Schlafsucht

Schlafsucht

Der Begriff Schlafsucht (Syn.: Hypersomnie)[1] bezeichnet ein vermehrtes Schlafbedürfnis aus unterschiedlichen Gründen. Das Gegenteil, die Schlafstörung wird auch als Agrypnie, In- oder Hyposomnie bezeichnet.[2]

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

Bei hypersomnischen Patienten besteht auch tagsüber eine Tagesschläfrigkeit "Reduzierung der zentralnervösen Aktivierung (Wachheit und Daueraufmerksamkeit) und Einschlafdrang" (zitiert nach [3]) Ursächlich ist dabei auch an eine Insomnie zu denken. Aber auch erbliche Faktoren können eine Rolle spielen. So konnte beispielsweise bei Patienten mit Narkolepsie eine Veränderung am Chromosom 17 (Genort 17q21.2) gefunden werden.[4]

Einteilung

Vergleichende Klassifikation nach
ICD-10   DSM-IV
F51.1 nichtorganische Hypersomnie 307.44 primäre Hypersomnie
F51.2 nichtorganische Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus 307.45 Schlafstörung mit Störung des Zirkadianen Rhythmus
F51.3 Schlafwandeln (Somnambulismus) 307.46 Schlafstörung mit Schlafwandeln
G47.1 krankhaft gesteigertes Schlafbedürfnis
G47.4 Narkolepsie und Kataplexie 347 Narkolepsie
ICD-10 online DSM IV online

Die Anfänge der quantitativen Schlafforschung gehen auf das Jahr 1863 zurück. Damals ermittelte Ernst Kohlschütter die Schlaftiefe und stellte sie graphisch in Bezug zur Schlafdauer dar. Für sein Experiment benutzte er akustische Reize unterschiedlicher Stärke und zeichnete auf, ab welcher Intensität seine Probanden aufwachten (Weckschwelle).[5][6] Einen weiteren wesentlichen Meilenstein der Grundlagenforschung in diesem Bereich stellt das von Hans Berger erfundene EEG dar. 1968 war es, zusammen mit Elektromyographie und Elektrookulographie die Grundlage für die Beschreibung der Schlafstadien bei gesunden Menschen durch Allan Rechtschaffen und Anthony Kales. Zur Erfassung von Schlafstörgen eignete sich diese Einteilung nur sehr bedingt. 1979 erfolgte deren erste Klassifikation in vier Gruppen: Insomnie (Ein- und Durchschlafstörungen), Hypersomnie (übermäßige Schläfrigkeit), Störungen des (Schlaf-Wach-) Rhythmus und Parasomnien (teilweises Erwachen und Störungen der Schlafstadien).[5]

Schlafwandeln, Pavor nocturnus und Schlaftrunkenheit zählen als sogenannte Aufwachstörungen zur Gruppe der Parasomnien genauso wie Störungen des Überganges vom Schlaf- zum Wachzustand, wie das Sprechen im Schlaf, Wadenkrämpfe und Einschlafzuckungen oder rhythmische Bewegungen im Schlaf.

Parasomien können auch mit dem REM-Schlaf assoziiert sein, was durch Alpträume oder Schlaflähmungen einhergehen kann. Auch der Bruxismus, die Enuresis nocturna und paroxysmale Dystonie zählen zu dieser Gruppe von Schlafstörungen.[7][5]

Weitere Ursachen sind insbesondere internistische, neurologische und psychiatrische Erkrankungen, die den Schlaf beeinträchtigen. Genannt seien hier beispielhaft die Herzinsuffizienz, Psychosen, Epilepsie, Demenz und Morbus Parkinson.[7][5][5]

Zur Einteilung der Schlafstörungen liegen verschiedene Klassifikationssysteme vor:

Klassifikation nach ICD-10

Nach ICD-10 werden Schlafstörungen je nach vermuteter Ursache (psychogen versus organisch) klassifiziert unter

  • F51 nichtorganische Schlafstörungen (Kapitel Psychische und Verhaltensstörungen) oder
  • G47 (organische) Schlafstörungen (Kapitel Krankheiten des Nervensystems) unterschieden.

