Dylan Klebold

Dylan Klebold
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Luftbild der Schule

Das Schulmassaker von Littleton wurde am 20. April 1999 von zwei Schülern der Columbine High School in Columbine, einem gemeindefreien Ort nahe Denver und Littleton, verübt. Eric Harris (18) und Dylan Klebold (17) ermordeten dabei zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren und einen Lehrer. Außerdem verwundeten sie 24 weitere Menschen und töteten anschließend sich selbst.

Inhaltsverzeichnis

Die Täter

Eric David Harris (* 9. April 1981; † 20. April 1999) und Dylan Bennet Klebold (* 11. September 1981; † 20. April 1999) waren gute und eher unauffällige Schüler, die an der Columbine High School einer Gruppe von Außenseitern, der sogenannten Trenchcoat-Mafia, nahestanden. Deren Mitglieder trugen meist schwarze Kleidung und sahen sich wie Harris und Klebold häufig Schikanen sportlich aktiver Jungen, sogenannter Jocks, ausgesetzt. Provoziert durch die Demütigungen ihrer Mitschüler entwickelte sich bei Harris und Klebold im Laufe der Zeit ein Hass auf die gesamte Menschheit und das Bedürfnis, möglichst viele von ihnen zu töten. Bis auf einen Autoeinbruch waren die beiden Attentäter bis zu ihrer Tat allerdings nie sonderlich aufgefallen, sodass ihre Absichten, ihr Waffenarsenal, bestehend aus Schrotgewehren, 9mm-Waffen und mehreren Dutzend Bomben, und ihre Schießübungen im Wald unentdeckt blieben.

Während des Amoklaufs verwendete Harris eine abgesägte Pumpgun und eine halbautomatische Schusswaffe. Klebold war mit einer halbautomatischen Pistole, einer Tec-9, und einer doppelläufigen abgesägten Schrotflinte bewaffnet. Die Waffen hatten sie sich durch volljährige Freunde besorgen lassen, von denen Mark Manes und Philip Duran nach der Bluttat zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden.

Harris’ und Klebolds Leichen wurden von ihren Eltern aus Angst vor Grabschändungen eingeäschert. Diese äußerten sich erst Jahre nach der Tat zu den Vorfällen.

Die Opfer

Es gibt bis heute keine Anhaltspunkte dafür, dass sich Harris und Klebold ihre Opfer gezielt aussuchten, um möglicherweise alte Rechnungen zu begleichen. Gleichwohl ist jedoch bekannt, dass sich ihr Hass gegen „Schwarze, Juden, Latinos, Schwule und Weiße“ – somit also insgesamt gegen die ganze Menschheit – richtete. Es gab zwar eine Todesliste, einer der darauf Genannten wurde während der Tat aber nur leicht verletzt.

Die Todesopfer

Überlebende

  • Die Medien verfolgten später viele der Einzelschicksale, darunter das einer seit dem Massaker im Rollstuhl sitzenden Schülerin, deren Mutter das Leid ihrer Tochter nicht mehr ertragen konnte und sich das Leben nahm.
  • Crystal Woodman Miller überlebte das Massaker und verfasste ein Buch, in dem sie ihre Erlebnisse während der Ereignisse und das Leben danach beschrieb.

Der Tatverlauf

Die Vorbereitung

Schon mindestens ein Jahr vor dem 20. April 1999 begannen Harris und Klebold mit der minutiösen Planung eines Anschlags auf die Columbine High School. In Vorbereitung auf die Tat bauten sie Rohrbomben, beschafften Waffen und Munition und studierten gründlich die Abläufe und Gewohnheiten an der Schule. Der stattfindenden Schießerei am 20. April aber gingen einige Pannen voraus, die die beiden Schüler dazu zwangen, ihren ursprünglichen Plan zu ändern. Dieser sah ursprünglich die Detonation von zwei 10kg schweren Propangasbomben vor, die sie zuvor in der Cafeteria der Schule versteckt hatten, wodurch ihnen nach der Explosion die flüchtenden Mitschüler vor ihre Gewehre getrieben werden sollten.

