Arnold Ehret

Arnold Ehret

Arnold Ehret (* 19. Juli 1866 in St. Georgen im Schwarzwald; † 9. Oktober 1922 in Los Angeles) war ein deutscher Naturheilkundler und Buchautor. Seine im Licht der Ernährungswissenschaft des 21. Jahrhunderts als pseudowissenschaftlich und esotherisch erscheinenden Thesen zur Verjüngung und Heilung von Krankheiten durch eine „schleimfreie“, vegetarische Diät mit hohem Fruchtanteil und Fasten erfreuten sich vor allem in den USA bis in die 1970er Jahre großer Beliebtheit.[1] Man sprach dort sogar vom „Ehretism“.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Arnold Ehret wuchs in St. Georgen im Schwarzwald auf. Seine Großeltern waren Ärzte, seine Eltern Tiermediziner. Arnold Ehret studierte in Baden-Baden (Design) und Frankfurt, wo er anschließend an einer Schule als Lehrer tätig war. Seine Einberufung zum Militär im Jahr 1887 war nur kurzzeitig, denn man diagnostizierte bei ihm eine Herzerkrankung. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich. Zehn Jahre später hatten 24 Fachärzte, die er konsultierte, eine unheilbare chronische Nierenentzündung festgestellt. Auf mehreren Reisen nach Berlin, Nordafrika, Südfrankreich und Italien erlebte Ehret, wie Fasten und die Einnahme frischer Früchte seinen Krankheitszustand nachhaltig besserten.[2]

Um diese persönlichen Erfahrungen herum begann Ehret Ende des 18. Jahrhunderts, eine eigene Ernährungstheorie aufzubauen. 1899 lernte er in Berlin-Oranienburg die industriekritische, Lebensreform-Bewegung kennen und schloss sich den Vitalisten an. 1909 erschien sein erster Artikel über den Stoffwechsel und das Fasten.

Sein Interesse an Früchten führte ihn vor Beginn des Ersten Weltkriegs mit dem Transatlantikdampfer „George Washington“ über New York nach Kalifornien. Dort lernte er den Pflanzenzüchter Luther Burbank und seinen späteren Verleger, den deutschstämmigen Lebensreform-Anhänger Benedict Lust, kennen. Der Krieg in Europa hinderte Ehret an der Rückkehr nach Deutschland, sodass er sich in Mount Washington (Los Angeles) niederließ.

Ernährungsthesen

Ehrets Ernährungsthesen verstehen den menschlichen Körper ganz im Sinne des Expressionismus als „Sauerstoff-Maschine“. Die Maschine benötige zum Basisbetrieb nur Sauerstoff (Fasten). Alles Schleimige schade ihr (Fleisch, Milch, Kartoffeln, Reis etc.). Der ideale Begleiter des Sauerstoffs war in Ehrets Vorstellung möglichst reiner Fruchtzucker, wie er in Obst vorkommt. Seine empfohlene Diät für jedermann ließ neben Obst nur Nüsse und solche Gemüsesorten zu, die keine Stärke enthielten. Sein 1911 geschriebenes Buch „Kranke Menschen. Der gemeinsame Grundfaktor im Wesen aller Krankheiten, des Alterns und des Todes“ brachte diese Ideen auf den Punkt und wurde, übersetzt ins Englische, ein Bestseller in den USA. Andere Veröffentlichungen folgten, unter anderem:

  • Allgemeiner Lehrbrief für Faster und Gesundesser mit Anweisungen über schleimlose Diät. Bellinzona 1913
  • Lehr- und Fastenbrief. Praktische Nutzanwendung zu „Kranke Menschen“ und „Lebensfragen“, 1923
  • Verjüngung auf natürlichem Wege, 1924

Am 9. Oktober 1922 stürzte Ehret nach einem ausverkauften Vortrag (Thema: „Health Thru Fasting“ – Gesund durch Fasten) vor einem Hotel in Los Angeles rücklings mit dem Kopf auf den Asphalt, erlitt einen Schädelbruch und starb 56jährig an dessen Folgen.

Comeback und Wertung

Seine industriekritische Grundhaltung und ganzheitliche Sicht auf einen „reinen Körper“ erlebte in der Hippie-Bewegung der 1960er Jahre ein Comeback.[3] Unter anderem war der Gründer von Apple Computer, Steve Jobs, ein Anhänger des Ehretismus und ernährte sich jahrelang nur von Obst und Säften.[4] Für viele gilt Ehret als einer der Begründer moderner Rohkost-Diäten. Den Erkenntnissen der modernen Ernährungswissenschaft zufolge sind Arnold Ehrets Vorstellungen vom Stoffwechsel veraltet oder falsch, etwa wenn er „schleimige“ Nahrung als Ursache für weiße Blutkörperchen hält oder (wegen seiner Sauerstofftheorie) die Lunge so hoch einschätzt, dass für ihn das Herz nur ein relativ nebensächliches Organ, ein „Ventil“ ist. Ehrets Diätrezepte gelten heute als einseitig und – übermäßig eingesetzt – sogar gesundheitsgefährdend. Einige Ansichten, etwa Obst vor dem Verzehr zu kochen, decken sich mit den Lehren der traditionellen chinesischen Medizin und dem Qi.

Ehrets Einfluss beschränkte sich im Wesentlichen auf die USA. Sein Name wurde in der deutschen Presse der Zeit selten erwähnt, die Londoner Times nahm Arnold Ehret mit keinem Artikel wahr.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Reminiszenzen an Ehret finden sich in vielen späteren Artikeln über Ernährung und Fasten, etwa in Vanessa Grigoriadis Artikel in der New York Times vom 24. August 2003 Rest the Tummy, Restore the Soul, wo sie schreibt: „Fashionable fasters have inspired a cottage industry in upbeat literature, including reprints of classic tomes like Arnold Ehret's Rational Fasting (1914)“
  2. Child, B. W.: Biographical Sketch of Prof. Arnold Ehret, in: Mucusless Diet Healing System, Ehret Literature Publishing Company, New York, 1994
  3. Die New York Times erwähnt Ehrets Ernährungsphilosophie unter anderem in der Ausgabe vom 2. Dezember 1971 in einem Artikel über alternative Lebensformen und das Woodstock-Festival: The Food at the Heart of Commune Life (Die Ernährung im Zentrum des Lebens der Kommune)
  4. Siehe unter anderem Sunday Times vom 30. Oktober 2011, In the beginning ... there was Steve: „Jobs’s dietary habits became even more obsessive when he read Mucusless Diet Healing System by Arnold Ehret, an early-20th-century German nutrition fanatic. He believed in eating nothing but fruit and starchless vegetables.“

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