Hämolyse

Hämolyse
Klassifikation nach ICD-10
D55-D59 Hämolytische Anämien
P55-59 Hämolytische Krankheiten und Hämolyse beim Neugeborenen
ICD-10 online (WHO-Version 2011)
Hämolyse in Blutproben in Salzlösung (rechts) im Vergleich zu nichthämolysiertem Blut in derselben Lösung

Als Hämolyse [hɛmoˈlyːzə] bezeichnet man die Auflösung von roten Blutkörperchen, den Erythrozyten. Man unterscheidet zwischen der physiologischen Hämolyse nach 120 Tagen und der gesteigerten Hämolyse. Die gesteigerte Hämolyse geht mit einer verkürzten Lebensdauer der Erythrozyten einher. Es kommt zu einer Anämie, falls der Abbau der Erythrozyten die kompensatorische Neubildung übersteigt.[1]

Ein natürlicher verstärkter Abbau findet direkt nach der Geburt statt, da dann die fetalen Erythrozyten abgebaut werden müssen und durch Erythrozyten für die Atmung mit Luftsauerstoff ersetzt werden.

α,β,γ-Hämolyse

Als Hämolyse wird auch eine Eigenschaft von Mikroorganismen bezeichnet, Erythrozyten zu zersetzen. Nachgewiesen werden kann dies mit Hilfe von Blutagarplatten. Auf diesen können dann unterschieden werden:

  • α-Hämolyse (Vergrünung): Die Bakterien produzieren keine Hämolysine, sie rufen auf Blutagar eine grünliche Zone hervor, die nicht auf eine echte Hämolyse, sondern auf eine Entfärbung und einen Kaliumverlust der roten Blutkörperchen zurückzuführen ist. Die Reduktion des Hämoglobins zu Biliverdin verursacht die grüne Färbung. Es finden sich noch intakte Erythrozyten. "α-Hämolyse" sollte nicht mit "α-Hämolysinen" verwechselt werden. Letztere sind Exotoxine (zum Beispiel von Staphylokokkus aureus), die durch Bildung einer Membranpore die osmotische Lyse einer Zelle bewirken können. Sind sie damit bei Erythrozyten erfolgreich, erreichen sie also eigentlich eine "β-Hämolyse".[2]
  • β-Hämolyse: Die Bakterien produzieren Streptolysin O oder S und sind von einer klaren Hämolysezone umgeben. Das Hämoglobin wird vollständig abgebaut, es handelt sich hierbei um eine echte Hämolyse. In diesem Bereich sind alle Erythrozyten vollständig hämolysiert.
  • γ-Hämolyse: Diese Bakterien zeigen keinerlei Hämolyseverhalten.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

Einen vermehrten (pathologischen) Abbau von Erythrozyten (Lebensdauer der Zellen unter 100 Tagen) findet man

  • bei Neugeborenen: (siehe Lebensphase) deutlich vermehrter Abbau innerhalb weniger Stunden oder Tage

Werden mehr Erythrozyten abgebaut als gebildet werden, dann entsteht eine Blutarmut (Anämie).

Beim Abbau von Erythrozyten entsteht Bilirubin, sodass bei vermehrtem Abbau auch vermehrt Bilirubin und dadurch eine Gelbsucht entstehen kann.

Diagnostik

Zum Ausschluss einer Hämolyse werden folgende Laborparameter bestimmt:

  • Die LDH (das Enzym Lactatdehydrogenase), ein Marker für den Zelluntergang. Bei Hämolyse ist dieser meistens erhöht.
  • Die Retikulozytenzahl (Retikulozyten sind junge, unreife Erythrozyten, die beim Untergang von Erythrozyten vermehrt im Blut zu finden sind.)
  • Indirektes Bilirubin, welches in der Leber noch nicht konjugiert wurde, ist schon relativ früh bei Hämolyse erhöht.
  • Haptoglobin, ein im Blut vorkommendes Protein, welches zum Einfangen von freiem Hämoglobin dient, kann erniedrigt sein.
  • Freies, d.h. nicht in Erythrozyten oder Haptoglobin gebundenes Hämoglobin im Blut und im Urin ist nur bei schwerer Hämolyse zu finden.

