Sturm 34

Sturm 34

Sturm 34 war eine rechtsextreme freie Kameradschaft in Mittweida, deren Mitglieder mehrere brutale Überfälle verübten. [1] Im April 2007 wurde sie vom sächsischen Innenminister verboten. Ihre Anführer wurden im August 2008 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Inhaltsverzeichnis

Gründung, Vereinsstruktur und Verbindungen

Der Sturm 34 wurde in der Nacht vom 4. auf den 5. März 2006 von ca. 30-40 Männern und Frauen gegründet. Anlässlich eines Festes im rechtsextremen Milieu stieg einer der Teilnehmer auf den Tisch und rief den Sturm 34 aus. [2] Der Name war von einer SA-Brigade übernommen, die während der Zeit des Nationalsozialismus in der Region Mittweida stationiert war. Der Sturm 34 setzte sich aus Mitgliedern aller sozialen Schichten zusammen. Das Alter der Mitglieder reichte von Jugendlichen bis Mittvierzigern. Unter den 175 Aktiven oder Sympathisanten waren 50 Frauen und Mädchen.[3]

Der NPD-Kreisvorsitzende von Mittweida hat Sturm 34 mehrfach für Veranstaltungen angefordert. Dabei stiftete er deren Mitglieder zu Straftaten an, indem er sie beispielsweise aufgefordert hat, gegen Linke, die auf der Veranstaltung auftauchen würden, körperliche Gewalt anzuwenden.

Die sächsische Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz (Die Linke) bezeichnete Sturm 34 als „den bewaffneten Arm der NPD“.[4]

Überfälle und deren Folgen

Ziel der Gruppe war es, die Region durch Gewalt und martialisches Auftreten zu terrorisieren und einzuschüchtern. Sie richtete sich vornehmlich gegen Ausländer und Vertreter der Linken. Beispielsweise überfiel sie das Büro der Ortsgruppe der Linkspartei, Döner-Imbissstände, Afrodeutsche und Punks. Die Angriffe erfolgten meist aus einer zahlenmäßig überlegenen Gruppe heraus. So standen sich an einer Torfgrube in Mittweida 15 bis 20 Mitglieder des Sturms 34 und acht Jugendliche gegenüber. Während eines Dorffestes in Rochlitz fielen bis zu 25 Mitglieder ein. Dabei trugen sie schwarze Kleidung, hatten die Köpfe kahl geschoren und trugen mit Sand gefüllte Handschuhe.[5]

Im Mai 2006 schlugen 15 Mitglieder an einer Tankstelle in Stollberg ohne erkennbaren Anlass auf einige junge Männer ein. Auch nachdem eines der Opfer am Boden lag, traten sie weiter auf dieses ein. Eine Zeugin beschrieb dies später so, dass der am Boden liegende wie ein Fußball für die Täter gewesen sei. [6]

Am 26. April 2007 führte die Polizei mit 200 Einsatzkräften Hausdurchsuchungen durch und fand dabei unter anderem Schreckschusswaffen, Sturmhauben und rechtsextremes Propagandamaterial. Am selben Tag verbot der sächsische Innenminister Albrecht Buttolo die Gruppe mit sofortiger Wirkung. Er begründete dies mit den Angriffen auf Ausländer und Andersdenkende, die auf Errichtung einer „national befreiten Zone“ um Mittweida abzielten. [7]

Strafprozess

Gefährliche Körperverletzung

Am 6. August 2008 verurteilte das Landgericht Dresden zwei Angeklagte aus dem Führungskader des Sturms 34 wegen gefährlicher Körperverletzung zu Jugendhaftstrafen zwischen drei und dreieinhalb Jahren. Ein weiterer Angeklagter wurde mit einem Jahr Haft auf Bewährung gestraft. Laut dem Richter sei das Kernproblem der Angeklagten gewesen, dass es ihnen am intellektuellen Inventar gefehlt habe.[8]

Bildung einer kriminellen Vereinigung

Die Staatsanwaltschaft erhob auch Anklage wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, da der Sturm 34 keineswegs nur eine "Sauf- und Schlägertruppe" gewesen sei.[9] Der Richter sprach die Angeklagten in diesem Punkt aber frei, da es am Gruppenwillen gefehlt habe. Die Staatsanwaltschaft legte gegen das Urteil in diesem Punkt Revision beim Bundesgerichtshof ein.[10] Dieser urteilte am 3. Dezember 2009 (Az.: 3 StR 277/09), dass der Sturm 34 durch seine Zielsetzungen eine kriminelle Vereinigung war und gab damit der Revision statt. Der Prozess wurde an das Landgericht Dresden zurück verwiesen,[11] welches im Urteil vom 13. April 2011 die Bildung einer kriminellen Vereinigung als gegeben sah.[12]

