzahnung, auch Hirth-Verzahnung genannt, für Luftschrauben und machte sie populär. Zusammen mit Herrmann Mahle gründete er den Versuchsbau Hellmuth Hirth, der später ganz von den Mahle Brüdern Herrmann und Ernst Mahle übernommen und zum Beginn des Mahle Konzerns wurde. Hirth selbst konzentrierte sich mit seinen Unternehmen nur noch auf den Flugzeug- und Flugmotorenbau.

Inhaltsverzeichnis

Kurzer Lebenslauf

  • 24. April 1886 Geburt in Heilbronn
  • 1901 Mechanikerlehre
  • 1906 Besuch der Baugewerkeschule in Stuttgart
  • 1908 Filialleiter in England im Unternehmen seines Vaters
  • 1911 Erwerb des Pilotenpatents. Oberingenieur bei Rumpler
  • 1912 Technischer Direktor bei den Albatroswerken
  • 1915 Bau des ersten Riesenflugzeugs
  • 1920 Gründung des späteren Unternehmens »Elektronmetall« in Stuttgart
  • 1931 Gründung der »Hirth-Motoren GmbH« in Stuttgart
  • 1. Juli 1938 Gestorben in Karlsbad

Biographie

Hellmuth war der älteste Sohn von Albert Hirth und wurde am 24. April 1886 in Heilbronn geboren. Nach dem Motto des Vaters: „Meine Buben sollen junge Teufel im freien Feld fangen dürfen, wenn sie Lust dazu haben“ beschäftigte sich Hellmuth mit allem, was damals „in“ war. So fuhr der „Hansdampf in allen Gassen“ bereits mit zwölf Jahren ein Motorrad und mit dreizehn ein Automobil. Gleichzeitig gab er Erwachsenen Fahrstunden und fuhr deren Fahrzeuge ein. Die Hellmuth gewährte Freiheit und seine praktische Veranlagung waren wohl schuld, dass er sich in der Schule schwer tat.

Er absolviert eine Mechanikerlehre und bereits mit siebzehn Jahren befindet er sich in den USA. Dort nimmt er eine Stellung bei der Singer-Nähmaschinenfabrik an und bringt es in kurzer Zeit durch seine Verbesserungsvorschläge zum Vorarbeiter. Da ihn diese Arbeit nicht befriedigt, nimmt er eine Monteurstelle in einem New Yorker Autoreparaturbetrieb an und wird Rennfahrer von Christiewagen. Nach einem Abstecher in den brasilianischen Urwald, wo er der Jagd nachgeht, finden wir ihn im Labor von Thomas Alva Edison wieder. Dort nimmt er Verbesserungen an den Phonographenwalzen vor. 1904 kehrt Hellmuth Hirth nach Deutschland zurück, besucht die Baugewerkeschule in Stuttgart und 1908 übernimmt er die Leitung der Filiale der Fortunawerke seines Vaters in England.

In diese Zeit fällt ein Schlüsselerlebnis, das den ferneren Lebensweg des jungen Hirth bestimmen wird. Durch Zufall fällt ihm Lilienthals berühmtes Werk „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“ in die Hände und von nun an steht für ihn fest - unterstützt durch die Luftfahrt-Ambitionen des Vaters - dass er Flieger werden wird. Durch Vermittlung seines Vaters arbeitet er kurze Zeit als Werkmeister bei dem Flugpionier August Euler in Darmstadt. Da dieser jedoch mit seiner Voisin-Flugmaschine Schwierigkeiten hat, kehrt Hellmuth nach Stuttgart zurück, um sich selbst eine Blériotmaschine zu bauen. Wegen des zu schwachen Motors kommt diese nicht über kleine Luftsprünge hinaus, weshalb sich Hirth nach Wien begibt, um dort bei Illner mit der Etrich Taube zu fliegen. Bereits nach vier Flügen beherrscht er die Maschine so, dass ihn Edmund Rumpler, der die deutsche Vertretung von Etrich-Flugzeugen übernommen hatte, als Chefpilot einstellt.