Das FBI vermutete später, dass in einem solchen Fall in der zu diesem Zeitpunkt stark frequentierten Cafeteria mehrere Hundert Schüler ums Leben gekommen wären, wenn die Bomben nicht auf Grund eines technischen Defekts versagt hätten. Weitere Sprengsätze sollten in der näheren Umgebung der Schule detonieren, um eintreffende Polizisten zunächst vom Zentrum des Geschehens abzulenken. Alle diese Planungen waren jedoch bereits Zugeständnisse hinsichtlich der Durchführung einer für beide realistisch umsetzbaren Gewalttat, wie frühere Phantasievorstellungen von Harris anhand seines Tagebuchs zeigten.

Demzufolge sollten an der Columbine High mindestens 250 Menschen sterben, das Morden außerhalb der Schule fortgesetzt und schließlich eine Passagiermaschine entführt werden, die über New York City zum Absturz gebracht werden sollte. Auf Grund der fünf Videobänder, die die beiden vor der Tat drehten und die später von der Polizei beschlagnahmt wurden, kann man aber heute davon ausgehen, dass die beiden ihre Schule am 20. April 1999 mit dem Entschluss betraten, auch selbst dort zu sterben.

Auf dem Schulhof

Als der Plan, die Bomben zu zünden, scheiterte, verließen die beiden Jugendlichen gegen 11:18 Uhr (Ortszeit) ihre Wagen und gingen schwer bewaffnet in Richtung Schulgebäude. Die ersten Schüsse fielen um 11:19 Uhr am oberen Ende der Schultreppe vor dem Westeingang der Schule. Als erste wurde Rachel Scott (17) von einer Kugel getroffen, starb aber erst nach einem gezielten Kopfschuss. Richard Castaldo wurde neben Rachel Scott angeschossen.

Zwei weitere Schüler, die unterhalb der Treppe auf einem Hügel saßen, wurden ebenfalls durch Schüsse verletzt. Nach einem gezielten Kopfschuss starb auch Daniel Rohrbough, der mit seinen Freunden Lance Kirklin und Sean Graves gerade die Treppe, an der Harris und Klebold gestanden hatten, hinaufging und daher keine Möglichkeit hatte zu entkommen. Rohrboughs Freunde überlebten schwer verletzt. Videofilmer in über der Schule kreisenden Hubschraubern fingen das Bild des in einer Blutlache liegenden Rohrbough ein und dokumentierten damit schon frühzeitig das Ausmaß des Amoklaufs. Auf dem Schulhof wurden weitere Schüler schwer verletzt.

Die Lehrerin Patti Nielson hielt die Waffen von Harris und Klebold für Spielzeugpistolen. Als sie den beiden die Waffen abnehmen wollte, wurde sie angeschossen. Der Notruf aus der Bibliothek wurde durch die Medien weiter verbreitet. Nielsons Kollege Dave Sanders forderte in der Cafeteria derweil die Schüler energisch zur Flucht auf, ehe er Minuten später direkt vor der Bibliothek selbst angeschossen wurde. Er konnte sich zunächst schwerverletzt in einem Klassenzimmer in Sicherheit bringen, wo er von einem Schüler und Kollegen versorgt wurde. Etwa drei Stunden später starb er allerdings auf dem Weg ins Krankenhaus aufgrund seines hohen Blutverlustes.

