Musteliden

Musteliden
Marder
Langschwanzwiesel (Mustela frenata)

Langschwanzwiesel (Mustela frenata)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder
Wissenschaftlicher Name
Mustelidae
G. Fischer, 1817
Unterfamilien

Die Marder (Mustelidae) sind eine Familie hundeartiger Raubtiere (Carnivora). Während zur Familie der Marder unter anderem auch Otter, Dachse, Iltisse und Wiesel gehören, sind in der Umgangssprache mit „den Mardern“ meistens die Echten Marder (Martes) – unter anderem mit Stein- und Baummarder – gemeint. Die Skunks oder Stinktiere, die früher ebenfalls zu den Mardern gerechnet wurden, werden heute meist als eigene Familie betrachtet.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Für die meisten Marder ist ein langgestreckter, schlanker und geschmeidiger Körperbau typisch, lediglich Dachse und Vielfraße sind stämmig gebaut. Das Fell ist meist braun oder schwarz gefärbt, bei einigen Arten sind Flecken, Streifen oder Kehlzeichnungen vorhanden. Der Schwanz ist relativ kurz, ebenso die Gliedmaßen, jeder Fuß trägt fünf gebogene, nicht einziehbare Krallen. Der Schädel ist durch eine kurze Schnauze und relativ kleine Ohren charakterisiert. Die Anzahl der Zähne variiert je nach Art von 28 bis 38, ein charakteristisches Merkmal ist der Verlust des zweiten oberen Molars. Alle Marder haben gut entwickelte Analdrüsen, ähnlich den Skunks, deren Sekret zur Reviermarkierung und bei einigen Arten, etwa dem Honigdachs, auch zur Verteidigung eingesetzt werden kann.

Im Vergleich zu anderen Raubtieren sind die meisten Marder eher klein, der Größenunterschied zwischen den kleinsten und größten Mitgliedern dieser Familie ist jedoch beträchtlich: Er reicht vom winzigen Mauswiesel, dem kleinsten Vertreter der Raubtiere überhaupt, bis zu den Seeottern, Riesenottern und Vielfraßen, die ein Gewicht von über 30 Kilogramm erreichen können. Die meisten Arten weisen einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus hinsichtlich der Körpergröße auf, Männchen werden im Schnitt um 25% schwerer als Weibchen.

Verbreitung und Lebensraum

Otter führen eine semiaquatische Lebensweise

Marder sind nahezu weltweit verbreitet, sie fehlen lediglich im australisch-ozeanischen Raum, auf Madagaskar, den karibischen und anderen abgelegenen Inselgruppen. Sie bewohnen eine Vielzahl von Habitaten, meiden jedoch in der Regel allzu trockene Lebensräume. Viele Arten sind auf die Nähe von Wasser angewiesen und leben entlang Flüssen und Seen, einige auch an Meeresküsten. Bei den Ottern ist diese Affinität zum Wasser am stärksten ausgeprägt, der Seeotter bewohnt sogar das offene Meer des Nordpazifiks.

Lebensweise

Die Mehrzahl der Arten ist dämmerungs- oder nachtaktiv, manche gehen jedoch auch am Tag auf Nahrungssuche. Als Ruheplätze verwenden viele Marder selbst gegrabene oder von anderen Tieren übernommene Baue oder andere Unterschlupfe. Viele Arten sind Bodenbewohner oder dringen dank ihrer schlanken Gestalt bei der Jagd in unterirdische Baue ein, andere halten sich oft auf Bäumen auf. Es gibt zahlreiche ausgezeichnete Schwimmer unter den Mardern, insbesondere die Otter und die Nerze.

Marder sind eher einzelgängerische und territoriale Tiere, die ihre Reviergrenzen mit dem Sekret ihrer Analdrüsen, mit Urin oder Kot markieren. Der Geruchssinn ist sehr stark ausgeprägt und dient dem Finden von Beute und der Kommunikation mit Artgenossen, auch der Gesichts- und Gehörsinn sind gut entwickelt.

Nahrung

Der Europäische Dachs gehört zu den Mardern, die vorrangig von Pflanzen leben

Marder sind vorrangig Fleischfresser, je nach Art und Jahreszeit nehmen sie in unterschiedlichem Ausmaß aber auch pflanzliche Nahrung zu sich. Das Beutespektrum der Mitglieder dieser Familie ist - auch entsprechend ihrer Größe - beträchtlich. Gemeinsam ist vielen Arten jedoch, dass sie Beutetiere jagen, die oft erheblich größer als sie selbst sind. So erbeuten manche Wieselarten deutlich schwerere Kaninchen und der Vielfraß greift Tiere von der Größe eines Rentieres an.

