- Badetod
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Der Badetod (auch mittelbares oder atypisches Ertrinken) ist ein Tod im Wasser, der grundsätzlich nicht durch Ertrinken verursacht wird. Es handelt sich um einen rechtsmedizinischen Begriff und wird anhand einer Obduktion festgestellt. Beim Badetod sind im Gegensatz zum Ertrinkungstod (dem sogenannten Badeunfall oder auch „unmittelbares“ Ertrinken) die Lungen und der Magen-Darm-Trakt bei der Obduktion im Wesentlichen frei von Wasser. Das heißt, dass es vor dem Tod zu keiner oder nur wenig Wasseraspiration (Wassereinatmung) gekommen war. Der Vorgang des Badetodes lässt deutliche Unterschiede zum Ertrinkungstod erkennen, wenn er beobachtet wird: Während Ertrinkende noch um Hilfe rufen können, gehen die vom Badetod betroffenen Personen lautlos unter.[1]
Gelegentlich wird der Badetod mit dem Reflextod im Wasser gleichgesetzt (Badetod im engeren Sinne). Dagegen ist beim Badetod im weiteren Sinne der Reflextod nur eine mögliche Ursache für einen Badetod.[2]
Die Opfer des britischen Serienmörders George Joseph Smith kamen durch einen von ihm ausgelösten Badetod ums Leben.
Ursachen
Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Der Badetod ist meistens ein Tod aus natürlicher Ursache, der zufällig beim Baden oder Schwimmen auftritt oder mit dem Aufenthalt im Wasser zusammenhängt, ohne ein Ertrinkungstod zu sein.[1] Das entscheidende Unterscheidungskriterium zum Badeunfall ist, dass es beim Badetod zu keiner wesentlichen Wassereinatmung kommt.[2][3]
Erklärt werden kann dies durch alle plötzlich eintretenden Erkrankungen, die zum Atemstillstand beziehungsweise zum Kreislaufstillstand im Wasser führen. Dies kann zum Beispiel eine Hirnblutung, ein Herzinfarkt oder eine plötzlich aufgetretene Lähmung der Atemmuskulatur bei Querschnittlähmung aufgrund eines Kopfsprunges in zu seichtem Gewässer sein. Auch ein Blitzschlag oder Stromunfall kann durch das Auslösen von Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) zum Kreislaufstillstand im Wasser und somit zum Badetod führen.
Eine spezielle Form des Badetodes ist der Reflextod im Wasser (auch mittelbares Ertrinken nach nervösem Schock). Verschiedene Formen des Reflextodes im Wasser werden unterschieden:[2][3]
- Kehlkopfschock: Hierbei kommt es durch das kalte Wasser zu einem Stimmritzenkrampf (Laryngospasmus), wodurch die Atmung verhindert wird. Dies ist eine Erklärung für die medizinisch begründbare volkstümliche Empfehlung, niemals unabgekühlt in das Wasser zu gehen oder zu springen.
- Schmerz- bzw. Kreislaufschock: Wird ausgelöst zum Beispiel durch einen Bauchklatscher auf die Wasseroberfläche, wodurch es zu einer Reizung des Plexus solaris kommt. Eine Reizung des Plexus solaris kann zum Versacken des Blutes in reflektorisch erschlaffte Eingeweidegefäße führen. Die Herzfüllung wird verhindert, und es resultiert ein Kreislaufschock. Aus diesem Zusammenhang erklärt sich die volkstümliche Anschauung, man solle bei „vollem Magen“ oder nach dem Genuss von Sauerkraut das Baden vermeiden.[1] Auch vorheriger Alkoholkonsum erhöht das Risiko eines Kreislaufschockes durch Erweiterung von Blutgefäßen und sollte daher vor dem Baden vermieden werden – unabhängig davon, dass nach Alkoholkonsum auch das Risiko des „normalen“ Ertrinkens (Badeunfall) steigt.
- Trommelfelldefekte: Eindringendes Wasser durch das Trommelfell kann Drehschwindel und Orientierungslosigkeit auslösen und zum Reflextod im Wasser führen.
Einzelnachweise
- ↑ a b c Rogal, Schrader, v. Reibnitz: Plötzlicher Tod aus natürlicher Ursache. Intern. Journal of Legal Medicine; Volume 36, Supplement 1; Springer-Verlag 1942; Online-Link
- ↑ a b c Skript Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München
- ↑ a b Karger B, Brinkmann B, Madea B: Handbuch gerichtliche Medizin. S. 797. Springer, 2003, ISBN 3540002596 Google-Buchsuche
Siehe auch
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