HALMA

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HALMA - Das europäische Netzwerk literarischer Zentren e.V. ist ein Verein, der europaweit derzeit 26 literarische Institutionen aus 21 Ländern miteinander vernetzt, um kulturellen Dialog und Austausch zu fördern. Neben verschiedenen internationalen Projekten wirkt das HALMA-Netzwerk vor allem in der Organisation eines Stipendienprogramms für Autoren unter den HALMA-Mitgliedshäusern.

Inhaltsverzeichnis

Organisation

HALMA e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, dessen Organe eine zweimal jährlich stattfindende Mitgliederversammlung und der Vereinsvorstand sind. Der Sitz der Geschäftsführung und des HALMA-Büros ist in Berlin. Das HALMA-Netzwerk wird unterstützt von der Europäischen Union und der Robert Bosch Stiftung.

Geschichte

Der Verein wurde 2006 vom Literarischen Colloquium Berlin, der Robert Bosch Stiftung und der Stiftung Borderland (Sejny, Polen) gegründet. Bei der Vorstellung der Initiative im Auswärtigen Amt am 11.05.2007 betitelte der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier HALMA als „vorbildliche europäische Initiative“, die auch „kulturpolitisch zukunftsweisend“ sei.[1] Der Autor Ilja Trojanow beschrieb das Potenzial des Netzwerks in seiner Geleitschrift „Das Netz von Indra“: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in einer globalisierten Welt eine Ethik der umfassenden Vernetztheit und somit weitreichenden Verantwortung entwickeln müssen. Und dass wir gerade in einem zusammenwachsenden Europa unsere Vielfalt feiern müssen, und zwar auf der Basis unserer existentiellen Gemeinsamkeit. Netze wie HALMA können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, damit wir erkennen (und nicht vergessen), dass wir nicht gleich sind, aber gleichermaßen beteiligt.“[2]

Vorstand

Der Vereinsvorstand setzt sich zusammen aus Kryštzof Czyżewski (Präsident), Péter Rácz (Stellvertreter des Präsidenten), Sally Baker (Schatzmeisterin), Sigrid Bousset (Stellvertreterin der Schatzmeisterin), Laura Seifert (Geschäftsführerin) und Mart Siilmann (Kassenprüfer).[3]

Mitglieder

Derzeit sind 26 literarische Institutionen aus 21 europäischen Ländern Mitglied im HALMA Netzwerk[4]:

  • Alte Schmiede, Wien (Österreich)
  • Borderland Haus, Sejny (Polen)
  • Das Literaturhaus Jyväskylä, Jyväskylä (Finnland)
  • Haus der Pygmalion Stiftung, Plovdiv (Bulgarien)
  • Haus des Estnischen Schriftstellerverbandes, Tallin (Estland)
  • Het beschrijf in Passa Porta, Brüssel (Belgien)
  • Hotel Situla, Novo Mesto (Slowenien)
  • Institut der Künste, Prag (Tschechien)
  • Internationale Elias Canetti Gesellschaft, Ruse (Bulgarien)
  • Internationales Autoren- und Übersetzerhaus, Ventspils (Lettland)
  • Internationales Schriftsteller- und Übersetzerzentrum, Rhodos (Griechenland)
  • Internationales Zentrum für literarische Übersetzung, Novi Sad (Serbien)
  • Kulturhafen Cetate, Cetate (Rumänien)
  • Literarisches Colloquium Berlin, Berlin (Deutschland)
  • Literaturhaus Schleswig-Holstein, Kiel (Deutschland)
  • Logvinov Verlag, Minsk (Belarus)
  • M.E.E.T, Saint-Nazaire (Frankreich)
  • Santa Maddalena, Donnini (Italien)
  • Stiftung kunst:raum sylt quelle, Rantum/Sylt (Deutschland)
  • Stiftung Schloss Leuk (Schweiz)
  • Thomas Mann Kulturzentrum, Neringa (Litauen)
  • Tyrone Guthrie Centre, Newbliss (Irland)
  • Ungarisches Übersetzerhaus, Budapest (Ungarn)
  • Villa Decius, Krakau (Polen)
  • Wohnung des Slowenischen Schriftstellerverbands, Ljubljana (Slowenien)
  • Übersetzerhaus Wales (Wales)

Aktivitäten

Neben der Organisation, Hilfe und Koordination der Zusammenarbeit und Schaffung einer vernetzten Kultur- und Literaturszene in Europa, organisiert das HALMA-Netzwerk ein Stipendienprogramm, im Rahmen dessen Autoren aus den Ländern der HALMA-Mitglieder Arbeitsaufenthalte in zwei HALMA-Häusern verbringen. Darüber hinaus initiierte HALMA 2011 erstmals zwei internationale Projekte.

