Stefan Haupt

Stefan Haupt

Stefan Haupt (* 1961 in Zürich) ist ein Schweizer Filmemacher, Regisseur, Autor und Filmproduzent.

Stefan Haupt

Biografie

Von 1985 bis 1988 absolvierte Stefan Haupt die Schauspiel Akademie Zürich. Seit 1989 ist er freischaffend als Filmemacher und Regisseur tätig und lebt in Zürich.

Von 2008 bis 2010 war Stefan Haupt Präsident des Verbands Filmregie und Drehbuch Schweiz (ARF/FDS), seit 2007 ist er im Stiftungsrat von Swiss Films. Er ist Inhaber der Produktionsfirma Fontana Film GmbH.

Filme

  • 1998 I'm just a simple person. Dokumentarfilm. Drehbuch, Regie, Produktion, Studienprämie des EDI.

Kathrin Engler, Waisenkind aus dem St. Galler Rheintal, folgt 22-jährig dem brieflichen Heiratsantrag ihres Jugendfreundes und wandert 1929 nach Kanada aus. Das Portrait dieser äusserst bescheidenen 90-jährigen Frau, die heute in der Provinz Alberta lebt, vermittelt nicht nur ein spannendes Stück sozialer Zeit- und Auswanderungsgeschichte, es enthüllt auch eine fast märchenhafte Liebesgeschichte, die um ein Haar nicht zustande gekommen wäre.

  • 2000 Increschantum (Heimweh). Dokumentarfilm. Drehbuch, Regie, Produktion.

«Increschantüm» ist rätoromanisch und heisst Heimweh, Sehnsucht. «Ils Fränzlis da Tschlin» ist eine Formation, die Volksmusik aus dem Engadin spielt und deren Name auf den legendären Franz Josef Waser zurückgeht, einen blinden Geiger mit absolutem Musikgehör, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit seiner Familienkapelle den Begriff «Fränzlimusik» prägte. Die Engadiner erkenne man daran, dass sie selbst dann noch Heimweh hätten, wenn sie zuhause seien, heisst es. Der Film handelt von der Musik der «Fränzlis», von der Seele dieser Musik, über die Menschen, die diese Musik spielen, ihre Kultur, ihre Geschichte, ihr Spannungsfeld zwischen Tradition und Zukunft. Es ist auch ein Film über das Engadin, über Liebe und Sehnsucht nach dieser Heimat.

  • 2001 Utopia Blues. Spielfilm. Drehbuch, Regie, Co-Produktion.

Der Film erzählt von Rafael, einem verspielten Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Er versucht, seinen Drang nach Freiheit total auszuleben und ist wild entschlossen, mit seiner Utopia Blues Band die Welt zu erobern. «Das Leben ist ein Spiel», sagt er, doch spätestens als er in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wird, wird daraus unverhofft bitterer Ernst. Der Film gewann den Schweizer Filmpreis 2002 (Bester Spielfilm, Bester Darsteller), den Grossen Preis «The Scythian Deer» am Int. Filmfestival Molodist, Kiev, 2002 sowie am Filmfestival Max Ophüls Preis Saarbrücken, 2002 folgende Preise: Bestes Drehbuch, Bester Nachwuchsdarsteller, Interfilmpreis

  • 2002 Elisabeth Kübler-Ross - Dem Tod ins Gesicht sehen. Dokumentarfilm. Drehbuch, Regie, Produktion.

Ein Portrait der 2004 verstorbenen Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross, die wie kaum jemand so viel zur Enttabuisierung des Sterbens beigetragen, aber auch wie kaum jemand mit Aussagen zum Thema so stark polarisiert hat. Der rote Faden des Films ist ein Besuch bei Elisabeth Kübler-Ross im Jahre 1999. Nach mehreren Schlaganfällen lebt sie seit Jahren zurückgezogen in der Wüste von Arizona und wartet, wie sie selber sagt, auf den Tod. 1926 in Zürich geboren, hat sie sich ein Leben lang mit «Sterben» und «Tod» beschäftigt und damit Weltberühmtheit erlangt. Nun blickt sie auf ihr Leben zurück. Ihre Drillingsschwestern, Erika Faust-Kübler und Eva Bacher-Kübler, erzählen, Mitarbeiter berichten, Fachleute kommen zu Wort.

  • 2003 Moritz. Fernsehspielfilm. Co-Autor, Regie, Co-Produktion.

Ein Junge, Moritz, dessen Mutter plötzlich für ungewisse Zeit ins Krankenhaus muss, landet in der Obhut der Nachbarn, einem Männerpaar, das sich bestens um ihn kümmert. Die drei wären eine ideale «Familie auf Zeit», wenn da nicht die Nachbarn, die Behörden und das Dorf wären. Denn so etwas kann man doch nicht zulassen: dass ein 10-jähriger Junge bei zwei Schwulen wohnt! Das Seilziehen geht los....

  • 2004 Downtown Switzerland. Idee, Co-Autor, Co-Regie und Co-Produktion, mit Christian Davi, Kaspar Kasics und Fredi M. Murer.

