La Samaritaine

La Samaritaine
Hauptgebäude «La Samaritaine», Magasin 2, 2006

La Samaritaine war von 1869 bis 2005 ein Pariser Warenhaus mit einem gehobenen Sortiment und Luxuswaren auf zuletzt 48.000 m² Verkaufsfläche und damit das größte Warenhaus von Paris. Es ist ein Ensemble aus vier Gebäuden[1] und befindet sich im 1. Arrondissement am rechten Ufer der Seine an der Brücke Pont Neuf. Seit 2001 ist es im Besitz der französischen Luxusgüter-Konzerns Moët Hennessy - Louis Vuitton (LVMH). La Samaritaine (Magasin 2) wurde 2005 geschlossen, 2013 soll das Hauptgebäude (14.000 m²) als Luxushotel wieder eröffnet werden.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Marie-Louise Jaÿ
Ernest Cognacq
Hauptgebäude von Pont Neuf gesehen, 2006

Der Gründer Ernest Cognacq (1839-1928) hatte als Straßenhändler von Krawatten auf der Brücke Pont Neuf begonnen. Seine Gattin Marie-Louise Jaÿ (1838-1925) war zuvor die erste Verkäuferin in der Kostüm-Abteilung des Bon Marché gewesen. 1869 mietete Cognacq seine erste kleine Boutique in einem Café am Eckgebäude zwischen der rue du Pont-Neuf und der rue de la Monnaie vor der einmündenden Brücke Pont Neuf. Ein Jahr später konnte er das Café aufkaufen und den Laden erweitern, dem er den Namen La Samaritaine gab. 1872 heiratete er Marie-Louise Jaÿ, die er seit 1856 kannte. Cognacq orientierte sich an den Verkaufsmethoden von Aristide Boucicaut, räumte aber den Abteilungsleitern große Vollmachten ein.

Von 1883 bis 1933 wurde La Samaritaine mehrfach erweitert, vor allem zwischen 1903 und 1907 durch den Jugendstilarchitekten Frantz Jourdain und 1933 im Stil des Art déco durch Henri Sauvage. Das Haus 2 (Magasin 2) steht heute vollständig unter Denkmalschutz, das dreieckige Haus 3 zwischen den Straßen rue de Rivoli, rue du Pont-Neuf und der rue de Boucher nur mit Fassade und Dach (gemäß der Verordnung Arrêté en France du 25 juillet 1990). Hinter dem Haus 2 (Magasin 2) grenzt ein viertes Geschäft an. In den 1960er- und 1970er-Jahren warb das Warenhaus mit dem Motto: „On trouve tout à la Samaritaine“ (etwa: Im Samaritaine findet man alles). Die Schließung des nahen zentralen Großmarkts Les Halles 1969 und dessen Verlagerung an den Pariser Stadtrand hatte eine empfindliche Einbuße an Kundschaft zur Folge.[3] Nach Verlusten in den 1990er-Jahren wurde La Samaritaine im Januar 2001 von der Luxusgüter-Firmengruppe LVMH für fast 230 Mio. Euro übernommen,[4] zuvor hatte LVMH auch den Bon Marché erworben. Trotz einer geschäftlichen Neuausrichtung nahmen die Verluste zu.

Das Dach-Café bot eine hervorragende Aussicht auf das Stadtpanorama. Eine rundumlaufende Radierung auf der runden Brüstung erläuterte den jeweiligen Ausblick (1994).

Nach einer Inspektion durch die Polizeipräfektur im Juni 2005 wurde das Warenhaus wegen Probleme bei der Brandschutzsicherheit geschlossen. Die Geschäftsführung kündigte daraufhin an, wegen der erforderlichen Renovierungsarbeiten den Betrieb für mindestens sechs Jahre einzustellen.[5] Zwei unabhängige Gutachten von den Gewerkschaften und von mehreren Architekten kamen zu dem Schluss, dass zur Ausbesserung der Sicherheitsmängel das Warenhaus nur 18 Monate lang hätte geschlossen werden müssen.[5] Darüber hinaus warfen die Gewerkschaften der Unternehmensleitung vor, schon lange von den Mängeln gewusst zu haben und das Brandrisiko noch zusätzlich verstärkt zu haben, indem ohne Genehmigung zusätzliche Lagerflächen eingerichtet wurden. Das Brandrisiko diene als Vorwand zur Schließung eines unrentablen Betriebes. Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë versicherte dagegen, das Samaritaine bleibe auf jeden Fall ein Geschäft.[4]

Im Juni 2008 präsentierte LVMH ein Nutzungskonzept, bis 2013 sollen die Gebäude zu einem Luxus-Hotel, Büros und auch einigen Sozialwohnungen umgebaut werden.

