Bullterrier

Bullterrier
Bullterrier
Bullterrier
FCI-Standard Nr. 11
  • Gruppe 3: Terrier
  • Sektion 3: Bullartige Terrier
Ursprung:

Großbritannien

Widerristhöhe:
  • Standard: keine Grenzen
  • Miniatur: < 35,5 cm
Varietäten:
  • Bullterrier (Standard)
  • Miniatur-Bullterrier
Zuchtstandards:

FCI, KC (Standard), KC (Miniature)]

Liste der Haushunde

Der Bullterrier (auch Bull Terrier) ist eine von der FCI anerkannte Hunderasse aus Großbritannien (FCI-Gruppe 3, Sektion 3, Standard Nr. 11). Die Rasse wird in zwei Varietäten gezüchtet: dem Bullterrier (Standard) und dem Miniatur-Bullterrier. Für beide Varietäten wird jeweils getrennt das CACIB vergeben.[1]

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Geschichtliches

Die Zucht des Bullterriers nahm in Mittelengland ihren Anfang und damit an den Orten der großen Kohlezentren und Porzellanmanufakturen, wo einst auch die Tierkämpfe eine Monopolstellung genossen und das Aufeinanderhetzen verschiedenster Tiere in Verbindung mit erstrebten Wettgewinnen eine beliebte Abwechslung des Volkes war.[2] Um Hundekämpfe durch Schnelligkeit, Mut und Aggressivität spektakulärer zu machen, wurde eine kleine, bewegliche und leistungsfähige Hunderasse gesucht, deren Schnauze besser zum Beißen geeignet sein sollte als die des eher langsamen Vollblut-Bulldogs.[2]

So entstand der Bullterrier als eine Kreuzung zwischen der englischen Bulldogge alten Typs, dem später nach dem Inkrafttreten des Kupierverbotes in England um 1880 ausgestorbenen White English Terrier und dem Dalmatiner. Noch heute gibt es in der Zucht von Bullterriern Hunde, die ihrem Äußeren nach zum einen oder anderen Rasseahnen hin tendieren. So spricht man vom Dalmatiner- (eher hochläufig, nicht so schwer gebaut, wirkt eleganter), Bulldog- (eher kurzläufig, sehr knochenstark, schwer und plump gebaut, häufig mit Vorbiss behaftet) oder Terriertyp. Bevorzugt wird der sogenannte „Allrounder“, die als perfekt betrachtete Mischung aus allen drei Hundetypen in einem Individuum vereint.

Um 1850 begann der Tierhändler James Hinks aus Birmingham mit der systematischen Zucht der neuen Rasse. Weil es über die frühe Zeit seiner Zuchtbemühungen keine Zuchtbücher oder andere schriftliche Aufzeichnungen gibt, ist die genaue Herkunft bis heute teils spekulativ. Die Existenz einer neuen Rasse Bullterrier als Kreuzung zwischen Bulldog und Terrier ist jedoch schon um 1821 belegt.[3]

„Die verhältnismäßig großen Hink’schen Bull Terrier hatten bald viele Bewunderer. Das Bulldogaussehen war weitgehend aus ihnen herausgezüchtet, ihnen fehlten die losen Lefzen und die Wammenbildung des Bullenbeißers. Hinks Terrier, die meist rauhhaarig waren, hatten längere und gestreckte Köpfe, waren stärker im Fang. Außerdem waren sie schnell, mutig und muskulös, ohne dabei im Wesen zu sanft zu sein. Sie galten bald als eine der entschlossensten und bissigsten Hunderassen, die erstaunlichen Mut im Kampf mit größerem Raubzeug, vornehmlich Dachsen, entwickelte. (BECKMANN, 1894; RÄBER, 1995)“[4]

Das damals angestrebte Verwendungsziel beim Bullterrier war neben Dachse-Ziehen (engl.: badger-baiting) und Rattentöten (engl.: rat-killing) der Hundekampf mit mehr „Nervenkitzel“.

