Ruzante

Ruzante

Ruzante, eigentlich Angelo Beolco (* um 1496 in Pernumia; † 17. März 1541 in Padua) war ein italienischer Komödiendichter.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Statue Ruzantes in Padua

Angelo Beolco wurde als unehelicher Sohn Gian Francesco Beolcos und dessen Haushälterin (ihr Name ist nicht überliefert) geboren. Gian Francesco, Spross einer wohlhabenden Händler- und Großgrundbesitzerfamilie, war damals noch Medizinstudent und hatte die junge Haushälterin kurz nach ihrer Anstellung geschwängert. 1508 hat Ruzante möglicherweise den Durchmarsch der venezianischen Truppen miterlebt, die sich anschickten, Friaul und die Lombardei zu besetzen.

1517 führte Ruzante zum ersten Mal seine Komödie Pastoral auf. 1520 war in Venedig die Premiere der ersten Fassung seiner Komödie Parlamento. 1521 gab ihm sein Vater die Vollmacht für die Verwaltung seiner Güter. Im selben Jahr führte er in Asolo seine Komödie Prima Orazione zum ersten Mal auf. 1522 und 1523 führte er in Venedig zu mehreren feierlichen Anlässen Komödien auf, darunter auch auf der Hochzeit Antonio Grimanis, dem Neffen des Dogen. Im Jahr darauf führte Ruzante in Venedig möglicherweise seine beiden Komödien Lettera a una morosa (wohl im Hause Francesco Donàs, damals der Kapitän bzw. das Stadtoberhaupt von Padua) und Betía zum ersten Mal auf (oder auch schon im Jahr davor auf der Hochzeit Antonio Grimanis). 1526 erhielt Ruzante endgültig das Erbe seines im Jahr zuvor verstorbenen Vaters. Im selben Jahr trat Ruzante möglicherweise zum letzten Mal als Schauspieler auf. Ebenso wahrscheinlich ist es, dass er im selben Jahr im Krieg der Liga von Cognac (1526–1530) auf Seiten der venezianischen Truppen kämpfte.

1527 heiratete Ruzante Giustina Palatino. 1528 wurde in Altovile seine Komödie Seconda Orazione aufgeführt, 1529 in Fosson sein Dialogo facetissimo und eine neue Fassung vom Parlamento. In Letzterer werden Missstände, wie die ausbleibende Bezahlung, die schlechte Behandlung der Soldaten, die Feigheit der Heeresführer und ihre Prahlerei nach ihrer Heimkehr im Krieg des Liga von Cognac angesprochen. Im selben Jahr erwarb er als Bevöllmächtigter seines Gönners und Mäzens Alvise Cornaro Land. Von diesem Zeitpunkt an bezeugen weitere Dokumente, dass Ruzante als Bevollmächtigter Alvise Cornaros arbeitete und dessen Geschäfte regelte. Auf einem Festmahl Ippolito d'Estes in Ferrara trug er Lieder im Dialekt von Padua vor. Im Jahr darauf führte er möglicherweise unter der Regie Ariosts eine erste Fassung der Komödie La Moscheta auf, 1530 folgte möglicherweise sein Dialogo secondo. In Ferrara trat er weiterhin als Sänger und Schauspieler auf. 1532 wurde in Ferrara wie zuvor bei La Moscheta möglicherweise unter der Regie Ariosts seine Komödie La Piovana zum ersten mal gespielt. 1533 bat er den Dogen und den Senat von Venedig um die Druckerlaubnis für seine Komödien Vaccaria und Piovana, die jedoch erst sehr viel später gedruckt wurden: La Piovana 1548 und La Vaccaria 1551. 1533 fand zudem die Uraufführung der Vaccaria in Padua statt. 1536 schrieb er die Lettera all'Alvarotto (dt. Brief an Alvarotto). Von 1533 bis 1541, seinem Tod in Padua widmete sich Ruzante wohl hauptsächlich geschäftlichen Angelegenheiten. Durch seinen plötzlichen Tod konnte die Uraufführung von Speronis Tragödie Canace (1546), deren Inszenierung ihm oblag, erst viel später stattfinden.

Ruzante und der Dialekt von Padua

Dafür, dass Ruzante seine Komödien ausschließlich im Dialekt von Padua schrieb, gibt Sergio Torresani im Wesentlichen drei Gründe an:

  • In Padua entstand die Makkaronische Dichtung, in der ein stark mit Elementen der Volkssprache (volgare) vermischtes Latein verwendet wurde.
  • Das Abfassen von Texten im Dialekt von Padua wird (v.a. in Venedig) immer beliebter – zunächst als Mittel, um sich über die ländliche Bevölkerung lustig zu machen; später in Anerkennung derselbigen, da sie in dem Krieg der Liga von Cambrai (1508–1510) eine entscheidende Rolle gespielt und sich dadurch Ruhm erworben hatte.
  • Unter Studenten wird der Dialekt als Polemik gegen die Latein sprechenden Schulmeister beliebt.

Werke

  • Pastoral (~1517)
  • Parlamento (~1520)
  • Prima Orazione (1521)
  • Lettera a una amorosa (~1524)
  • Betía (~1524)
  • Seconda Orazione (1528)
  • Parlamento (zweite Fassung, 1529)
  • Dialogo secondo (~1530)
  • La Piovana (~1532)
  • Vaccaria (1533)
  • Lettera al Alvarotto (1536)

Literatur

  • Sergio Bullegas: Angelo Beolco. La lingua contestata, il teatro violato, la scena imitata. Edizioni dell'Orso, Alessandria 1993.
  • Sergio Torresani: Invito alla lettura di Ruzante. Mursia, Milano (Mailand) 1994.

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