Zürich im Herbst 2003: Eine schleichende Klimaveränderung, die mehr die Politik als das Wetter betrifft, veranlasst Christian Davi, Stefan Haupt, Kaspar Kasics und Fredi M. Murer zu einer spontanen Spurensuche in ihrer Stadt. Sie folgen unabhängig voneinander dem unruhigen Pulsschlag der Schweizer "Kultur- und Wirtschaftsmetropole" und verweben ihr gesammeltes Material zu einem vielschichtigen Ganzen, in dem die unterschiedlichen Handschriften und Themen miteinander in Beziehung treten. Vier Filmemacher, vier Kameraobjektive, vier Sichtweisen – und ein Film, der ein elektrisierendes Bild skizziert: Zürich als Umschlagplatz von Geld und Geist, wo verschiedenste Befindlichkeiten und Lebensentwürfe friedlich koexistieren, Verbindungen eingehen oder auch in aller Härte aufeinander prallen.

Die in aussergewöhnlicher Zusammenarbeit entstandene filmische Chronik schaut Global Playern und Asylsuchenden, Kleingewerblern und Trendsettern, Buslenkerinnen und Tramführern, Kunstschaffenden und SVP-Jungpolitikerinnen über die Schultern. Sie lotet politisches Kästchendenken und Analysen von Soziologen und Think Tanks aus und gibt den Leidenschaften ganz gewöhnlicher Zürcherinnen und Zürcher Raum. In der Beobachtung des Alltäglichen ist Downtown Switzerland schliesslich auch ein Spiegel der Schweiz.

  • 2006 Ein Lied für Argyris. Dokumentarfilm. Drehbuch, Regie und Produktion.

In Distomo, einem kleinen Bauerndorf in Meernähe, an der Strasse von Athen nach Delphi. Hier überlebt der kleine Argyris, noch keine vier Jahre alt, am 10. Juni 1944 ein brutales Massaker der deutschen Besatzungsmacht: Eine so genannte «Sühnemassnahme» einer SS-Division als Reaktion auf einen Partisanenangriff in der Gegend. Innert weniger als zwei Stunden werden 218 Dorfbewohner umgebracht – Frauen, Männer, Greise, Kleinkinder und Säuglinge. Argyris verliert seine Eltern und 30 weitere Familienangehörige.

Mehrere Jahre verbringt der Knabe in Waisenhäusern rund um Athen, unter Tausenden von Kriegskindern. Da taucht eines Tages eine Delegation des Roten Kreuzes auf und sucht eine Handvoll Kinder aus für eine weite Reise in ein fernes Land. Argyris will unbedingt mitgehen. Und so kommt er in die Schweiz, ins Kinderdorf Pestalozzi nach Trogen. Jahre später doktoriert er an der ETH Zürich in Mathematik und Astrophysik. Bald schon unterrichtet er an Zürcher Gymnasien, beginnt griechische Dichter ins Deutsche zu übersetzen, und arbeitet später mehrere Jahre, auch mit dem Schweizerischen Katastrophenhilfekorps, als Entwicklungshelfer in Somalia, Nepal und Indonesien. Seit er wieder nach Europa zurückgekehrt ist, reist er häufiger zwischen der Schweiz und Griechenland hin und her – und die Aufenthalte in der alten Heimat werden immer länger.

Argyris Sfountouris, heute 66 Jahre alt, ein Mann von gewinnendem Charme und melancholischer Heiterkeit, hat sich Zeit seines Lebens mit dem Wahnsinn auseinandergesetzt, der ihm als Kind widerfahren ist. In einer «Tagung für den Frieden» beispielsweise hat er über Wege sinniert, wie aus diesem Teufelskreis der Gewalt ausgebrochen werden könnte. Er hat versucht, nicht etwa innerlich damit «fertig» zu werden, mit seinem Kindheitserlebnis «abzuschliessen», sondern viel eher damit leben zu lernen und nach aussen etwas zu bewirken.

Ein Film über den Umgang mit persönlicher Trauer, und über den Umgang mit historischer Schuld. Ein Film über die schier unlösbaren Schwierigkeiten einer wirklichen Aussöhnung, über die Suche nach Frieden.

  • 2010 How about Love. Drehbuch, Regie.

Fritz ist beseelt und besessen von seiner Arbeit als Herzchirurg. Auf Drängen seiner Frau Lena unternehmen die beiden eine gemeinsame Urlaubsreise in den Norden Thailands. Dort besuchen sie einen früheren Arztkollegen, der in einem abgelegenen Flüchtlingslager nahe der burmesischen Grenze dringend benötigte ärztliche Versorgung leistet. Von den Verhältnissen überrascht und tief berührt entschliesst sich Fritz, einige Zeit länger zu bleiben und mitzuhelfen, während seine Frau zu den Kindern in die Schweiz zurückkehrt.

Fritz kümmert sich mit Hingabe um die Menschen im Camp. Er entdeckt das faszinierend Fremde und taucht ein in eine unbekannte, neue Welt. Während sein Schweizer Leben zunehmend in den Hintergrund tritt, lernt er Say Paw kennen, eine burmesische Flüchtlingsfrau, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Erfahrungsberichte von anderen Vertriebenen zu sammeln und aufzuschreiben.

Zerrissen zwischen den Welten gerät Fritz in einen Strudel von Gefühlen und Verstrickungen. Er muss herausfinden, was er als einzelner wirklich tun und bewirken kann – und er findet eine unkonventionelle Lösung, die sein Leben und das seiner Familie in der Schweiz nachhaltig verändern wird.

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