„Bei Kämpfen zwischen Bullterriern fließt Blut, denn jedem Kampf geht eine fürchterliche Beißerei voraus, bis es dem einen der Kämpfenden gelingt das Plätzchen an der Kehle zu fassen, was für den, der sich diese Blöße gab, "Tod" bedeutet.(STREBEL, 1903)“[4]

Hundekämpfe sind in den meisten Ländern Europas seit langem verboten. Die Zuchtstrategien der Zuchtvereine änderten sich im Laufe der Zeit. Große Zuchtverbände züchten heute Bullterrier als Familienhunde. „Es fällt auf […], dass der Bullterrier ein Hund ist, der im Vergleich zu anderen so gut wie überhaupt nicht durch aggressives Verhalten auffällt. Er bietet Aggression nicht als Lösungsstrategie an. Das liegt daran, dass die Bullterrierzüchter schon lange einen Wesenstest in der Zucht eingeführt haben.“[5]

Der englische Autor Kevin Kane, der Zugang zu Originaldokumenten von Hinks hat, geht davon aus, dass bereits Hinks keinen Hund für Hundekämpfe züchtete. Er bezeichnet Hinks' Hunde als Ausstellungshunde. In vielen der weit verbreiteten und in der Literatur dargestellten Geschichten um die Kampfhunde von Hinks hat er Widersprüche gefunden und dokumentiert.[6]

Seit der Entstehung der Rasse als Ausstellungshund gab es sie in verschiedenen Größen. Die besonders kleinen Tiere wurden als Toy Bull Terrier bezeichnet und separat gewertet. Sie waren weniger verbreitet als die größeren Bullterrier. Nachdem der Kennel Club 1902 die Gewichtsgrenze für die Toys auf 8 Pounds (3,6 kg) gesenkt hatte, gab es bis zur Neugründung eines Zuchtklubs für Miniatur-Bullterrier mit neuem Standard 1938 [7]auf Ausstellungen keine Toys und später keine Eintragungen in das entsprechende Zuchtbuch mehr.[6]

Beschreibung

Bullterrier

Der Bullterrier ist kräftig gebaut, muskulös, mit durchdringendem und entschlossenem Ausdruck. Ein einzigartiges Merkmal ist sein downface (divergierende Kopflinien) und der eiförmige Kopf. Das Haar ist kurz, glatt und ebenmäßig, meist reinweiß. Bei farbigen Hunden muss die jeweilige Farbe vorherrschend sein, gestromt. Die Ohren sind klein, dünn und nahe zueinander angesetzt, steif aufgerichtet.

Heute hat sich das Exterieur der Bullterrier wesentlich verändert. Typisch ist der von der Seite betrachtete eiförmige Kopf mit einer konvexen, so genannten römischen Nase, welcher auf die Zuchtbemühungen von Raymond Oppenheimer zurückgeht. Für Bullterrier gibt es im Rassestandard keine Größen- oder Gewichtsbeschränkungen, wie es bei anderen Hunderassen üblich ist. Forderung ist ein ausgewogener Körperbau mit einem Maximum an Substanz (was nicht zu verwechseln ist mit einem Maximum an Gewicht).

Ursprünglich wurden Bullterrier als reinweiße Hunde gezüchtet. Es gab von Anfang an auch Züchter, die farbige Tiere bevorzugten, die unter anderem durch Einkreuzung von Staffordshire Bullterriern entstanden. Bis 1950 bestand jedoch beim Kennel Club ein Kreuzungsverbot für weiße mit farbigen Tieren.[2]

Miniatur-Bullterrier

Bullterrier und Miniatur-Bullterrier

Beim Miniatur-Bullterrier ist, anders als beim als Standard bezeichneten Bullterrier, die Größe im Rassestandard festgelegt. Der FCI-Rassenstandard unterscheidet sich zum Bullterrier (Standard) in folgendem Absatz: "Die Widerristhöhe sollte 35,5 cm nicht überschreiten. Es sollte ein Eindruck von Substanz im Verhältnis zur Größe des Hundes vorhanden sein. Es gibt keine Gewichtsgrenze. Die Hunde sollten immer harmonisch sein."[8]

Der Miniatur-Bullterrier wird im Ursprungsland Großbritannien zu den vom Aussterben bedrohten Rassen gezählt und seit 2006 in der "vulnerable native breeds"-Liste geführt.[9]

