Lorenz Diefenbach

Lorenz Diefenbach
Lorenz Diefenbach.

Georg Anton Lorenz Diefenbach (* 19. Juli 1806 in Ostheim in der Wetterau, Hessen; † 28. März 1883 in Darmstadt) war Bibliothekar, Pfarrer, Germanist, Lexikograf sowie deutschnationaler Schriftsteller.

Diefenbach war Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften und mit Jacob Grimm befreundet. Bekannt geworden ist er durch den, später durch die Nazis zynisch missbrauchten, Spruch Arbeit macht frei, der Titel einer 1873 in Bremen erschienenen Erzählung (1872 Vorabdruck in einer Wiener Zeitung). Die Erzählung handelt von einer adligen Frau, Elodie von Bentem, die Arbeit als eine Möglichkeit erfährt, die Einschränkungen ihrer Individualität durch Standesvorurteile und Geschlecht zu überwinden und nach einer Reihe von oft klischeehaften Abenteuern in den ruhigen Hafen der Ehe einzufahren. Kolportagehafte Elemente in Nebenhandlungen mit Kontrastfiguren heben den Wert der Arbeit noch zusätzlich hervor.

Zudem schrieb Diefenbach Gedichte und zahlreiche sprachwissenschaftliche Werke, darunter Forschungen zu den deutschen Dialekten. Seine lexikografischen Arbeiten, insbesondere die beiden lateinisch-deutschen Glossarien sind noch heute (2008) von Wert für die Forschung. Viele Angaben aus seinem Glossarium Latino-Germanicum wurden in das Glossarium ad scriptores mediae et infimae latinitatis übernommen.

Lorenz Diefenbach wurde 1848 zum Ehrenbürger der Stadt Offenbach am Main ernannt.

Werke (Auswahl)

  • Über die jetzigen romanischen Schriftsprachen. Leipzig: J. Ricker 1831 (122 Seiten)
  • Glossarium Latino-Germanicum mediae et infimae aetatis. Frankfurt a.M. 1857. – Nachdruck Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1997
  • Novum glossarium latino-germanicum: mediae et infimae aetatis; Beiträge zur wissenschaftlichen Kunde der neulateinischen und der germanischen Sprachen. Frankfurt am Main: 1867. – Nachdruck Aalen: Scientia Verl., 1964
  • Vergleichendes Wörterbuch der gotischen Sprache: Lexicon comparativum linguarum indogermanicarum. (Vergleichendes Wörterbuch der germanischen Sprachen: und ihrer sämtlichen Stammverwandten mit besonderer Berücksichtigung der romanischen, lithauisch-slavischen und keltischen Sprachen und mit Zuziehung der finnischen Familie; Bd. 1-2) Frankfurt am Main: Baer, 1851 (2 Bde.)

Literatur

  • Hermann Wunderlich: Diefenbach, Lorenz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 47, Duncker & Humblot, Leipzig 1903, S. 677–679.
  • Ernst Schwarz: Diefenbach, Lorenz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, S. 640 f.
  • Jürgen Storost, "Lorenz Diefenbach. Sein Beitrag zur Entwicklung der romanischen Sprachwissenschaft". In: Jürgen Storost, "In memoriam Vladimiro Macchi. Aspekte der Wissenschaftsgeschichte. Ausgewählte Sujets", Romanistischer Verlag Bonn 2008, Seiten 169-193.

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