In der Bibliothek

Nachdem Harris und Klebold in den Gängen der Schule wild und ziellos um sich geschossen hatten und eine Schülerin dabei am Knöchel getroffen wurde, gingen sie in die Bibliothek, wo es zu den meisten Todesopfern kam. Zwischen 11:29 und 11:36 Uhr nahmen die beiden Schüler nacheinander gezielt die einzelnen Tische unter Beschuss. Die etwa 50 Schüler, die sich unter den Tischen versteckten, wurden dabei von den beiden Schützen verspottet. Ob und – wenn ja – welche verbalen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Todesschützen und den Opfern stattfanden, konnte nie eindeutig geklärt werden. Fest steht, dass die beiden Täter äußerst brutal vorgingen. Cassie Bernall (17), die sich unter einem Tisch versteckte, wurde von Harris aus kurzer Distanz mit einem Kopfschuss getötet, der Rückstoß der Schrotflinte brach ihm dabei selbst die Nase. Davor soll er sie gefragt haben, ob sie an Gott glaube. Als sie daraufhin mit "Ja" antwortete, erschoss er sie. Daniel Mauser (15), dem vorletzten Todesopfer, dessen Vater in der Dokumentation Bowling for Columbine zu sehen ist, wurde ins Gesicht geschossen.

Nachdem Harris und Klebold erfolglos die in der Bibliothek anwesenden Sportler ("Jocks") aufgefordert hatten, aufzustehen und sich zu zeigen, schoss Klebold auf Kyle Velasquez (16), den einzigen, der sich nicht unter einem Tisch versteckte. Harris schoss unterdessen einige Male aus dem Fenster, um fliehende Schüler und Polizeikräfte zu treffen. Kurze Zeit darauf konfrontierte er eine Schülerin mit der Frage, ob sie heute sterben wolle, und verspottete sie, als sie ihn anflehte, sie nicht zu töten. Der Afroamerikaner Isaiah Shoels (18) wurde als einziger Schüler wegen seiner Hautfarbe getötet, nachdem er zuvor mit rassistischen Sprüchen gedemütigt worden war. Neben ihm starb auch Matthew Kechter (16), während der Bruder der bereits getöteten Rachel Scott nur deshalb überlebte, weil er sich in die Blutlachen seiner beiden Freunde warf und so die beiden Schützen täuschen konnte.

Eric Harris und Dylan Klebold schossen weiter auf ihre Mitschüler und warfen kleine Sprengsätze unter und auf die Tische der Bibliothek. Mehrmals feuerten sie unter einen Tisch nahe dem Eingang, unter dem sich vier Mädchen versteckt hatten. Zwei von ihnen wurden schwer verletzt; Lauren Townsend (18) und Kelly Fleming (16) überlebten den Kugelhagel nicht. Nur einem Mitschüler erlaubten die beiden Attentäter, die Bibliothek zu verlassen: John Savage, einem Freund Dylan Klebolds, welcher später aussagte, dass er immer versucht habe, Harris und Klebold mit Respekt zu behandeln, während Steven Curnow (14), Corey DePooter (17) und John Tomlin (17) des weiteren zu den zehn Mordopfern in der Bibliothek gehörten.

Klebold und Harris verließen die Bibliothek schließlich in Richtung Cafeteria, wo sie die dort deponierten Bomben durch Schüsse doch noch zur Detonation bringen wollten. Nachdem sie in der Cafeteria auf einem Tisch einen Molotowcocktail gezündet hatten, verließen sie diese in Richtung südlichen Teil der Schule. Dabei schossen sie auf den Gängen ziellos um sich. Durch die kleinen Fenster in den Türen der Klassenräume konnten sie sehen, dass sich noch viele Schüler in der Schule befanden. Harris und Klebold machten jedoch keine Anstalten, diese Räume zu betreten.

In der Vermutung, dass die Polizei demnächst das Schulgebäude stürmen würde, zogen sich Eric Harris und Dylan Klebold schließlich wieder in die Bibliothek zurück. Sie schossen noch vereinzelt aus dem Fenster, nahmen sich dann aber gegen 12:05 Uhr, neben dem Tisch, unter dem die Leichen von Isiah Shoels und Matthew Kechter lagen, durch Kopfschüsse selbst das Leben. Viele der – größtenteils verletzten – Schüler waren bereits zuvor durch die Notausgänge aus der Bibliothek geflohen. Dass sich neben den zehn Toten auch noch zwei schwerverletzte Schüler befanden, hatten die Amokläufer nach ihrer Rückkehr aus der Cafeteria offenbar nicht bemerkt. Einer der beiden rettete sich um 12:38 Ortszeit selbständig aus dem Fenster in die Arme von Rettungskräften. Erst durch ihn erfuhren Rettungsmannschaften vom Tod der Attentäter und retteten die beinahe verblutende Mitschülerin.

