Ernst Meyer (Maler)

Ernst Meyer (Maler)

Ernst Meyer (* 11. Mai 1797 in Altona; † 31. Januar 1861 in Rom) war ein deutsch-dänischer Genremaler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ernst Meyer entstammt einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Altona. Nach der Scheidung seiner Eltern kam er 1812 zu Verwandten nach Kopenhagen, wo er die Kunstakademie besuchte. 1818 hielt er sich in Dresden auf. Als er 1819 in Kopenhagen im Wettbewerb um die Kleine Goldmedaille der Akademie scheiterte, ging er nach München. 1821 nahm er einen zweiten Anlauf, scheiterte aber erneut und wurde nach einem Eklat von der Akademie verwiesen. Meyer kehrte nach München zurück und wanderte 1824 mit seinem Studienfreund, dem Bildhauer Herman Wilhelm Bissen nach Italien, wo er – von mehreren Reisen abgesehen – bis zu seinem Lebensende blieb.

Meyers beliebtester Aufenthaltsort wurde das Bergdorf Olevano. 1825 reiste er nach Sizilien. Freundschaft verband ihn mit seinen Landsleuten Johann August Krafft, Johann Bravo, Friedrich Thöming, Rudolf Lehmann und Louis Gurlitt. Er gehörte zu den Stammgästen des legendären Café Greco in Rom und er war Teilnehmer der Künstlerfeste bei den Cervaro-Höhlen. Seit 1840 wurde seine Bewegungsfreiheit durch eine Syphilis Erkrankung stark eingeschränkt, die er mit großer Selbstironie und gefürchtetem Spott überspielte. Zur Linderung seiner Beschwerden hielt er sich 1841 zwei Jahre in der Kaltwasserheilanstalt in Gräfenberg/Schlesien auf. Anschließend reiste er über Hamburg nach Kopenhagen, wo er sich 1843 mit der Akademie aussöhnte, die ihn zum Mitglied ernannte. Es folgte eine Reise nach England, Schottland, Schweden, Belgien und die Schweiz. 1845 war er wieder in Rom. Weiter Kuren folgten 1847 erneut in Gräfenberg und 1850 auf Helgoland, Interlaken und Baden-Baden, dazwischen lagen Aufenthalt in London und Paris.

Meyer fühlte sich als Kosmopolit und reagierte mit Widerwillen auf die sich 1848 in Rom unter den Künstlern zuspitzenden nationalen Gegensätze. Meyer ist auf dem jüdischen Friedhof in Rom begraben, sein Landsmann, der namhafte jüdische Emanzipationspolitiker Salomon Ludwig Steinheim widmete ihm einen Nachruf.

Leistungen

Meyer, der in Kopenhagen seine deutsche Herkunft betonte, machte 1819 auf Kunstausstellungen in Kopenhagen und Altona mit kleinformatigen Ölbildern zu Goethes Faust auf sich aufmerksam. In München illustrierte er unter dem Einfluss von Peter von Cornelius' weiterhin deutsche Klassiker. Unter dem Einfluss von Ludwig Emil Grimm entstanden in München außerdem einige Radierungen mit Porträts bayerischer Volkstypen.

In Rom wandte sich Meyer dem italienischen Volksleben zu. Zunächst malte er leicht karikierende Darstellungen aus dem Alltag der Kapuzinermönche, dann wandte er sich dem allgemeinen Volksleben zu, das er intensiv beobachtete und als manischer Zeichner in rasch und flüchtig niedergeschrieben Zeichnungen festhielt, deren Gesamtzahl auf etwa 5000 geschätzt wird. Seinen Ruhm als einer der führenden Genremaler begründete er mit zwei Pendants eines öffentlichen Briefschreibers, die Thorvaldsen erwarb und die Meyer mit leichten Abwandlungen häufig wiederholt hat. Unter seinen Studien sind auch Landschafts- und Architekturmotive hervorzuheben.

Eine krankheitsbedingte Lähmung machte ihm das Malen in Öl seit etwa 1850 unmöglich. Meyer ließ sich von einem französischen Maler in die Aquarelltechnik einführen und schuf in den letzten 15 Jahren seines Lebens kleinformatige Aquarelle, bei denen es sich zumeist um Wiederholungen seiner bekannten Genremotive handelte, die auf zwei bis drei Personen beschränkt sind.