Einzelnachweise

  1. Zeit online 12. August 2008
  2. Spiegel online 6. August 2008
  3. n-tv 26. April 2007
  4. Süddeutsche Zeitung, 6. August 2008
  5. Leipziger Volkszeitung
  6. Süddeutsche Zeitung 6. August 2008
  7. n-tv am 26. April 2007
  8. Prozess gegen «Sturm 34»-Schläger: «Ihnen fehlt intellektuelles Inventar». In: Netzeitung, 6. August 2008.
  9. Zeit online, 4. August 2008
  10. Staatsanwaltschaft legt gegen Urteile im «Sturm 34»-Prozess Revision ein
  11. Prozess gegen Sturm 34 vom Bundesgerichtshof an das Landgericht Dresden zur erneuten Verhandlung zurück verwiesen
  12. Bewährungsstrafen im "Sturm 34"-Prozess - Gruppe war eine kriminelle Vereinigung

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Sturm — significa tormenta en idioma alemán. En dialecto suizo alemán también se puede emplear como equivalente de vértigo (mir ist sturm). También puede referirse a alguno de los siguientes conceptos: Contenido 1 Miscelánea 2 Apellido 2.1 Personajes …   Wikipedia Español

  • Stürm AG — Rechtsform Aktiengesellschaft Gründung 1835 Sitz …   Deutsch Wikipedia

  • Sturm — is the German language word for Storm and may refer to:* Sturm (surname), people with the surname Sturm * Sturm, a fictional character in the Advance Wars video games * Sturm, a fictional character in The Books of Faerie series by Vertigo Comics… …   Wikipedia

  • Stürm — ist der Familienname folgender Personen: Hans Stürm (1942–2002), Schweizer Kameramann und Filmproduzent Simon Stürm (* 1973), Schweizer Ruderer Walter Stürm (1942–1999), Schweizer Ausbrecherkönig in den 1970er bis 1990er Jahren Stürm steht auch… …   Deutsch Wikipedia

  • STURM (J.) — STURM JOHANNES (1507 1589) Un des principaux organisateurs de l’enseignement protestant au XVIe siècle. Originaire de l’Eifel, Sturm passe trois ans à Liège dans une école des Frères de la vie commune, qui lui servira plus tard de modèle, avant… …   Encyclopédie Universelle

  • Sturm — Sturm: Das altgerm. Substantiv mhd., ahd. sturm, niederl. storm, engl. storm, schwed. storm gehört wahrscheinlich zu der unter ↑ stören behandelten Wortgruppe und bedeutet daher eigentlich »Verwirrung, Unruhe, Tumult«. Seit alters bezeichnet es… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Sturm — im Wasserglas: viel Aufhebens um Geringfügiges, Aufregung, die sich nicht lohnt, viel Lärm um nichts, geht auf Montesquieu zurück, der die Wirren in San Marino »une tempête dans un verre d eau« nannte. Niederländisch ›een storm in een glas water‹ …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Sturm — Sm std. (9. Jh., sturmwint 8. Jh.), mhd. sturm, ahd. sturm, storm, as. storm Stammwort. Aus g. * sturma m. Sturm , auch in anord. stormr, ae. storm. Vielleicht m Ableitung einer Grundlage, die am ehesten als * stwer anzusetzen ist. Dieses ist… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Sturm [1] — Sturm, ein besonders heftiger Wind, dessen Stärke mangels zuverlässiger Messungen des Winddruckes meist nach der Geschwindigkeit der bewegten Luftmassen bestimmt wird. Als Sturmnorm gilt Stufe 8 der Beaufortskala und darüber. Mißt man die… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • STURM (C. F.) — STURM CHARLES FRANÇOIS (1803 1855) Après avoir été étudiant à l’université de Genève (sa ville natale), Sturm se rend, pour être précepteur dans la famille Broglie, à Paris, où il fréquente les plus grands savants de l’époque et où il se fixe… …   Encyclopédie Universelle

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”