Das Ende der Schießerei

Gegen 12.45 Uhr betraten die ersten Spezialeinheiten der Special Weapons And Tactics (SWAT) die Columbine High School, die alle Klassenräume der Schüler überprüften und noch zahlreiche Schüler in Sicherheit brachten. Etwa 20 Minuten vorher war von der SWAT noch zusätzliche Munition angefordert worden. Um 13:00 Uhr wurde gemeldet, dass in der Schule mehrere Rohrbomben versteckt seien. Nachdem die Schüler und Lehrer verhört und verarztet worden waren, brachte man sie zu ihren Angehörigen, die sich in der Leawood Elementary School aufhielten. Erst um 15:30 Uhr erreichte die erste SWAT-Einheit die Bibliothek. Sie meldete den Fund von zwölf Leichen, darunter die beiden mutmaßlichen Täter, sowie einer schwer verletzten Schülerin.

Gegen 16:00 Uhr schätzte der Sheriff die Anzahl der Todesopfer auf etwa 25. Er gab außerdem bekannt, dass die Spezialeinheit die Leichen von Eric Harris und Dylan Klebold in der Bibliothek gefunden habe. Gegen 16:30 Uhr wurde die Schule als gesichert erklärt. Etwa eine Stunde später wurden jedoch zusätzliche Beamte an den Tatort gerufen, da in den Autos der Täter, am Schulparkplatz und auf dem Schuldach zahlreiche kleinere Bomben aufgefunden worden waren. Die Leichen innerhalb des Schulgebäudes wurden auf Grund der langwierigen Ermittlungen der Spurensicherung erst am darauf folgenden Tag in die Gerichtsmedizin überführt.

Die Folgen der Tat

Auch wenn durch den Amoklauf von Littleton im Hinblick auf die dort stattgefundenen Grausamkeiten eine neue Dimension der Gewalt offenkundig wurde, so waren Vorfälle dieser Art in den Vereinigten Staaten bis dato nicht unbekannt. Fälle, in denen Kinder oder Jugendliche an Schulen Mitschüler töteten, hatten sich in den Monaten zuvor bereits in Springfield (US-Staat Oregon), Pomona (Kalifornien), Jonesboro (Arkansas), West Paducah (Kentucky) und Pearl (Mississippi) ereignet.

In den Blickpunkt gerieten auch nach dem Vorfall in Columbine Computerspiele wie die so genannten Ego-Shooter und Filme wie Natural Born Killers, die nach Meinung einiger Kritiker bei Jugendlichen die Hemmschwelle zur Gewalt deutlich verringern würden. Auch die Heavy Metal/Rock-Szene geriet ins Kreuzfeuer der Kritik. Gruppen wie Marilyn Manson und Rammstein sollen mit ihren Texten die Mörder direkt beeinflusst haben.

Das vielen als zu liberal geltende US-Waffengesetz kam in den Wochen und Monaten nach dem Massaker ebenfalls auf den Prüfstand. Der Filmemacher Michael Moore nahm die Ereignisse an der Columbine High School zum Anlass, 2002 in seinem Film Bowling for Columbine den Umgang mit Waffen, Waffenhandel und Waffenindustrie in den USA und Kanada zu thematisieren. Moore kam in seinem Dokumentarfilm zu dem Ergebnis, dass es in den Vereinigten Staaten jährlich 11.000 Todesopfer durch Schusswaffen gebe und verglich die Zahl mit der von Kanada – einem nicht weniger waffenvernarrten Land, mit aber "nur" 165 Todesopfern durch Schusswaffen pro Jahr. Der US-Schauspieler Charlton Heston, zu jener Zeit Vorsitzender der National Rifle Association, verteidigte dagegen den Waffenbesitz als gesetzlich festgeschriebenes, amerikanisches Grundrecht zur persönlichen Verteidigung.