Abgrenzung der Varietäten

Im Mutterland der Bullterrier, Großbritannien, werden vom Kennel Club Bull Terrier und Miniatur Bull Terrier als eigenständige Rassen geführt,[10] bei der FCI werden Bull Terrier (Standard) und Miniature Bull Terrier als zwei Varietäten einer Rasse klassifiziert.[8] Von den beiden deutschen Vereinen im VDH stellt die Gesellschaft der Bullterrier-Freunde den (bis auf die Größe dem Standard Bullterrier gleichlautenden) FCI-Standard separat unter dem Link „Miniatur Bullterrier“ dar,[11] während der Deutsche Club für Bullterrier die beiden zu „Bullterrier / Miniatur Bullterrier“ zusammenfasst, aber getrennte Züchter- und Deckrüdenlisten führt.[12]

Wesen

Sein idealer Charakter wird als eigensinnig, feurig und tapfer beschrieben, dabei mit einem ausgeglichenen Wesen, diszipliniert und freundlich gegenüber Menschen. Züchter sollen nunmehr Tiere, die diesen Forderungen nicht nachkommen, nicht wesensfest oder gar aggressiv sind, von der Zucht ausschließen.[13]

Die FCI verlangt in der Rassebeschreibung folgende Eigenschaften: „Mutig, lebhaft, mit einem verspielten Wesen. Ausgeglichenes Wesen und diszipliniert. Obgleich sehr eigensinnig, ist er im besonderen sehr gut gegenüber Menschen.“ [8]

Bullterrier als „gefährliche Hunde“

Der Bullterrier wird von den meisten deutschen Bundesländern in ihren Hundeverordnungen oder -gesetzen in der Liste der gefährlichen Hunde aufgeführt. Das bedeutet, dass die Haltung und/oder Zucht des Bullterriers in diesen Bundesländern verboten oder eingeschränkt ist. Des Weiteren wird diese Rasse im Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz geführt, wodurch der Import in das Bundesgebiet verboten ist, auch in jene Bundesländer, in denen der Bullterrier nicht in der Rasseliste steht.

Situation beim Miniatur-Bullterrier

Die Rassebezeichnung Miniatur-Bullterrier steht in keiner der deutschen Rasselisten. In der Praxis werden Miniatur-Bullterrier in allen deutschen Bundesländern gezüchtet, und zwar unabhängig davon, ob der Bullterrier dort als Listenhund geführt wird und/oder mit einem Zuchtverbot belegt ist.[14][15]

Im Bericht des Landes Nordrhein-Westfalen von 2010 wird festgestellt, dass es bei den behördlich erfassten Miniatur-Bullterriern zu keinem Vorfall gekommen ist, bei dem Menschen oder Tiere geschädigt wurden. Des Weiteren ist dort festgehalten, dass Miniatur-Bullterrier zum Typ "Kleine Hunde" gehören. Eine behördliche Feststellung der Gefährlichkeit ist im Einzelfall aber möglich und kommt auch beim Miniatur-Bullterrier vor.[16] Die Vermutung der Gefährlichkeit von Listenhunden kann per Landes-Hundegesetz Nordrhein-Westfalen nicht individuell widerlegt werden.

Bei Zweifeln an der Rassezugehörigkeit eines Hundes hat in Nordrhein-Westfalen der Halter den Beleg zu erbringen, dass es sich nicht um einen Listenhund handelt.[17] Ein Urteil des Verwaltungsgerichts Aachen aus dem Jahr 2006 argumentierte, dass bei Zweifeln der Rassezugehörigkeit nicht die Schulterhöhe entscheidend sei, sondern der Nachweis, ob es sich genetisch um einen Miniatur-Bullterrier handelt. Da kein eindeutiger Nachweis durch die Elterntiere möglich war, wurde durch einen Gutachter geprüft, ob der Hund trotz einer größeren Schulterhöhe typische Merkmale eines Miniatur-Bullterriers aufweist.[A 1][18] In Berlin ist ein Verfahren hängig, in dem die Definition eines Hundes als Bullterrier statt als Miniatur-Bullterrier als Entscheidungsgrundlage für die Einschätzung als Listenhund betrachtet wird.[19]

