Reformierte Kirche Wipkingen

Reformierte Kirche Wipkingen
Reformierte Kirche Wipkingen

Die Reformierte Kirche Wipkingen ist die evangelisch-reformierte Kirche im Stadtteil Wipkingen in der Stadt Zürich.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Reformierte Kirche Wipkingen wurde 1909 erbaut. Ein Legat von Salomon Rütschi, Wipkinger Bürger, Unternehmer und Wohltäter, ermöglichte den Kauf eines Geländes beim Oberen Weier in Zürich Wipkingen. Nach einem langjährigen Streit um den Bauplatz wurde die Kirche 1909 errichtet und eingeweiht. Man brach das alte Kirchlein an der Limmat ab, da es dem wachsenden Verkehr weichen musste. Im Herbst 2009 feierte die Kirchgemeinde das 100-Jahr-Jubiläum der Kirche Wipkingen.

Alte Kirche

Wibichinga lag an einem frühmittelalterlichen Handelsweg. Die alte Kirche stand am Limmatufer beim Flussübergang nach dem Zusammenfluss von Sihl und Limmat; dort wo heute die Fachschule Viventa bei der Wipkingerbrücke steht. Wibichinga war ab 881 ein Lehen des Fraumünsters. Wibichinga als zehntenpflichtiges Besitztum des Grossmünsters wird erstmals 820 erwähnt. In einer Urkunde von 1270 ist erstmals ein Kirchlein in Wibichinga erwähnt. Schutzheilige der Wipkinger Kirche waren die heilige Agnes von Rom und Johannes der Täufer.

Leutpriester aus dem Grossmünster lasen die Messe, ab etwa 1520 war Ulrich Zwingli auch Leutpriester für Wibichinga. In der Reformation 1524 wurde das Kirchlein geschlossen.

1601 erhielt Wibichinga die Erlaubnis, die Kirche zu renovieren. Neben der Kirche lag nun ein eigener Friedhof. Die Kirchgemeinde war ab 1601 eine Filiale des Grossmünsters; erster Pfarrer war Rudolf Lehmann, der das Wipkinger Tauf- und Ehebuch eröffnete.

Die alte Kirche Wipkingen wurde 1704 umfassend renoviert und vergrössert. Das Geläut aus zwei Glocken wurde 1859 durch drei neue Glocken ersetzt. Der Bau des Pfarrhauses 1864 an der heutigen Hönggerstrasse 76 ebnete den Aufstieg zu selbständigen Kirchgemeinde.

Mit dem rasanten Wachstum der Gemeinde und des Quartiers Zürich Wipkingen nach der Eingemeindung störte der Verkehrslärm den Gottesdienst. Man beschloss einen Neubau an einem ruhigen Ort. Nach der feierlichen Einweihung der neuen Kirche beim Oberen Weier im Oktober 1909 wurde das alte Kirchlein im März 1910 abgebrochen.

Neue Kirche

Dank einem Legat von Salomon Rütschi (1817–1894), Wipkinger Bürger, Unternehmer und Wohltäter, konnte die Kirchgemeinde 1895 ein Baugrundstück beim Oberen Weier in Zürich Wipkingen erstehen. Die Baupläne stammten von Architekt Jacques Kehrer. Es folgte ein mühseliger Streit um den Bauplatz. Erst im März 1908 konnten die Bauarbeiten ausgeschrieben werden. Leiter der Baukommission war Pfarrer Otto Roth.

Pfarrer Otto Roth verfasste auch die Urkunde, welche bei der Feier zur Grundsteinlegung am 30. August 1908 in einer kupfernen Büchse am Fusse des Turmes etwa zwei Meter über dem Boden eingemauert wurde.

Das Richtfest erfolgte bereits in der ersten Novemberwoche 1908. Im folgenden Sommer, am 24. August 1909, verschloss man die Akteneinlage in die Turmkugel und setzte sie dem Kirchturm auf. Der Glockenaufzug mit einem grossen Dorffest fand am Mittwoch, den 13. Oktober 1909, statt. Pfarrer Otto Roth leitete das Fest, ebenso die Einweihung und den Weihegottesdienst. Die Kirche Wipkingen wurde am Sonntag, den 31. Oktober 1909, eingeweiht.