Da die These, dass Jugendliche auf Grund von Gewaltdarstellungen in Medien und Computerspielen zu solchen Ausbrüchen verleitet würden, umstritten ist und auch nicht die Frage beantwortet, warum diese Form der Gewalt ausgerechnet gegen Mitschüler Anwendung findet, konzentrierte sich die Öffentlichkeit bald auf das soziale Umfeld von Harris und Klebold. Bekannt wurde, dass die beiden Attentäter auf Grund ihres öffentlichen Auftretens in ihrem sozialen Umfeld auf Ablehnung stießen und von Mitschülern gemobbt wurden. So sollen sie beispielsweise permanent den Angriffen von erfolgreichen Sportlern der Columbine High ausgesetzt und auch in den Gruppenzusammenhang der Trenchcoat-Mafia nicht wirklich integriert gewesen sein. Auf den hinterlassenen Videobändern bekräftigen die beiden Jugendlichen, dass sie keine Freude am Leben hätten und zur Durchführung ihrer Tat entschlossen seien.

Siehe hierzu auch: Gewalt in Computerspielen und das Computer-Rollenspiel Super Columbine Massacre RPG!

Die Suche nach Schuldigen

Mit der Ursachenforschung ging auch die Suche nach Mitverantwortlichen einher. Nicht zuletzt wegen konkreter Anschuldigungen von Eltern der Columbine-Opfer gerieten die Eltern der beiden Attentäter in die Kritik, sich nicht ausreichend um ihre Kinder gekümmert und Warnsignale übersehen zu haben. Michael und Vonna Shoels, die nach dem Tod ihres Sohnes Littleton verließen, verklagten die Eltern von Eric Harris und Dylan Klebold auf ein Schmerzensgeld in Höhe von 250 Mio US-Dollar.

Auch die Columbine High School und das Polizeipräsidium von Jefferson County (Landkreis Jefferson) wurden von betroffenen Eltern verklagt. Der Polizei wurde vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen die beiden Attentäter vorgegangen zu sein, nachdem die ersten Einsatzkräfte an der Schule eingetroffen waren. Gemäß der Vorschriften verschanzten sich diese hinter ihren Wagen und warteten auf Verstärkung aus der Polizeizentrale. Die Eltern der ermordeten Schüler gehen davon aus, dass durch ein zügigeres Einschreiten die Gewalttaten in der Bibliothek hätten verhindert werden können. Inzwischen wurden die in solchen Fällen angewandten Verfahrensrichtlinien vom Polizeipräsidium von Jefferson County geändert.

Konsequenzen

Die Suche nach Antworten auf das „Warum?“ endete ohne zufriedenstellende Ergebnisse. Auch Untersuchungen der CIA und des Bildungsministeriums brachten keine neuen Erkenntnisse darüber, warum einige Schüler unerwartet derartige Gewalttaten verüben. Nach dem CHS-Gewaltverbrechen konzentrierte man sich daher vorwiegend auf Präventivmaßnahmen wie das Installieren von Sicherheitskameras und Metalldetektoren sowie die verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften an US-Schulen.

Auch für die Musik- und Filmindustrie hatte das Verbrechen von Littleton Auswirkungen. Der Titel des US-Spielfilms Killing Mrs. Tingle ("Tötet Frau Tingle"), der kurz nach dem Schulmassaker veröffentlicht wurde, erhielt kurzfristig den alternativen Titel Teaching Mrs. Tingle (sinngemäß "Erzieht Frau Tingle"). Mit der Waffenpolitik und dem Problem der zunehmenden Gewalt an Schulen setzten sich inhaltlich insbesondere Michael Moores Dokumentation Bowling for Columbine wie auch der Spielfilm Elephant von Gus Van Sant auseinander.