Stipendienprogramm

Schriftsteller, Übersetzer und Literaturvermittler können im Rahmen eines HALMA-Stipendiums für je einen Monat bei zwei HALMA-Mitgliederhäusern leben und arbeiten. Die Stipendiaten erhalten eine Monatspauschale von 1.000 Euro zuzüglich 750 Euro für die anfallenden Reisekosten. Neben den Aufenthalten in zwei HALMA-Häusern umfasst das Stipendium öffentliche Auftritte in Form von Lesungen, Diskussionen und Workshops in den jeweiligen Ländern. So sollen den Literaturschaffenden neben der Möglichkeit zum Arbeiten an weiteren Texten die Literaturszene anderer europäischer Länder näher gebracht und Kontakte initiiert werden. Die Auswahl der Stipendiaten geschieht durch die HALMA-Mitglieder in Zusammenarbeit mit dem HALMA-Büro. Eine Eigenbewerbung ist nicht möglich. Die im Zusammenhang mit dem Stipendium entstandenen literarischen oder essayistischen Texte oder Übersetzungen werden in der Bibliothek des HALMA-Netzwerks online veröffentlicht.[5] Dies geschieht in Deutsch, Englisch und zumeist in der Originalsprache.

Das HALMA-Netzwerk hat schon mehr als fünfzig Autoren mit einem Stipendium ausgezeichnet. Zu diesen gehören:

Europäische Bibliothek

Die von HALMA gegründete und gepflegte Europäische Bibliothek umfasst über 30 Texte, die im Kontext der Initiative entstanden sind. Neben Geleitworten zur Gründung des Netzwerks finden sich hier vor allen Dingen Essays der Stipendiaten, die im Rahmen ihrer Arbeitsaufenthalte entstanden sind und auf der Homepage in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung gestellt werden.

Projekte

Mit Letters to Milosz rief HALMA im März 2011 sein erstes transnationales Projekt ins Leben. Anlässlich des 100. Geburtstags des polnischen Nobelpreisträgers Czeslaw Milosz wurden Lesungen, Diskussionen und Schulworkshops zu seinem Werk entlang der Reiseroute in „Rodzinna Europa“ veranstaltet. Im Rahmen des Projekts entstanden zahlreiche Essays von Schriftstellern aus EU-Mitgliedstaaten und Nicht-EU-Mitgliedstaaten, die sich mit den Ideen Miloszs und eigenen Visionen zur Zukunft Europas auseinandersetzen.[6] Für die Grafiken zu den Publikationen wurde ein Wettbewerb veranstaltet.[7] Letters to Milosz wird unterstützt von der europäischen Kulturstiftung European Cultural Foundation[8], der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und anderen.

Im September und Oktober 2011 wird unter dem Titel Literature in Flux das zweite, über zwei Jahre laufende, transnationale Projekt des HALMA-Netzwerks starten. Schriftsteller, Übersetzer und Journalisten werden auf einem Schiff die Donau von Ruse in Bulgarien bis Wien entlangfahren und in einen Dialog über die gemeinsame kulturelle Region treten. Ziel des Projektes ist es anhaltende Kooperationen zwischen Kulturschaffenden des westlichen Balkans und der Türkei und anderen europäischen Regionen zu schaffen.[9]

Auszeichnungen

Einzelnachweise

  1. "Rede Steinmeier zur Vorstellung des HALMA-Netzwerks". Website des HALMA Netzwerkes. Abgerufen am 15. September 2011.
  2. "Ilja Trojanow zum HALMA Netzwerk". Website des HALMA Netzwerkes. Abgerufen am 15. September 2011.
  3. "HALMA Verein". Website des HALMA Netzwerkes. Abgerufen am 8. September 2011.
  4. "HALMA Häuser". Website des HALMA Netzwerkes. Abgerufen am 8. September 2011.
  5. "Stipendien". Website des HALMA-Netzwerkes. Abgerufen am 8. September 2011.
  6. Die Essays sowie Ergebnisse aus den Schulworkshops sind einsehbar auf http://letterstomilosz.eu.
  7. Ausschreibung (PDF-Datei), abgerufen am 17. September 2011.
  8. Young people and writers in dialogue on Europe. Mitteilung auf der Website der Stiftung (engl.), abgerufen am 17. September 2011.
  9. Eine Übersicht über die teilnehmenden Autoren, Übersetzer und Journalisten ist auf http://literature-in-flux.eu veröffentlicht.
  10. Die Preisträger 2008 auf der Website des Einheitspreises, abgerufen am 17. September 2011.

Weblinks


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