Am 11. März 1911 erwirbt Hellmuth Hirth das deutsche Flugzeugführerpatent Nr. 79. Im gleichen Jahr noch gewinnt er den Oberrheinischen Zuverlässigkeitsflug, wo er den Altmeister Emil Jeannin schlägt, ist Gewinner des Kathreiner-Preises beim Überlandflug München/Berlin, stellt den Höhenweltrekord mit Passagier von 2 475 Metern auf und belegt im Schwabenflug einen der vordersten Plätze. Bei einem dieser Flüge ereignete sich folgende Geschichte: „Ich überflog einen Ort, als gerade Jahrmarkt abgehalten wurde, zu dessen Sensationen auch eine Menagerie mit wilden Tieren gehörte. Plötzlich sahen mich ein paar Frauen und schrien: ›Ein Flieger kommt‹. Die Umstehenden verstanden, was ihnen vielleicht näher lag ›Ein Tiger kommt!‹ und mit dem Zusatz ›Rettet Euch‹ jagte alles aus- und durcheinander“.

Obwohl Rumpler den Chefpiloten Hirth bald zum Oberingenieur ernennt, geht dieser 1912 als technischer Direktor zu den Albatroswerken in Johannisthal bei Berlin. Ein paar Monate später verpflichtet er den Flugzeugkonstrukteur Ernst Heinkel als Konstruktionsleiter für die Albatros Flugzeugwerke.

Im Jahr 1912 geht Hellmuth Hirth aus so ziemlich allen großen Flügen als strahlender Sieger hervor: So der 2. Oberrheinische Rundflug und der Süddeutsche Flug. Den Wettflug Berlin - Breslau - Wien über eine Distanz von 600km bewältige er als einziger Teilnehmer am 6. bis 12. Juni 1912. Danach schraubt er den Höhenweltrekord auf 4420 Meter.

Die Erfolge, welche Hellmuth Hirth errang, verdankte er auch seinen genauen Kenntnissen der Flugzeugmotoren. So äußerte er in einem Gespräch mit Kaiser Wilhelm II. anlässlich der Verleihung des Kronenordens IV. Klasse im Jahr 1912, „... dass die Nation, welche den besten Flugmotor entwickelt, auch automatisch das beste Flugzeug bauen würde.“ Die Jahre 1913 und 1914 bringen weitere deutsche und internationale Erfolge und Rekorde. Zudem beschäftigt sich Hirth mit der Konstruktion eines Riesenflugzeugs, mit dem er den Atlantik überqueren wollte. Doch der Beginn des Ersten Weltkriegs überschattet alle Pläne, und schon finden wir ihn bei der Jagdstaffel Boelcke, wo er in kürzester Zeit zum Leutnant avanciert und das EK II erhält.

Ferdinand Graf von Zeppelin, der nach militärischen Möglichkeiten der Luftfahrt sucht, hörte zwischenzeitlich von Hirths Plänen eines Riesenflugzeugs und erreicht bei Robert Bosch, dass dieser seinen Freund und Direktor Gustav Klein für diese Aufgabe freistellt. Auch Heinkel wird gewonnen. Das Team kommt im September 1914 zu einer ersten Besprechung zusammen und beauftragt den Stuttgarter Professor Baumann - bei dem seinerzeit der junge Heinkel seine ersten theoretischen Kenntnisse erwarb - mit der Konstruktion, während Klein die Gesamtleitung und Hirth die technische Leitung übernimmt. Und bereits nach sechs Monaten ist die Gotha RI fertiggestellt und kann von Hellmuth Hirth eingeflogen werden.