Werke

  • Ein Straßenschreiber in Rom schreibt einen Brief für ein jungen Mädchen, 1827. 62,2 x 69,3 cm. Thorvaldsens Museum, Kopenhagen.
  • Ein Straßenschreiber in Rom liest einem jungen Mädchen einen Brief vor, 1829. 62,2 x 69,3 cm. Thorvaldsens Museum Kopenhagen.
  • Am Marktplatz und Brunnen bei Tivoli, 1830. 52 x 67 cm. Altonaer Museum Hamburg.
  • Eine Lazzaroni-Familie, 1831. Nationalgalerie Berlin.
  • Blick auf die Mamellen bei Olevano, 1836. 26 x 45,5 cm. Statens Museum Kopenhagen.
  • Ein Knabe wird von seinen Eltern zum Kloster gebracht, 1836. 49 x 57 cm. Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Schleswig.
  • Blick von Hafen in Procida auf den Vesuv, 1846. 27,5 x 39,5 cm. Museumsberg Flensburg.

Literatur

  • William Gelius: Den gamle mand og hulen. Forslag til tolkning af et genremotiv af Ernst Meyer på Thorvaldsens Museum. In: Meddeleleser fra Thorvaldsens Museum, 2001, S. 179-190.
  • Ulrich Schulte-Wülwer: Ernst Meyer - Ein Maler des italienischen Volkslebens. In: Nordelbingen – Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte Schleswig-Holsteins, Bd. 69, 2000, S. 61-104.
  • Ulrich Schulte-Wülwer: Sehnsucht nach Arkadien - Schleswig-Holsteinische Künstler in Italien, Heide 2009. ISBN 978-3-8042-1284-8.

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно решить контрольную?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Ernst Meyer — ist der Name folgender Personen: Ernst Meyer (Botaniker) (1791–1858), deutscher Botaniker Ernst Meyer (Maler) (1797–1861), deutsch dänischer Genremaler Ernst Meyer (Politiker) (1887–1930), deutscher Politiker und Parteivorsitzender (KPD) Ernst… …   Deutsch Wikipedia

  • Meyer — Verteilung des Namens Meyer in Deutschland (2005) Meyer ist ein deutscher Familienname. Herkunft und Bedeutung Meyer ist eine Form von Meier. Varianten, Bedeutung und Verbreitung siehe dort. Bekannte Namen …   Deutsch Wikipedia

  • Ernst Eitner — (* 30. August 1867 in Hamburg; † 28. August 1955 ebd.) war ein deutscher Maler des Impressionismus. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Werke (Auswahl) 3 Literatur …   Deutsch Wikipedia

  • Ernst von Bandel — Joseph Ernst von Bandel (* 17. Mai 1800 in Ansbach; † 25. September 1876 in Neudegg (Donauwörth)) war ein deutscher Architekt, Bildhauer und Maler. Inhal …   Deutsch Wikipedia

  • Meyer — Meyer,   1) Adolf, Architekt, * Mechernich 17. 6. 1881, ✝ auf Baltrum 14. 7. 1929; Mitarbeiter von P. Behrens und 1911 25 von W. Gropius (Faguswerk in Alfeld, Leine). 1919 25 lehrte er Architektur am Bauhaus in Weimar. 1926 29 war er Stadtbaurat… …   Universal-Lexikon

  • Ernst Schleith — (* 23. Mai 1871 in Wieslet, Landkreis Lörrach; † 11. Februar 1940 ebenda) war ein deutscher Kunstmaler und Zeichner. Leben und Werk Schleiths außergewöhnliches Talent wurde schon in der Dorfschule von seinem Lehrer gefördert, und auch der Pfarrer …   Deutsch Wikipedia

  • Ernst Cassirer — Foto von Cassirer Ernst Cassirer (* 28. Juli 1874 in Breslau; † …   Deutsch Wikipedia

  • Ernst Rump — Franz Nölken: Porträt Ernst Rump, 1905 Ernst Rump, vollständiger Name Ernst August Max Friedrich Rump (* 13. Oktober 1872 in Hamburg; † 12. Januar 1921 ebenda), war ein Hamburger Kaufmann, Kunstsammler und mäzen, der 1912 ein Lexikon verfas …   Deutsch Wikipedia

  • Ernst Platz — Selbstporträt 1908 Ernst Heinrich Platz (* 13. September 1867 in Karlsruhe; † 17. Januar 1940) war ein deutscher Bergmaler und Alpinist. Inhaltsverzeichnis …   Deutsch Wikipedia

  • Ernst-Ludwig Kirchner — Selbstporträt, Foto aus dem Jahr 1919 Ernst Ludwig Kirchner (* 6. Mai 1880 in Aschaffenburg; † 15. Juni 1938 in Frauenkirch Wildboden bei Davos (Schweiz)) war ein deutscher Maler und Grafiker des Expressionismus …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”