Mülheimer Schiffbrücke

Mülheimer Schiffbrücke
Geöffnete Mülheimer Schiffbrücke am Ende des 19. Jahrhunderts

Die Mülheimer Schiffbrücke war eine aus Holz gefertigte, auf etwa 40 im Rhein verankerten Pontons schwimmende Brückenkonstruktion. Sie löste eine zuvor zwischen der damaligen Stadt „Mülheim am Rhein“ und der Stadt Köln an gleicher Stelle verkehrende Fährverbindung ab. Der neue Rheinübergang wurde im Jahr 1888 für den Verkehr freigegeben.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Eine leicht erhöhte, hochwassergeschützte Uferlage Mülheims am Rheinstrom, nördlich der Einmündung der Strunde (Strunder Bach) und etwa 200 Meter südlich der heutigen Mülheimer Brücke, bewirkte schon in mittelalterlicher Zeit, dass alle Wege des Umlandes hier zusammenliefen. So errichtete hier der Landesherr Graf Adolf 1265 eine erste Befestigung und die Zisterziensermönche des Klosters Altenberg erwarben im Jahr 1268 das Recht, eine erste Fährverbindung zur kurkölnischen Uferseite zu betreiben. Neben den durch dieses Privileg aus dem Fährbetrieb erzielten Einkünften konnten die Ordensbrüder nun auch ihr dortiges, in der Johannisstraße der nördlichen Vorstadt Niederich gelegenes, Hofgut besser erreichen. Etwa um 1700 gaben sie ihre Rechte am Mülheimer Fährbetrieb an das Haus Berg zurück. [1]

Rheinüberquerungen

Gierponte Bonn-Vilich 1676

Es folgte um 1700 ein vom „Haus Berg“ gegen eine jährliche Pacht von 400 Reichstalern vergebener Fährbetrieb, der mit einer sogenannten, die Strömung nutzenden „fliegenden Rheinbrücke“ oder Gierponte, durchgeführt wurde. Es war eine schwimmende Plattform die mit Hilfe von Seilen über den Strom gezogen wurde. Diese Art der Überquerung endete 1844 und wurde bis 1872 durch Fährboote ersetzt, die nun den Transport von Personen und Waren in beide Richtungen übernahmen. 1868 hatte Mülheim selbst die Rheinfähre in Pacht übernommen und ersetzte die bisherige Technik ab 1872 durch eine bis zum Jahr 1887 betriebene Drahtseilfähre. Diese Boote sollen der Ursprung des später geläufigen Begriffs „Mülheimer Böötche“ gewesen sein.

Kauf einer Brücke

Die dann von den „Mülheimern“ im Jahr 1885 von der Stadt Mainz erworbene gebrauchte Schiffbrücke hatte enorme Kosten verursacht. So zahlte Mülheim für die Brücke selbst den Betrag von 45000 Mark, die Transportkosten an den vorgesehenen neuen Standort beliefen sich auf weitere 120000 Mark. Dazu addierten sich die Kosten vor Ort, wie umfangreiche Stromausbaumaßnahmen und die der Arbeiten zur Verankerung der Einzelelemente sowie die des permanenten Ausbaggerns einer Fahrrinne im Rhein, an der für den passierenden Schiffsverkehr vorgesehenen Stelle des zu öffnenden Brückensegmentes. Dem Schiffsverkehr wurde die Brücke zu festgesetzten Zeiten zur Passage geöffnet. Für die Benutzung der 12 Meter breiten Brücke, auf der das Rauchen wegen der Brandgefahr unter Strafandrohung untersagt war, mussten 4 Pfennige entrichtet werden.

Die bis 1912 durch die Stadt betriebene Schiffbrücke übernahm anschließend ein Pächter, der den Betrieb bis zur Fertigstellung der festen Rheinbrücke zwischen den Stadtteilen Mülheim und Riehl aufrechterhielt. [2] [3]

Ende der Schiffbrücke

Die altersschwach gewordene Brücke konnte dem anwachsenden Verkehr im beginnenden 20. Jahrhundert nicht mehr gerecht werden und fiel häufig bei Eisgang oder Hochwasser aus. Um eine zuverlässigere Verbindung zwischen den nördlichen und nordöstlichen Stadtteilen Kölns und zugleich eine Erhöhung der Brückenkapazität zu erreichen, wurde über eine Alternative nachgedacht. Schon bei den Eingemeindungsverhandlungen mit Mülheim im Jahr 1913 hatte sich Köln zum Bau einer festen Brücke verpflichtet.

Am 20. Juni 1927 wurde die alte Schiffbrücke geschlossen und abgebaut[4]. Im Oktober 1929 wurde die neue Mülheimer Hängebrücke als damals größte Kabelbrücke der Welt in Betrieb genommen.

Literatur

  • Joachim Deeters: in Quellen zur Geschichte der Stadt Köln, Band II. Spätes Mittelalter und Frühe Neuzeit. Förderverein Geschichte in Köln e. V., J. P. Bachem Verlag Köln, ISBN 3-7616-1285-0
  • Carl Dietmar: Die Chronik Kölns, Chronik Verlag, Dortmund 1991, ISBN 3-611-00193-7

Quellverweise

  1. Joachim Deeters: in Quellen zur Geschichte der Stadt Köln
  2. Carl Dietmar, S. 273, 369
  3. Online Archive NRW, H. Signon, Brücken in Köln am Rhein, Köln 1966. Bauten in Köln 1928-1988, Köln 1991. http://www.archive.nrw.de/Kommunalarchive/KommunalarchiveI-L/K/Koeln/InformationenUndService/AllgemeineInformationen/ZurKoelnerStadtgeschichte_Teil2.html
  4. Carl Dietmar, S. 273, 369
50.9625886.994766

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