Neben seiner Tätigkeit als Fluglehrer für Riesenflugzeuge widmet sich Hirth auch dem Motorenbau. Er entwickelt einen Zweitaktmotor und meldet so nebenher ein hohle Luftschraube zum Patent an, bei der die Auspuffgase durch feine Düsen an der Rückseite des Propellerblattes weggeschleudert werden. Nach dem Krieg nimmt Hellmuth Hirth seine Konstruktionstätigkeiten wieder auf. Bereits im Jahr 1920 gründet er mit Hermann Mahle zusammen in Stuttgart das spätere Unternehmen „Elektronmetall“, in dem vor allem Motorkolben, Flugzeugbremsräder sowie Luft- und Ölfilter aus Elektron - einer Aluminium-Magnesium-Legierung - hergestellt werden. Daneben entwirft Hellmuth Hirth Motoren für Motorräder, mit denen der Dritte im Bunde, sein jüngerer Bruder Wolf Hirth, von Sieg zu Sieg eilt und schließlich die „Deutsche Straßenmeisterschaft“ gewinnt. Und da Hellmuth Hirth immer noch der Luftfahrt verpflichtet ist, baut er ein Leichtflugzeug ganz aus Metall, das den Namen „Spatz“ erhält. Zudem schwebt ihm ein leichter luftgekühlter Motor vor, den er gerne bauen würde. Da erinnert er sich an ein Patent seines Vaters, das als „Hirth-Stirnverzahnung“ in die Technikgeschichte eingegangen war. Denn würde man einen Motor mit zusammengesetzter Kurbelwelle konstruieren, so könnte man statt eines Gleitlagers geschlossene Rollen- oder Wälzlager benutzen. Dadurch würde sich der Wirkungsgrad des Motors durch höhere Drehzahlen verbessern, der Motor wäre kompakter und benötigte weniger Schmierstoff.

Hellmuth Hirth Denkmal in Stuttgart-Zuffenhausen unweit seines ursprünglichen Unternehmens der „Hirth-Motoren GmbH“

Im Jahr 1931 gründet Hellmuth Hirth die „Hirth-Motoren GmbH“ in Stuttgart-Zuffenhausen, wo bald der neuartige HM 60-Motor mit 60 PS entsteht, der in kürzester Zeit in ganz Deutschland populär wird. Ihm folgen viele weitere Motorenentwürfe, und beim Deutschlandflug 1935 flogen die dreißig bestplatzierten Maschinen einen Hirthmotor. Ab 1936 wurden im Hirth-Motoren-Werk für Heinkel die ersten von Hans Joachim Pabst von Ohain konstruierten Strahltriebwerke der Welt gebaut. Damit ging die Vision von „Vater Hirth“ in Erfüllung.

Mitten in einem erfüllten und für die Zukunft noch so plänereichen Leben ereilte diesen Pionier der Fliegerei ein tragisches Schicksal: Hellmuth Hirth starb - keine drei Jahre nach dem Tod seines Vaters - am 1. Juli 1938 im Alter von 52 Jahren an den Folgen eines Leberrisses, welchen er sich im Krieg bei einem Flugzeugabsturz zugezogen hatte.

Literatur

  • Blumenthal, Stefan - Grüße aus der Luft, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1991, ISBN 3-613-01336-3
  • Baldenhofer, Jörg (Hrsg.) - Schwäbische Tüftler und Erfinder, DRW-Verlag, Stuttgart 1986, ISBN 3-87181-232-3
  • Schmitt, G. und Schwipps, W. - Pioniere der frühen Luftfahrt,Gondrom Verlag, Blindlach 1995, ISBN 3-8112-1189-7
  • Schmolz, H. - Hellmuth Hirth "Vom Scheuernpurzler zum Flugpionier und genialen Motorenkonstrukteur",GKN, Neckarwestheim 1991,

Quellen

  • Blumenthal, Stefan - Albert Hirth und seine Söhne Hellmuth und Wolf: eine schwäbische Erfinderfamilie in Baldenhofer, Jörg (Hrsg.) - Schwäbische Tüftler und Erfinder, DRW-Verlag, Stuttgart 1986, Seite 112-121

Weblinks


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