- Tetragonales Kristallsystem
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Roter Zirkon (Größe: 1,0 cm) aus Gilgit, Pakistan
Phosgenit, ausgestellt im Royal Ontario Museum
Das Tetragonale Kristallsystem gehört zu den sieben Kristallsystemen in der Kristallographie. Es umfasst alle Punktgruppen, die in genau einer Richtung eine vierzählige Dreh- oder Drehinversionsachse besitzen.
Inhaltsverzeichnis
Punktgruppen
Das tetragonale Kristallsystem umfasst die Punktgruppen
und
. Sie bilden die tetragonale Kristallfamilie und können mit dem tetragonalen Gittersystem beschrieben werden.Gittersystem
Das tetragonale Gittersystem hat die Holoedrie
. Analog zu den anderen wirteligen Kristallsystemen wird die vierzählige Achse in die Richtung der c-Gitterachse gelegt. Wie im monoklinen liegen die beiden anderen Richtungen senkrecht zur c-Achse und müssen – aufgrund der Vierzähligkeit der c-Achse – darüber hinaus auch gleiche Länge besitzen und senkrecht zueinander stehen. Daher gibt es in diesem Kristallsystem nur die beiden Gitterkonstanten a und c und es ergeben sich folgende Bedingungen:Bravaisgitter
Im tetragonalen Kristallsystem gibt es zwei Bravaisgitter, das primitive und das innenzentrierte. Das flächenzentrierte Bravaisgitter entspricht nicht der Standardaufstellung, da diese Gitter immer durch ein innenzentriertes Gitter mit halb so großer Elementarzelle beschrieben werden kann. Man erhält das innenzentrierte Gitter aus dem flächenzentrierten, indem man die a-Achsen um 45° um die c-Achse dreht und um den Faktor
verkleinert.Beschreibung und physikalische Eigenschaften der tetragonalen Punktgruppen
Zur Beschreibung der tetragonalen Kristallklassen in Hermann-Mauguin-Symbolik werden die Symmetrieoperationen bezüglich vorgegebener Richtungen (Blickrichtungen) im Gittersystem angegeben. Die Blickrichtung des ersten Symbols ist die c-Achse (<001>), des zweiten Symbols die a-Achse (<100>) und des dritten Symbols die Flächendiagonale der c-Fläche (<110>).
Charakteristisch für die tetragonalen Raumgruppen ist eine 4 (4) an erster Stelle, aber keine 3 (3) an der zweiten Stelle des Raumgruppensymbols.
Kristallklassen im tetragonalen Kristallsystem Kristallklasse Physikalische Eigenschaften Beispiele Laueklasse Allgemeine Form Schoenflies-Symbol Hermann-Mauguin-Symbol Hermann/Mauguin-Kurzsymbol Raumgruppennummern Enantiomorph Optische Aktivität Pyroelektrizität Piezoelektrizität 
tetragonal-pyramidal C4 

75–80 + + + + Pinnoit tetragonal-disphenoidisch S4 

81–82 − + − + Schreibersit tetragonal-dipyramidal C4h 

83–88 − − − − Baotit 
tetragonal-trapazoedrisch D4 

89–98 + + − + Maucherit ditetragonal-pyramidal S4v 

99–110 − - + + Lenait tetragonal-scalenoedrisch D2d 

111–122 − + − + Chalkopyrit ditetragonal-dipyramidal D4h 

123–142 − − − − Anatas, Zirkon Bei den Angaben zu den physikalischen Eigenschaften bedeutet:
- „−“ Aufgrund der Symmetrie verboten
- „+“ Aufgrund der Symmetrie erlaubt.
Über die Größenordnung des Effektes kann aufgrund der Symmetrie keine Aussage getroffen werden, man kann aber davon ausgehen, dass dieser Effekt nie exakt verschwinden wird.
Weitere tetragonal kristallisierende chemische Stoffe siehe Kategorie:Tetragonales Kristallsystem
Literatur
- Hahn, Theo (Hrsg.): International Tables for Crystallography Vol. A D. Reidel publishing Company, Dordrecht 1983, ISBN 90-277-1445-2
- D. Schwarzenbach Kristallographie Springer Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-540-67114-5
- Will Kleber, et.al. Einführung in die Kristallographie 19.Auflage Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2010, ISBN 978-3-486-59075-3
- Walter Borchard-Ott Kristallographie 7.Auflage Springer Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-540-78270-4
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