Der stark für seine Liedtexte kritisierte Marilyn Manson sah sich gezwungen, mehrere Konzerte abzusagen und thematisierte das Massaker ein Jahr später mit seinem fünften Album Holy Wood – In The Shadow Of The Valley Of Death, indem er vor allem die Problematik der amerikanischen Politik und der Waffenlobby ansprach. Auf die Geschehnisse des 20. April ging die Musikgruppe Nightwish auf ihrem Album Wishmaster unmittelbar ein. Mit dem Song The Kinslayer beschrieb sie mögliche Empfindungen der beiden Attentäter. Auf den angeblichen Märtyrertod von Rachel Scott und Cassie Bernall sowie auf Glaubensfragen ging dagegen die texanische Band Flyleaf ein, die mit dem Song Cassie die letzten Minuten der beiden Schülerinnen zu beschreiben versuchte.

We are Columbine

Nach dem Schulmassaker zogen die Schüler der Columbine High School für die verbleibende Zeit des Schuljahres in die nahegelegene Chatfield High School um. In den folgenden Wochen entstanden Diskussionsrunden zwischen mittelbar und unmittelbar Betroffenen, in denen gemeinsam das Erlebte verarbeitet werden sollte. Viele erklärten sich mit den Hinterbliebenen der Opfer solidarisch und so entstand die Initiative We are Columbine („Wir sind Columbine“). Jedoch nicht jeder hatte in den folgenden Monaten dafür Verständnis, dass auch vollkommen Unbeteiligte diesen Slogan auf T-Shirts, auf Stickern oder als Aufkleber an Autos benutzten.

Unterdessen wurden an der Columbine High School die Holzbretter von den Fenstern der Schulbibliothek wieder abgenommen, die über Wochen sehr eindringlich an die Schüsse erinnert hatten. In der Schule wurden Einschusslöcher verputzt und Wände neu gestrichen. Der Signalton des Feueralarms, der am 20. April stundenlang geschellt hatte, wurde ebenfalls geändert, um den Schülern ein fortwährendes Wiedererleben der Ereignisse zu ersparen. Die ursprüngliche Bibliothek wurde vollständig entfernt; die darunter liegende neu eingerichtete Cafeteria erstreckt sich nun über zwei Stockwerke.

Am 16. August 1999 kehrten die Schüler der Columbine High an ihre Schule zurück. Der Wiedereröffnung ging eine Veranstaltung unter dem Motto Null Toleranz für Intoleranz voraus, an der etwa 2.000 Menschen teilnahmen. Unter den Anwesenden waren nicht nur Ärzte für die psychologische Betreuung, sondern auch Ersatzlehrer, für den Fall dass einzelne reguläre Lehrer der Schule den Unterricht nicht durchstehen würden.

Die Eltern der Attentäter

Tom und Sue Klebold, die Eltern von Dylan, äußerten sich erst fünf Jahre nach dem Attentat in der Öffentlichkeit und lösten dadurch bei betroffenen Eltern Empörung aus. Die Mutter wehrte sich gegen den Vorwurf, die Tat sei mit der Erziehung ihres Sohnes in Verbindung zu bringen. Don Fleming, Vater der ermordeten Kelly, äußerte dementgegen den Verdacht, dass weder die Harris' noch die Klebolds am Leben ihrer Söhne interessiert gewesen wären und deren polizeiliche Verwicklungen ignoriert hätten. Klebolds Eltern bedauerten zwar, eventuelle Warnsignale nicht erkannt zu haben, widersprachen aber der Anschuldigung, etwas falsch gemacht zu haben. Al und Phyllis Velasquez, die Eltern des getöteten Kyle, kritisierten diese Art der Ablehnung von Schuld und bezeichneten die gemachten Aussagen als hilflos. Die Flemings und Velasquez’ waren zwei von fünf Familien, die vor Gericht gingen, um die Eltern der Attentäter zur Rechenschaft zu ziehen.