Die stellvertretende Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, bestätigte in einem Interview im Juli 2009, dass der Pariser Stadt- und Regionalrat die Umwandlung von La Samaritaine in ein Luxushotel und anderen Einrichtungen diskutiert.[6]

Im April 2010 wurde bekannt, dass sich die Konzernleitung von LVMH dazu entschlossen hat, das japanische Architekturbüro SANAA mit der inneren Umgestaltung des Gebäudeensembles zu beauftragen.[7] Das vollständig denkmalgeschützte La Samaritaine (Haus 2) soll zu einem Luxushotel umgebaut werden. Die Öffnung ist für das Jahr 2013 vorgesehen.[8]

Herkunft des Namens

Pumpwerk La Samaritaine, 1742
Pont Neuf mit Pumpturm (links), 1777, Nicolas Raguenet

La Samaritaine war der Name einer Wasserpumpe zur Wasserversorgung des Louvre und den Tuilerien an der Brücke Pont Neuf, die auf Anordnung von König Heinrich IV. nach den Plänen des Flamen Jean Lintlaër erbaut worden war. Es war die erste hydraulische Wasserpumpe in Paris. Sie wurde von Robert de Cotte zwischen 1712 und 1719 umgebaut und dann von Soufflot und Gabriel renoviert.

Das Pumpengebäude war mit einem Relief verziert, das die Heiligenlegende einer Begegnung von Jesus mit der Samariterin am Jakobsbrunnen (Johannes-Evangelium) darstellte, gestaltet von den Bildhauern Bernard und René Frémin (1672-1744). Das Gebäude krönte eine Uhr mit einer mechanischen Figur des Glockenschlägers (Jacquemart) und später ein Glockenspiel (Carillon).[9]

1813 wurde die alte Pumpe abgerissen. Nahe ihrem früheren Standort mietete Ernest Cognacq 1869 sein erstes Geschäft, das er nach der Pumpe benannte. Der Geschäftsname wurde umgangssprachlich mit «La Samar» abgekürzt.[3]

Literatur

  • Ferdinand Laudet: La Samaritaine, le génie et la générosité de deux grands commercants. Paris 1933.
  • Meredith L. Clausen: Frantz Jourdain and the Samaritaine. Art Nouveau Theory and Criticism. Brill Academic Publishers, Leiden 1987, 350 S., gebunden, Ill., ISBN 90-04-07879-7

Film

  • Kleine Fische, große Fische. (OT: Riens du tout.) Film-Satire, Frankreich, 1992, 93 Min., Buch: Cédric Klapisch, Jackie Berroyer, Regie: Cédric Klapisch, Produktion: Les Productions Lazennec, MK2 Productions, France 3, Inhaltsangabe
    Klapischs Spielfilmdebüt spielt im La Samaritaine und handelt über den Warenhausmanager Lepetit (Der Kleine), der innerhalb eines Jahres ein wirtschaftlich angeschlagenes Warenhaus retten soll. Zur Steigerung der Arbeitsmotivation setzt er die modernsten Methoden ein: Gruppenarbeit, Körperarbeit, Chorgesang, Bungee-Jumping, ein Zeltlager für Führungskräfte und die Teilnahme an einem Marathonlauf. Am Ende muß er erkennen, dass er nur als Mittel zur Wertsteigerung einer Immobilie benutzt wurde.

Weblinks

Bilder

Einzelnachweise

  1. Grands magasins de La Samaritaine, Paris 1er, Ministère de la culture et de la communication
  2. Bea Gottschlich: La Samaritaine: Japaner bekommen den Zuschlag, textilwirtschaft.de, 21. April 2010
  3. a b Stephanie Souron: Das Ende einer Ära: "La Samaritaine" dicht, dpa / n-tv, 23. Juni 2005
  4. a b wü: „Das "Samaritaine" macht sechs Jahre zu“, Die Welt, 21. Juli 2005
  5. a b wü: Streit um das Pariser Luxus-Kaufhaus La Samaritaine, Die Welt, 23. Januar 2006
  6. Anne Hidalgo : «Sarkozy sature le paysage médiatique», Le Parisien, 5. Juli 2009
  7. Andrew Roberts: LVMH Picks Pritkzer-Prize Winners for Samaritaine Hotel Project, Bloomberg, 1. April 2010
  8. ridhika db: SANAA redesigns paris department store la samaritaine, designboom.com, 26. April 2010
  9. « Samaritaine (la) » in: Aubin-Louis Millin de Grandmaison, Dictionnaire des beaux-arts, Band 3, S. 477, Desray, 1806.
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