Kyphoplastie

Kyphoplastie
Gebrochener Lendenwirbel
Derselbe Wirbel nach Kyphoplastie

Die Kyphoplastie ist ein minimalinvasives Verfahren zur Behandlung von Wirbelbrüchen. Heute gibt es das Verfahren in zwei Ausprägungen; substanzzerstörende (bspw. Ballon-Kyphoplastie) und substanzerhaltende (bspw. Radiofrequenz-Kyphoplastie) Techniken[1][2][3].

In der ursprünglichen (substanzzerstörenden) Technik wurden über zwei Kanülen mit einem Durchmesser von ca. 4 mm jeweils Ballons in den gebrochenen Wirbel eingeführt. Durch Auffüllen der Ballone mit einem Kontrastmittel wurde anschließend der zusammengebrochene Wirbel teilweise aufgerichtet, jedoch zum Preis der Verdrängung gesunder/ intakter Spongiosa. Anschließend wurde der Wirbel fixiert, indem in die entstandene (Ballon)-Höhle ein Knochenzement eingespritzt wird, der innerhalb weniger Minuten aushärtet und damit den gebrochenen Wirbel stabilisiert. Ggf. verbleiben neben dem Knochenzement, andere Implantate wie Container, Stents, etc. als zusätzliche Fremdkörper im Wirbel zurück. Substanzerhaltende Techniken benötigen in der Regel lediglich einen monopedikulären (= einseitigen) Zugang zum gebrochenen Wirbelkörper. Anschließend wird mit einer flexiblen (biegsamen) Nadel der Wirbelkörper präpariert und ggf. vereinzelte Zementbahnen angelegt (= Postament). Abschließend wird ein hochvisköser (nahezu gummiartiger) Knochenzement maschinell in den Wirbelkörper eingebracht, welcher sich fächerförmig verteilt, sich zwischen der gesunden/ intakten Spongiosa verteilt, diese umschließt und den Wirbel stempelartig aufrichtet.[4]

Inhaltsverzeichnis

Indikation

Die Indikation besteht bei Wirbelbrüchen osteoporotischer (M80._8), traumatischer (S.22.0_ u./o. S32.0_) oder tumoröser (C79.5+ u. M49.5_*) Pathogenese. Gehen diese mit persistenten Rückenschmerzen mit Nachweis einer Fraktur durch bildgebende Verfahren im angegebenen Bereich der Wirbelsäule einher, besteht nach der aktuellen Leitlinie des deutschen Dachverbands Osteologie [5] die Indikation für eine Kyphoplastie oder des Alternativverfahrens der Vertebroplastie; allerdings erst nach dreiwöchiger konservativer Behandlung.

Technik

Der Eingriff wird typischerweise in Bauchlage unter Röntgendurchleuchtung durchgeführt. Eine Durchführung in Lokalanästhesie ist möglich, häufiger wird die Operation in Narkose durchgeführt. Dabei schläft der Patient auf dem Bauch liegend, der Rücken wird desinfiziert und mit sterilen Tüchern abgedeckt. Unter Röntgenkontrolle werden in Abhängigkeit der Technik ein oder zwei Kanülen über die Wirbelbögen in den Wirbelkörper eingebracht und anschließend das Wirbelkörperinnere für die Materialimplantation (meist Knochenzement auf PMMA-Basis) vorbereitet. Im herkömmlichen Verfahren werden dabei ein oder zwei Ballone eingeführt, mit Kontrastmittel aufgefüllt und dadurch die umliegende Spongiosa zerquetscht. Der dabei entstehende großvolumige Hohlraum wird mit normalem Knochenzement aufgefüllt. (Dauer ca. 45 min.)

Neuere Techniken, wie bspw. die Radiofrequenz-Kyphoplastie (RFK), benötigen meist lediglich einen Zugang zum Wirbelkörper und legen im Wirbelinneren lediglich sehr kleine Kavitäten/ Gänge an. Dies dient der gleichmäßigeren Zementverteilung sowie Verzahnung von Wirbelkörperstruktur und Knochenzement. Der sehr hochvisköse, per Radiofrequenz aktivierte Zement wird durch eine spezielle Kanüle in das minimal-invasiv präparierte Wirbelkörperinnere eingebracht. Bei kontinuierlicher und instrumentell gesteuerter Befüllung mit 1,3 ml/min ergibt sich eine sehr gute Zementfüllung und sehr hohe Verzahnung mit der vitalen Spongiosa. Gleichzeitig erfolgt stempelartig eine weitere Aufrichtung des Wirbelkörpers.[6] (Dauer ca. 25 min.)

Typischer Aufbau im OP

Komplikationen

Wesentliche Komplikationen einer Zementauffüllung sind ähnlich wie bei der Vertebroplastie Austritte des flüssigen Knochenzements aus dem Wirbelkörper (=72%; vgl. Klazen et al. 2010, Vertos II[7]). Bei der (Ballon)-Kyphoplastie kann durch die Formung eines Hohlraums ein etwas dickflüssigerer PMMA-Zement verwendet werden, gleichzeitig werden durch den Ballon evtl. Spalten im Knochen durch Spongiosa verdichtet, so dass insgesamt die Rate an Zementaustritten im direkten Vergleich zur Vertebroplastie geringer ist (= 27% je Wirbelkörper; 35% je Patient; vgl. Wardlaw. 2009, FREE[8]). Eine wesentliche Komplikation der sogenannten substanzzerstörenden Techniken ist Stress-Shielding[9]. Die im Wirbelkörper verbleibenden Zementplomben verzahnen sich nur ungenügend mit dem Inneren des Wirbels und führen langfristig zu Ausschlagungen u./o. einem höheren Risiko von Anschlussfrakturen[10]. Die neueren, knochenerhaltenden Techniken arbeiten mit sehr hochviskösen Zementen, welche zusammenklebende Eigenschaften aufweisen und so die Austrittsrate noch weiter senken. Zudem können damit auch risikoreichere Frakturstellen behandelt werden[11].

Nachbehandlung

Nach einer Kyphoplastie ist keinerlei Bettruhe o.ä. erforderlich, der Patient kann sofort und meist ohne große Schmerzen aufstehen und sich normal bewegen. Ein Korsettversorgung ist ebenfalls nicht mehr erforderlich.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Becker et al. 2010:
  2. Kurth (Hrsg.), Orthopädische Klinik und Poliklinik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz. UNI-MED Science, 1. Auflage 2011
  3. Drees et. al. 2011:
  4. Drees 2011: Biomechanik und Verzahnung bei Wirbelkörperfrakturen. Wo stehen wir heute? Ein aktueller Literaturvergleich
  5. http://www.dv-osteologie.org
  6. Elgeti et al. 2010
  7. Klazen et al. 2010: Vertebroplasty versus conservative treatment in acute osteoporotic vertebral compression fractures (Vertos II): an open-label randomised trial
  8. Wardlaw et al. 2009: Efficacy and safety of balloon kyphoplasty compared with non-surgical care for vertebral compression fracture (FREE): a randomised controlled trial
  9. Becker et al. 2010: Nachteile der Ballonkyphoplastie mit PMMA – Eine klinische und biomechanische Stellungnahme
  10. Dabirrahmaniabc et al. 2011: Mechanical variables affecting balloon kyphoplasty outcome - a finite element study
  11. Kurth (Hrsg.), Orthopädische Klinik und Poliklinik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz. UNI-MED Science, 1. Auflage 2011
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