Literatur

Weblinks

 Commons: Bullterrier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. FCI: Rassen mit Varietäten und CACIB-Vergabe Stand: 2. Februar 2010. Abgerufen am 1. Juli 2011
  2. a b c Andrea Steinfeldt: „Kampfhunde“ Geschichte, Einsatz, Haltungsprobleme von „Bull-Rassen“ - Eine Literaturstudie - (PDF-Datei) Hannover 2002 Dissertation, S. 54
  3. Andrea Steinfeldt: „Kampfhunde“ Geschichte, Einsatz, Haltungsprobleme von „Bull-Rassen“ - Eine Literaturstudie - (PDF-Datei) Hannover 2002 Dissertation, S. 55
  4. a b Andrea Steinfeldt: „Kampfhunde“ Geschichte, Einsatz, Haltungsprobleme von „Bull-Rassen“ - Eine Literaturstudie - (PDF-Datei) Hannover 2002 Dissertation, S. 56
  5. „Ein Hund darf durchaus aggressiv sein, wenn er in bestimmte Zwangssituationen kommt. Das ist Normalverhalten!“ Der Gebrauchshund im Gespräch mit Prof. Dr. Hansjoachim Hackbarth – dem Leiter des Instituts für Tierschutz und Verhalten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. In: Der Gebrauchshund 2/2005 S. 39
  6. a b Hans-Joachim Swarovsky: Nicht fürs Kämpfen geschaffen - Miniatur Bull Terrier. In: Partner Hund. Nr. 06, 2004 (Online).
  7. The Miniature Bull Terrier Club: History.
  8. a b c FCI-Standard Nr. 11: Bull Terrier. FCI (5. Januar 2011). Abgerufen am 1. Juli 2011.
  9. Vulnerable Breeds auf der Seite des Britischen Kennel Clubs
  10. Quarterly registration statistics for the terrier group. The Kennel Club (2011). Abgerufen am 1. Juli 2011.. Die Rassen Bull Terrier (Miniature) und Bull Terrier werden getrennt aufführt.
  11. Rasseübersicht Gesellschaft der Bullterrier-Freunde. Gb-f.de. Abgerufen am 5. Juni 2010.
  12. Rasseübersicht des Deutschen Clubs für Bullterier. Dcbt.de (18. Oktober 2007). Abgerufen am 5. Juni 2010.
  13. R. Strebel: Die deutschen Hunde, 2 Bd., E. Ertel, München 1903 zitiert in Andrea Steinfeldt: „Kampfhunde“ Geschichte, Einsatz, Haltungsprobleme von „Bull-Rassen“ - Eine Literaturstudie - Hannover 2002, Dissertation, S. 56
  14. Züchterverzeichnis Miniatur-Bullterrier auf der Webseite des Deutschen Club für Bullterrier (abgerufen am 1. Juli 2011)
  15. Wurfmeldungen Miniatur-Bullterrier auf der Webseite des Deutschen Club für Bullterrier (abgerufen am 1. Juli 2011)
  16. Hundebericht Nordrhein-Westfalen 2010 S. 8, Punkt IV
  17. LHundG NRW §3 (2)
  18. Entscheidung/Urteil vom 27. Dezember 2006 des Verwaltungsgerichtes Aachen. Nachzulesen unter dem Aktenzeichen: 6 K 903/05
  19. Verdacht der Gefährlichkeit reicht für Hundehaltungsverbot aus (Nr. 20/2010), berlin.de, abgerufen am 1. Juli 2011

Anmerkungen

  1. Typische Merkmale sind der relativ kleine Kopf im Vergleich zur Körpergröße, eine relativ hohe Stimme, relativ kleine Pfoten, ein geringeres Knochenvolumen, relativ große und mandelförmige Augen etc. Das Gericht kam trotz einer gemessenen Schulterhöhe eines Miniatur-Bullterriers von ca. 41 cm zur Auffassung, dass es sich trotz fehlendes Nachweises, der unter anderem durch einen Stammbaum unter Nennung der Elterntiere hätte erbracht werden können, um einen Miniatur-Bullterrier handle. Entscheidend für die Entscheidung des Gerichtes war das Gutachten eines Experten.
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