Vitus (Film)

Vitus (Film)
Filmdaten
Deutscher Titel Vitus
Produktionsland Schweiz
Originalsprache deutsch, teilweise Schweizerdeutsch und englisch
Erscheinungsjahr 2006
Länge 120 Minuten
Stab
Regie Fredi M. Murer
Drehbuch Fredi M. Murer
Lukas B. Suter
Peter Luisi
Produktion Christian Davi
Musik Mario Beretta
Kamera Pio Corradi
Schnitt Myriam Flury
Besetzung

Vitus ist ein im Jahr 2005 in der Schweiz gedrehter Film von Regisseur Fredi M. Murer, bekannt für seinen Film Höhenfeuer.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Die gut situierten Eltern des sechsjährigen Vitus haben die musikalische Begabung des Jungen nicht als solche erkannt. Als Kind führt Vitus ein relativ normales Leben, spielt jedoch bereits sehr gut Klavier. Sein Vater steigt zum Firmenleiter des Betriebs auf, in dem er arbeitet.

Als eines Tages eine Party in ihrer Wohnung stattfindet, ändert sich Vitus' Leben: Seine Eltern bitten ihn, etwas auf dem Klavier vorzuspielen. Einer der Gäste erkennt das Talent des Jungen und macht die Eltern darauf aufmerksam. Diese beschliessen, seine Begabung zu fördern. Seine Mutter bricht die Zusammenarbeit mit seiner alten Klavierlehrerin ab, um ihn in die Obhut eines anderen, „besseren“ Lehrers an der Musikhochschule zu geben. Für Vitus, der sich bei seiner alten Klavierlehrerin wohl gefühlt hat, ist dies schwer zu verstehen. Unter anderem deshalb flüchtet sich Vitus immer öfter zu seinem Grossvater, mit dem er unter anderem Fledermausflügel bastelt.

Wenn seine Eltern wegfahren, kommt ein Mädchen (Isabel) zu ihm, um auf ihn aufzupassen. Nach einer Zeit wird sie Vitus' Freundin. Als die Eltern eines Abends von einer Veranstaltung zurückkehren, finden sie die beiden auf dem Sofa schlafend neben einer leeren Alkoholflasche. Eine von seinem Vater installierte Kamera zeigt Vitus, der eine rockige Melodie am Klavier spielt, und Isabel, die dazu tanzt und singt. In Angst um den hohen IQ des Jungen verbietet die Mutter Isabel, Vitus noch einmal zu besuchen, und sie kümmert sich von nun an selbst um ihren Sohn.

Vitus überspringt mehrere Klassen. Er ist viel zu klein für seine Klasse, was ihn immer wieder zum Ziel von Spott und Verachtung macht. Auch mit seinen Lehrern hat Vitus Probleme. Dies wird deutlich, als sein Mathematiklehrer der Klasse einmal eine komplizierte Zinsrechnung zu lösen gibt, Vitus aber ruhig weiter seine Zeitung liest. Als der Lehrer sagt, Vitus gehe ihm mit seinem überheblichen Gehabe auf den Geist, sagt Vitus: „Dann sind wir in der Klasse immerhin schon zwei, die über einen solchen verfügen.“ Daraufhin werden Vitus' Eltern zur Schuldirektorin bestellt. Unter dem immer grösseren Stress besucht er immer öfter seinen Grossvater.

Eines Tages macht Vitus' Mutter einen Termin bei einer grossen Pianistin und Klavierlehrerin. Doch er weiss, dass dies bedeuten würde, eine Pianistenkarriere einzuschlagen, was er nicht will. Er verweigert das Vorspielen. In der folgenden Nacht beschliesst er, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen: Er holt seine alten Fledermausflügel von der Wand und gibt dann vor, von der Balkonbrüstung gesprungen zu sein.

Die Diagnose lautet zwar nur auf Gehirnerschütterung, doch sein gemessener IQ ist von 180 auf immer noch überdurchschnittliche 120 gesunken. Vitus muss zurück in die seinem Alter entsprechende Klasse und kann die vorgesehene Pianistenkarriere nicht einschlagen. Er findet einen neuen Freund und kann ein weitgehend normales Leben führen. Nur seinen Grossvater weiht er in sein Geheimnis ein.

Mit der Karriere seines Vaters geht es bergab. Seine Firma ist bankrott und der Aufsichtsrat entlässt ihn. Doch Vitus beschliesst, wahrscheinlich, um seine verlorene Jugend zu rächen, seinem Vater vorerst nicht zu helfen. Stattdessen setzt er seinen IQ und die Ersparnisse seines Grossvaters ein, um diesen an der Börse in wenigen Tagen zum Millionär zu machen. Er richtet sich seinen eigenen Betrieb ein: Dr. Wolf Holding, die Scheinfirma seines Grossvaters. Ausserdem mietet er eine leere Wohnung an, in der er von nun an regelmässig Klavier übt.

In einem Musikgeschäft trifft er seine alte Freundin Isabel wieder. Er lädt sie zu einer Verabredung ein, doch diese verläuft katastrophal. Wenig später muss Vitus einen weiteren Tiefschlag einstecken: Sein Grossvater ist beim Dachdecken vom Dach gestürzt und liegt tödlich verletzt im Krankenhaus. Er gibt Vitus einen Abschiedsbrief für ihn und seine Eltern mit. Vitus legt den Brief in den Briefkasten und beschliesst, seinen Eltern aus der finanziellen Not zu helfen. Mit dem Vermögen seines sterbenden Grossvaters kauft er die bankrotte Firma seines Vaters auf. Nach dem Tod des Grossvaters wird Vitus' Vater als einziger mündiger Nachfahre Erbe des Betriebs. Im Brief erfahren die Eltern unter anderem, dass Vitus' IQ noch immer bei den ursprünglichen 180 liegt.

Vitus beschliesst, den Weg einzuschlagen, den seine Eltern für ihn vorgesehen haben. Er nimmt das kleine Flugzeug seines Grossvaters und fliegt zu jener Klavierlehrerin, bei der er ehemals vorspielen sollte. Der Film endet mit Vitus, der in der Zürcher Tonhalle als Solist das Klavierkonzert von Robert Schumann spielt.

Dreharbeiten

Die Schlusssequenz des Filmes in der Zürcher Tonhalle war die erste Aufnahme bei den Dreharbeiten zu dem Film. An dem Abend fand ein reguläres Konzert statt, dessen letzten Teil Teo Gheorghiu (Vitus) bestritt. Sein Auftritt wurde gefilmt. Alle Zuschauer wurden beim Kauf ihrer Tickets auf die Dreharbeiten hingewiesen und spielten für Murer Statisten.

Auszeichnungen und Nominationen

  • Der Film Vitus wurde an der Berlinale 2006 in die Berlinale Special Reihe aufgenommen.
  • Vitus wurde am 1. Filmfestival von Rom 2006 mit dem Publikumspreis in der Kategorie Alice nella città ausgezeichnet.
  • Vitus war die offizielle Wahl der Schweiz für die Oscar-Nominierung als Bester fremdsprachiger Film 2006.
  • Vitus vertrat die Schweiz bei den Nominationen zum Europäischen Filmpreis 2006.
  • Im Januar 2007 erhielt Vitus den Schweizer Filmpreis.
  • Vitus erhielt den Publikumspreis bei den 21. Bozner Filmtagen.
  • 2008 erhielt Vitus am 11th Pyongyang International Film Festival den Special Sreening Price, ein Diplom und eine Statuette [1].

Einzelnachweise

  1. Bieler Tagblatt vom 1. Oktober 2008, Seite 24

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