Behandlung

In akuten Fällen können Transfusionen von Erythrozytenkonzentraten notwendig sein. Ansonsten sollten soweit möglich die Ursachen behandelt werden.

Normalwerte der Erythrozytenanzahl und des Bilirubins im Artikel Labormedizin.

Siehe auch

Literatur

  1. Renz-Polster H, Krautzig S, Braun J: Basislehrbuch Innere Medizin. 3. Auflage 2005, ISBN 3-437-41052-0
  2. Das alpha-Hämolysin der Streptokokken: http://www.chemgapedia.de/vsengine/vlu/vsc/de/ch/8/bc/vlu/proteine/membrantoxine.vlu/Page/vsc/de/ch/8/bc/proteine/funktion_v_prot/membranprot/membran_tox32.vscml.html
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Hämolyse — Hä|mo|ly|se 〈f. 19; unz.; Med.〉 Austreten des roten Blutfarbstoffes aus den Blutkörperchen u. blutige Verfärbung des Blutwassers durch Auflösung der roten Blutkörperchen [<grch. haima „Blut“ + lysis „Auflösung“] * * * Hä|mo|ly|se [hämo u. ↑… …   Universal-Lexikon

  • Hämolyse — Hä|mo|ly|se 〈f.; Gen.: , Pl.: n; Med.〉 Austreten des roten Blutfarbstoffes aus den Blutkörperchen u. blutige Verfärbung des Blutwassers durch Auflösung der roten Blutkörperchen …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Hämolyse — Hämo|ly̲se [zu ↑hämo... u. gr. λυειν = lösen, auflösen] w; , n: Auflösung der roten Blutkörperchen durch Austritt des roten Blutfarbstoffs infolge Einwirkung von Blutgiften …   Das Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke

  • Hämolyse — Hä|mo|ly|se die; , n <zu ↑...lyse> Auflösung der roten Blutkörperchen durch Austritt des roten Blutfarbstoffs; Abbau des roten Blutfarbstoffs (Med.) …   Das große Fremdwörterbuch

  • Hämolyse-im-Gel — Der Hämolyse im Gel Test (HIG Test), auch Hämolyse in Gel Test, ist eine besondere Methode in der Labormedizin zum Nachweis einer Untergruppe von spät auftretenden IgG Antikörpern mit hoher Bindungskraft (Affinität). Er wird beispielsweise als… …   Deutsch Wikipedia

  • Hämolyse-in-Gel-Test — Der Hämolyse im Gel Test (HIG Test), auch Hämolyse in Gel Test, ist eine besondere Methode in der Labormedizin zum Nachweis einer Untergruppe von spät auftretenden IgG Antikörpern mit hoher Bindungskraft (Affinität). Er wird beispielsweise als… …   Deutsch Wikipedia

  • Hämolyse-im-Gel-Test — Der Hämolyse im Gel Test (HIG Test), auch Hämolyse in Gel Test, ist eine besondere Methode in der Labormedizin zum Nachweis einer Untergruppe von spät auftretenden IgG Antikörpern mit hoher Bindungskraft (Affinität). Er wird beispielsweise als… …   Deutsch Wikipedia

  • Beta-Hämolyse — auf Blutagarplatte Unter Beta Hämolyse (β Hämolyse) oder auch komplette Hämolyse versteht man die Auflösung oder Hämolyse von Erythrozyten durch Zerstörung ihrer Zellmembran in einer Blutagar Platte durch Betahämolysin. Im Blutagar entstheht… …   Deutsch Wikipedia

  • Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel — ICD 10 Codes G6PD Mangel (Glucose 6 phosphat Dehydrogenase Mangel) D55.0 Glucose 6 Phosphat Dehydrogenase (G6PD) Mangel mit Anämie E74.8 Glucose 6 Phosphat Dehydrogenase (G6PD) Mangel ohne Anämie Informationen in medizinischen Datenbanken …   Deutsch Wikipedia

  • Hämolysin — Klassifikation nach ICD 10 D55 D59 Hämolytische Anämien P55 59 Hämolytische Krankheiten und Hämolyse beim Neugeborenen …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”