Hundsrose

Hundsrose
Hunds-Rose
Hunds-Rose (Rosa canina)

Hunds-Rose (Rosa canina)

Systematik
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Rosoideae
Gattung: Rosen (Rosa)
Sektion: Hundsrosen (Caninae)
Art: Hunds-Rose
Wissenschaftlicher Name
Rosa canina
L.
Hunds-Rose (Rosa canina), Illustration

Die Hunds-Rose (Rosa canina), vielfach auch Hundsrose, ist die mit Abstand häufigste wild wachsende Rosenart in Mitteleuropa. Sie wird auch Hagrose oder Heckenrose genannt.

„Canina“ heißt soviel wie hundsgemein, deshalb hat ihr Volksname „Hundsrose“ nichts mit Hunden zu tun, sondern bedeutet, dass man die Hundsrose überall finden kann, da sie weitverbreitet ist.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Die Hunds-Rose wächst als aufrechter, lockerer Strauch und bildet lange, bogig überhängende Äste und Zweige. Meist wird sie zwei bis drei Meter hoch, selten vier, im Schatten kann sie als Spreizklimmer auch höher werden. Sie ist schnellwüchsig und meist breiter als hoch. Die Stacheln sind gleichartig: sie haben eine breite, herablaufende Basis, sind kräftig und hakig, nur selten sichelig.

Blätter

Die Blätter sind siebenzählig gefiedert, von frischgrüner Farbe, nur selten hechtblau überlaufen, glänzend, oder durch Reif matt. Die Blätter sind derb und starr. Die Fiederblättchen sind sehr variabel. Meistens sind sie 1,5 mal so lang wie breit, elliptisch bis eiförmig. Der Blattgrund ist abgerundet, am Ende steht eine kurze, nicht klar abgesetzte Spitze. Der Blattrand ist seltener regelmäßig einfach gesägt, häufiger ein- bis zweifach drüsig gesägt. Die Zähne tragen Knorpelspitzen, Drüsenrudimente oder einzelne Drüsen. Die Blättchenzähne sind in der Regel schmal, spitz und nach vorne gestreicht. Blattober- wie -unterseite sind kahl, die Oberseite ist drüsenlos, die Unterseite kann drüsig sein. Blattstiel und Rhachis sind kahl, selten mit einzelnen Härchen, drüsenlos oder mit einzelnen Stieldrüsen, seltener stärker mit Drüsen besetzt. Die Nebenblätter sind kahl, ihr Rand kahl oder häufiger drüsig gewimpert. Die Drüsen der Hunds-Rose haben keinen auffälligen Duft. Die Herbstfärbung der Blätter ist fahlgelb.

Blüten

Die Blüten stehen einzeln oder bis zu zehnt (selten bis zahlreich). An den Sträuchern sitzen meist viele Blüten. Die einzelnen Blüten sind nur wenige Tage geöffnet. Der Durchmesser der Blüten beträgt meist 3,5 bis 4,5 cm, seltener zwischen 2,5 und 5 cm. Der Blütenstiel ist ein bis zwei, selten bis drei Zentimeter lang. Er ist meist drüsenlos. Hochblätter sind kaum bis gut entwickelt, meist drüsenlos, am Rand aber drüsig gewimpert. Die Kelchblätter sind kahl und drüsenlos bis drüsig gewimpert. Nach der Blüte sind sie zurückgeschlagen und fallen frühzeitig ab, so dass sie zur Fruchtreife nicht mehr vorhanden sind. Die fünf Kronblätter sind hellrosa, selten weiß oder kräftig rosa.

Die Anzahl der Staubblätter ist unterschiedlich, liegt aber ca. zwischen 20 bis 100. Die Griffel sind kahl, steifhaarig oder wollig behaart. Das Narbenköpfchen ist vom Huttyp, selten vom Bukettyp. Blütezeit ist im Juni, sie ist einmal blühend.

Die reifen Früchte tragen keine Kelchblätter.

Die Hagebutten sind von der Gestalt sehr variabel, bei der Hunds-Rose kommen praktisch alle bekannten Hagebuttenformen vor. An einem Strauch ist die Form - mit Ausnahme der endständigen Zentralbutte - immer gleich: am häufigsten sind sie länglich-ellipsoidisch oder eiförmig. Sie sind meist drüsenlos, nur bei stieldrüsigen Formen kann auch die Basis der Hagebutten mit Drüsen besetzt sein. Der Stiel der Hagebutte ist meist ein bis zweimal so lang wie die Hagebutte, häufig auch kürzer, nur selten auch länger. Zur Reife sind die Hagebutten rot und hart, häufig sind sie auch im Frühling noch am Strauch. Der Griffelkanal ist eng, der Diskusring ist breit. Der Diskus ist schwach bis stark konvex und hat einen Durchmesser von 3,2 bis 5, selten 6 Millimeter. Die Reife erfolgt im Vergleich zu anderen Rosen sehr spät im Oktober und November, selten schon im September.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n=35. Wie alle Arten der Sektion Caninae verfügt die Hunds-Rose über eine besondere Form der Meiose, die balancierte Heterogamie.