Mögliche Ursachen der Schlafsucht

Hierunter fallen

  • krankhaft gesteigertes Schlafbedürfnis (G47.1)
  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (G47.2)
  • Narkolepsie und Kataplexie (G47.4)

Klassifikation nach DSM-IV

Das DSM-IV unterteilt - im Gegensatz zum ICD-10 - die Schlafstörungen nicht nach psychogener vs. organischer Ursache, sondern ob die Schlafstörung primär vorhanden oder die Folge eines anderen Faktors (andere psychische Erkrankung, medizinischer Krankheitsfaktor oder Substanzeinnahme) ist.

Mögliche Ursachen der Schlafsucht

Hierunter fallen

  • Primäre Hypersomnie
  • Narkolepsie
  • Schlafstörung mit Störung des circadianan Rhythmus

2. Schlafstörungen im Zusammenhang mit einer anderen psychischen Störung

Hierunter fallen Schlafstörungen, die im Zusammenhang mit einer anderen psychischen Störung auftreten.

3. Schlafstörungen aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors

Hierunter fallen Schlafstörungen, die im Zusammenhang mit einer körperlichen Erkrankung auftreten.

4. Substanzinduzierte Schlafstörung

Hierunter fallen Schlafsüchte, die im Zusammenhang mit der Einnahme einer psychotropen Substanz (Alkohol, Opiat, oder Medikamente) auftreten.

Klassifikation nach ICSD-2

Nach der internationalen Klassifikation der Schlafstörungen (ICSD-2) von 2005 können Schlafstörungen in 8 Gruppen eingeteilt werden:[8]

  1. Insomnien (mit verschiedener Ursache)
  2. Schlafbezogene Atmungsstörungen (z.B. Schlafapnoe)
  3. Hypersomnien zentralen Ursprungs, nicht bedingt durch circadiane Rhythmusstörungen, schlafbezogene Atmungsstörungen oder andere Ursachen eines gestörten Schlafes (z.B. Narkolepsie)
  4. zirkadiane Rhythmusstörungen (Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, zum Beispiel bei Schichtarbeit oder Jetlag).
  5. Parasomnien (z.B. Schlafwandeln, Pavor nocturnus, Alpträume)
  6. Schlafbezogene Bewegungsstörungen (z.B. Restless-Legs-Syndrom, Bruxismus)
  7. Isolierte Symptome, augenscheinlich normale Varianten, und ungeklärte Probleme (z.B. Schnarchen, Sprechen im Schlaf)
  8. andere Schlafstörungen (z.B. umweltbedingte Schlafstörung, Lärm)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Reuter P.: Der grosse Reuter: Springer-Universalwörterbuch Medizin, Pharmakologie und Zahnmedizin, Birkhäuser, 2005, S.721, ISBN 3540251022, hier online
  2. Reuter P.: Der grosse Reuter: Springer-Universalwörterbuch Medizin, Pharmakologie und Zahnmedizin, Birkhäuser, 2005, S.446, 469 und 732, ISBN 3540251022, hier online
  3. AWMF-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf / Schlafstörungen (S3) pdf
  4. omim.org: NARCOLEPSY 1; NRCLP1, hier online
  5. a b c d e Stuck B., e.a.: Praxis der Schlafmedizin, Springer, 2009, S.2ff., ISBN 3540886990, hier online
  6. Kurzbeschreibung von Messungen der Festigkeit des Schlafes. SS. (209)-253 mit 1 Tafel. In: Zeitschrift für rationelle Medicin. 3. Reihe, Band 17., hier online; zuletzt eingesehen am 14. Mai 2011
  7. a b Delank H.-W., e.a.: Neurologie, Georg Thieme Verlag, 2006, S.345-6, ISBN 3131297719, hier online
  8. Schlafmedizinisches Zentrum der TU München: Klassifikation von Schlafstörungen. Abgerufen am 3. Februar 2011.
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