Die Glocken

Die Glocken der alten Kirche

Die älteste bekannt Glocke im Wipkingen stammt aus vorreformatorischer Zeit. Im Jahr 1500 ertönte die Marienglocke im Ton E im Dorf. Der Gruss des Engels zierte das Marienglöcklein: «Ave.Maria.gracia.dominus.tecum.MCCCCC.»

Nach der Restauration und Neueröffnung der Kirche 1601 erklang neben dem Marienglöcklein eine neue Glocke im Ton C mit der Inschrift: «Ich mahn' die Gmeind zur Christenpflicht Und rufe, wenn Gefahr usbricht.»

Ab 1704, nach der grossen Renovation, bestand das Geläut aus drei Glocken. Die kleinste war die Marienglocke aus dem Jahr 1500. Zwei neue Glocken erklangen mit ihr zu einem Geläut in C-Dur mit den Tönen C, D und E.

Die mittlere Glocke mit Ton D trug die Inschrift: «Kommet zusammen, lobet des Herrn Namen» und «Moritz Füssli goss mich zu Zürich».

Auf der grossen Glocke, Ton C, stand: «Aus Hitz und Feuer bin ich geflossen, Moritz Füssli zu Zürich hat mich gegossen.»

1859 ersetzt ein neues Geläut jenes von 1704. Es bestand wiederum aus drei Glocken in G Dur mit den Tönen G, H und D und einem Gesamtgewicht von 2'564 Pfund. Dieses Geläut stammte von Glockengiesser Jakob Keller beim Milchbuck.

Die Glocke mit Ton G und einem Gewicht von 710 kg trug die Inschrift: «Ehre sei Gott in der Höhe» und «Kommet zusammen»

Die Mittlere mit Ton H und 354 kg: «Friede auf Erden» und «Lobet des Herrn Namen»

Und die Kleinste läutete ein D und wog 219 kg: «An den Menschen ein Wohlgefallen» und «In Ewigkeit Amen».

Die Glocken der neuen Kirche

Das heutige Glockengeläut aus dem Jahr 1909 besteht aus fünf Glocken.

I. Glocke: B, 3’509 kg: «O Land, Land, Land! Höre des Herrn Wort!»
II. Glocke: des, 2’105 kg: «Selig sind die Toten, die im Herrn sterben!»
III. Glocke: es, 1’440 kg: «Bete und arbeite!»
IV. Glocke: ges, 840 kg: «Ehre sei Gott in der Höhe!»
V. Glocke: b, 441 kg: «Friede auf Erden!»

Die Kirche Wipkingen steht unter Denkmalschutz und ist als kantonal schützenswert eingestuft.

Literatur

  • Martin Bürlimann, Kurt Gammeter: Glockengeläut - Vom Kilchli zur Kirche Wipkingen. Wibichinga Verlag, Zürich 2009, ISBN 978-3-9523149-2-0
  • Martin Bürlimann, Kurt Gammeter: Wipkingen - Vom Dorf zum Quartier. Wibichinga Verlag, Zürich 2006, ISBN 3-9523149-0-0
  • Franz Bösch: Wipkingen - Seine Kirchen im Laufe der Zeit. Römisch-Kath. Pfarramt Guthirt, Zürich 1983
  • Jakob Frei: Wipkingen - Einst und heute. Gemeinnützige Gesellschaft Wipkingen (Hrsg.), Zürich 1981
  • Conrad Escher, Rudolf Wachter: Chronik der Gemeinde Wipkingen. Institut Orell Füssli, Zürich 1917
  • Otto Roth: Die neue Kirche Wipkingen in Zürich IV. Denk-Schrift herausgegeben von der Kirchenbau-Kommission, Zürich-Wipkingen 1910.

Weblinks

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