Darre

Darre
Römische Flachsdarre der Römersiedlung Tegelberg.
Malzdarre von 1884.

Die Darre ist eine seit der Vorzeit bekannte Einrichtung zum Trocknen von Gütern.

Seit dem Neolithikum wissen die Menschen, dass Getreide für eine schadensfreie Lagerung getrocknet werden muss. Eine frühe Einrichtung, die für eine Darre gehalten wird, fand sich bei Bab edh-Dhra am Toten Meer. Da Getreide erst ab 14,5 % Feuchte sicher lagerfähig ist, je nach Witterung aber auch mit einer höheren Feuchte gedroschen wird, muss die Feuchte durch Trocknen entzogen werden. Würde die Lagerung zu feucht erfolgen, wären Pilzbefall die Folge. Getreidetrocknung ist sehr energieaufwändig. Da während der Ernte nicht immer das gesamte angenommene Getreide gleich getrocknet werden kann, werden heute in vielen Mühlen Getreidepartien vorübergehend auf +7 °C gekühlt, bis sie ebenfalls getrocknet werden können. Für die Vermahlung sind 14 % Feuchte allerdings zu niedrig. Da die trockene Schale bei der Vermahlung zu sehr splittern würde und eine Trennung zwischen Kleie und Mehl schwieriger wird, muss das Getreide vor der Vermahlung, in Abhängigkeit von der „Glasigkeit“ des Korns, wieder auf 16–17 % Feuchte „aufgenetzt“ (angefeuchtet) werden. Bei der Getreidebevorratung soll der Befall mit Pilzen und anderen Schädlingen vermieden werden. Bei dieser Konservierung kann es unter Umständen auch versehentlich zum Rösten kommen. Darren dienten auch der Trocknung von Flachs oder Malz. Dazu wurden die unterschiedlichsten Vorrichtungen gebaut.

Auf der Futt wird bei der Malzherstellung das Grünmalz getrocknet, das heißt gedörrt bzw. gedarrt. Durch den Entzug der Feuchtigkeit wird Malz lagerfähig. Die Darre besteht aus einem engmaschigen Drahtgeflecht, auf der das Grünmalz aufgeschichtet wird. Von unten durchströmt heiße Luft den „Haufen“ und entzieht ihm so die Feuchtigkeit. Dies geschieht in zwei Teilschritten: Während der ersten Phase, dem Schwelken, bleibt die Temperatur im Keimgut relativ konstant. Die Wärmeenergie wird im Wesentlichen zur Verdunstung der Feuchtigkeit aufgewandt. Dies ermöglicht eine Schonung der im Keimling vorhandenen Enzyme. In der zweiten Phase, dem Abdarren, steigt die Temperatur stark an und die Poren im Korn schließen sich. Die Höhe der Temperatur sowie die Dauer dieser zweiten Phase entscheiden über die spätere Bierfarbe. Je höher bzw. länger, umso dunkler wird das Gebräu.

Die Erhitzung der Luft erfolgt in modernen Mälzereien indirekt: Durch Öl- oder Gasbrenner direkt erwärmte Luft gibt Wärmeenergie über einen Wärmeübertrager an die das Grünmalz durchströmende Luft ab. Das Malz bleibt so frei von den Fehlaromen fossiler Brennstoffe. Durch indirekte Befeuerung wird auch die Bildung von Nitrosaminen minimiert. Vor einigen hundert Jahren wurde die Luft noch direkt durch ein Holzfeuer erhitzt und das Malz dadurch geräuchert. Das entstehende Rauchbier gibt es in Bamberg noch heute.

Ein weiteres Produkt, welches durch die Darre sein typisches Aroma erhält, ist Grünkern. Dies sind unreif geerntete und gedarrte Dinkel-Körner. Für einige Whiskysorten wird das Getreide noch heute über Torffeuern gedarrt, um einen erdigen, torfigen Geschmack zu erzielen.

Mit ähnlicher Trocknungstechnik arbeiten auch die Darren, auf denen Nordseegarnelen getrocknet werden. Die Garnelen, die für ein Schälen von Hand zu klein und daher für den menschlichen Verzehr ungeeignet sind (der so genannte Gammel), werden auf Darren getrocknet und anschließend zu Viehfutter, insbesondere für Hühner, verarbeitet.

Die Samendarre verwendete ein ähnliches Verfahren, um getrockneten, keimfähigen Samen aus Kiefern- oder Tannenzapfen zu gewinnen. So wurde von 1882 bis 1925 in Lingen, Georgstr. 55, nach sächsischem Muster eine Samendarre betrieben. In den 45 Jahren des Bestehens dieser "Königlich Hannoverschen Darre" wurden etwa 30.000 kg Kiefernsamen "geklengt". Heizmaterial für die Trocknung waren die leeren Zapfen. Diese Darre war für den Anbau der Kiefer im Emsland und für die Belieferung weiterer Förstereien im ganzen norddeutschen Raum von großer Bedeutung.

Literatur

  • J.E. Walkowitz: Quantensprünge der Archäologie. In: Varia neolithica. IV, 2006. ISBN 3-937517-43-X

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