Verbreitung

Die Hunds-Rose kommt in ganz Europa mit Ausnahme der nördlichsten Gebiete vor: sie fehlt in Finnland und Island, in den Küstenregionen Norwegens kommt sie bis zum 62. Breitengrad vor. Im Osten verläuft die Arealgrenze vom Ladogasee im Norden bis zur Wolga. Östlich davon gibt es Einzelvorkommen bis zum Ural. Zudem kommt sie im Nordwesten Afrikas vor und in Vorderasien, wobei sie in Jordanien und Israel selten ist und im Irak fehlt. Im Pamir gibt es ein isoliertes Teilareal. In Nordamerika wurde die Hunds-Rose eingebürgert.

Standorte

Die Hunds-Rose ist häufig, lediglich in Gebirgslagen und in Sandgebieten ist sie selten. Sie bevorzugt mäßig trockene bis frische Böden, die basenreich, mäßig sauer bis milde sind. Oft sind die Böden humos und tiefgründig, sie wächst aber auch auf steinigen Lehm- und Sandböden, sowie auf Auböden. Sie ist eine Licht- bis Halbschattenpflanze.

Sie wächst an Straßen- und Wegrändern, auf Weiden, in Hohlwegen, in Gebüschen, Waldsäumen, lichten Wäldern und auf Strandwällen. Sie ist ein Pioniergehölz und pflanzensoziologisch eine Charakterart der Prunetalia.

Sie kommt vom Tiefland bis in die Gebirge vor, kommt also von der planaren bis in die montane Höhenstufe vor, selten bis in die subalpine. In den Alpen steigt sie bis 1680 m.

Systematik

Die Hunds-Rose wird innerhalb der Gattung Rosa in die Sektion Caninae (Hundsrosen) und hier in die Subsektion Caninae gestellt.

Die Art ist sehr formenreich, weshalb in der Vergangenheit einige hundert Arten dieser Sippe beschrieben wurden. Sie werden heute nicht mehr anerkannt. Auch die von I. Klášterský 1968 im Rahmen der Flora Europaea aufgestellten Kleinarten werden heute meist nicht mehr als eigenständige Arten akzeptiert. Vielfach sind regionale Sippen morphologisch gut abgrenzbar, ihr taxonomischer Status ist jedoch unklar.

Henker führt in der Flora Mitteleuropas folgende Sippen an, die er vorläufig als Varietäten einstuft:

  • Rosa canina var. glandulosa: die häufigste Sippe in Mitteleuropa
  • Rosa canina var. andegavensis: selten bis zerstreut
  • Rosa canina var. scabrata: selten.
  • Rosa canina var. blondaeana: selten.

Die Sippe wie hier vorgestellt, wird nicht von allen Autoren im Artrang geführt. Manche führen sie als Unterart einer weiter gefassten Art Rosa canina zusammen mit Rosa corymbifera, teils auch mit Rosa tomentella. Die Artengruppe Rosa canina agg. im Sinne der Liste der Gefäßpflanzen Mitteleuropas (Ehrendorfer, 1973) umfasste die als eigene Arten eingestuften Sippen Rosa andegavensis, Rosa blondaeana, Rosa canina s.str. und Rosa squarrosa.

Die Hunds-Rose bildet mit den meisten europäischen Wildrosen Bastarde, sehr formenreich sind die Bastarde mit Rosa gallica, Rosa pendulina und Rosa spinosissima. Der bekannteste Bastard ist der mit Rosa tomentosa, Rosa × scabriuscula, die lange als eigene Art geführt wurde.

Nutzung

Die Hunds-Rose wird als Pioniergehölz für Misch- und Schutzpflanzungen verwendet, als Bodenfestiger an Hängen, Böschungen und Halden, zur Wiederbegrünung von Lehm- und Sandgruben. Als Zierstrauch hat sie keine Bedeutung. Für Rosenschulen ist sie allerdings die wichtigste Rosenunterlage zur Veredelung von Rosen. Die Hagebutten werden vielfältig verwendet, so für Tees und für die Herstellung des Hagebuttenweins.

Ein berühmtes und sehr altes Exemplar der Hundsrose ist der sogenannte Tausendjährige Rosenstock in Hildesheim.

Literatur

  • Heinz Henker: Rosa canina. In: Hans. J. Conert u.a. (Hrsg.): Gustav Hegi. Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band IV, Teil 2C. Spermatophyta: Angiospermae: Dicotyledones 2(4). Rosaceae (Rosengewächse). 2. Auflage, Parey, Berlin 2003, S. 84-87. ISBN 3-8263-3065-X

Weblinks


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