An tierischer Nahrung stehen alle Arten von Wirbeltieren, darunter kleine Säugetiere, Vögel und deren Eier, Reptilien, Lurche und Fische, aber auch Insekten, Krebstiere, Würmer und vieles mehr auf ihrem Speiseplan. An pflanzlicher Nahrung werden unter anderem Früchte, Nüsse, Knollen und anderes verzehrt.

Fortpflanzung

Die Trächtigkeitsdauer bei den Mardern beträgt in der Regel 30 bis 60 Tage, bei vielen Arten kommt es jedoch zu einer verzögerten Einnistung der befruchteten Eizelle in den Uterus, sodass zwischen Begattung und Geburt etliche Monate liegen können. In der Regel trägt das Weibchen nur einmal im Jahr einen Wurf aus. Neugeborene Marder sind Nesthocker, sie kommen blind und hilflos zur Welt, wachsen aber schnell. Bei den meisten Arten sind die Jungtiere nach zwei Monaten selbständig, die Geschlechtsreife tritt meist zwischen einem halben und zwei Jahren ein. Die Lebenserwartung in freier Natur beträgt üblicherweise fünf bis 20 Jahre.

Marder und Menschen

Viele Marderarten, darunter der Amerikanische Nerz werden wegen ihres Pelzes gejagt

Menschen haben zu vielen Marderarten ein zwiespältiges Verhältnis, einerseits verzehren diese viele als Schädlinge betrachtete Nagetiere und werden deswegen als Haustiere gehalten. Die Frettchen wurden zu diesem Zweck sogar aus den Iltissen domestiziert. Andererseits dringen sie auch manchmal in Geflügel- oder Hasenställe ein und reißen die dortigen Tiere. Sie sind auch als „Kabelbeißer“ gefürchtet, obwohl dies nur bei einer Art, dem Steinmarder, vorkommt.

Viele Arten, darunter Hermelin, Zobel und Nerze werden ihres Pelzes wegen gejagt und manchmal auch in Pelzfarmen gehalten.

Neben der Bejagung stellt heute die Zerstörung ihres Lebensraumes die Hauptbedrohung für viele Marderarten dar. Zu den gefährdetsten Arten zählen heute der Europäische Nerz und der in freier Wildbahn bereits ausgestorbene Schwarzfußiltis. Eine Art, der Seenerz, ist im 19. Jahrhundert ausgerottet worden.

Systematik

Zur Familie der Marder werden rund 20 Gattungen mit 55 Arten gezählt. Die traditionelle Systematik teilt die Familie in fünf Unterfamilien:

Eine sechste Unterfamilie, die Skunks oder Stinktiere (Mephitinae) werden nach genetischen Untersuchungen, die eine nur entferntere Verwandtschaft zu den Mardern zeigten, in einer eigenen Familie, Mephitidae, geführt.

Während die Monophylie der Marder weitgehend außer Zweifel steht, ist die interne Systematik noch stark umstritten. Wilson und Reeder (2005) teilen sie in nur zwei Unterfamilien, die Otter (Lutrinae) und die Mustelinae, die alle anderen Arten umfassen. Nach den Untersuchungen von Flynn et al. (2005) sind hingegen auch die Mustelinae paraphyletisch, da die Gattung Mustela näher mit den Ottern als mit anderen Vertretern ihrer Unterfamilie verwandt ist. Bis auf weiteres wird darum hier die traditionelle Systematik angewandt.

Entwicklungsgeschichtlich sind die Marder eine alte Raubtiergruppe, fossil sind sie in Europa seit dem Eozän und in Nordamerika und Asien seit dem Oligozän belegt. Die Ausbreitung dieser Gruppe dürfte zumindest in groben Zügen parallel zur Entwicklung der Nagetiere verlaufen sein.

Literatur

  • Ronald M. Nowak: Walker’s mammals of the world. 6. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999, ISBN 0-8018-5789-9.  
  • John J. Flynn et al: Molecular phylogeny of the Carnivora (Mammalia): Assessing the impact of increased sampling on resolving enigmatic relationships. Systematic Biology 54(2), 2005, 1–21. ISSN 1063-5157, doi:10.1080/10635150590923326
  • D. E. Wilson und D. M. Reeder: Mammal Species of the World. Johns Hopkins University Press, 2005. ISBN 0-8018-8221-4

Weblinks


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