Allerdings teilen nicht alle Angehörigen der Opfer diese Meinung. Beth Nimmo, die Mutter der getöteten Rachel Scott, machte in einem Interview deutlich, dass sie ausschließlich Eric und Dylan für die Tat verantwortlich mache. Sie beide seien diejenigen gewesen, die sich die Gewalttat ausgedacht und letztendlich auch allein ausgeführt hätten. Ferner könne sie sich nicht vorstellen, dass es auffällige Verhaltensweisen gegeben hätte, die die Eltern bemerken und auf diese Weise etwas hätten verhindern können.

Columbine-Legenden

Mythos Märtyrertod

Der Märtyrertod von Rachel Scott ist umstritten und lässt sich mangels Zeugen nicht mehr klären; der von Cassie Bernall ist dagegen widerlegt. Angeblich fragte Harris bei den Schüssen in der Bibliothek in den Raum, ob jemand an Gott glaube. Bernall habe das laut bejaht und gesagt, dass Gott auch Harris liebe, worauf ihr dieser mit den Worten „Es gibt keinen Gott“ in den Kopf geschossen haben soll. Andere Mitschüler wussten zu berichten, dass Harris ihr die Waffe an die Schläfe hielt und gezielt die Glaubensfrage an sie richtete. Als sie diese bejahte, habe Harris abgedrückt.

Patricia Nielson, die Lehrerin, die die Polizei verständigte, hatte kurz vor dem Eintreffen der beiden Amokläufer den Hörer nur fallen lassen und somit die Verbindung zur Polizei-Zentrale weiter aufrecht erhalten. Die Tonbandmitschnitte bestätigten einen solchen Dialog zwischen Harris und Bernall allerdings nicht. Vielmehr stellte sich heraus, dass eines der überlebenden Opfer, Valeen Schnurr, laut „Oh mein Gott, oh mein Gott“ gerufen hatte, als sie durch Schüsse verletzt wurde und neben ihr die beiden Mitschülerinnen Lauren Townsend (18) und Kelly Fleming (16) tödlich verletzt zusammensackten. Beim Nachladen des Gewehrs schaute einer der beiden Schützen sie ungläubig an und fragte, ob sie etwa an Gott glaube, was sie zögernd bejahte. Ob und wie die beiden Todesschützen darauf reagierten, ist nicht bekannt. Die Schülerin aber wurde nicht mehr angegriffen.

Dass es zwischen Bernall und Harris zu keinem verbalen Austausch kam, wurde auch von ihrer Mitschülerin Emily Wyant bezeugt, die sich zum Zeitpunkt der Tat unter einem benachbarten Tisch versteckte und als einzige Blickkontakt mit Cassie Bernall gehabt hatte. Laut ihrer Aussage hätten sie sich beide angeschaut, und kurz darauf habe Emily Cassies letzte Worte wahrgenommen: „Lieber Gott. Lieber Gott. Warum passiert das? Ich will nur nach Hause.“ Daraufhin habe Eric Harris sich vor ihrem Tisch hingekniet, „Peek-a-boo!“ gerufen und sie ohne weitere Worte erschossen. Craig Scott, Bruder der getöteten Rachel, blieb dagegen bei seiner Aussage, dass er klar und deutlich die Stimme von Cassie Bernall gehört habe. Er wurde daher von der Polizei gebeten, auf den Tisch zu zeigen, von wo aus er glaubte, jenes Gespräch gehört zu haben. Dabei zeigte er auf den Tisch, unter dem Valeen Schnurr gehockt hatte. Cassie Bernall starb jedoch unter einem Tisch in genau entgegengesetzter Richtung hinter ihm.

Unbeeindruckt von den Aussagen von Emily Wyant veröffentlichte die Mutter von Cassie, Misty Bernall, später ein Buch über den angeblichen Märtyrertod ihrer Tochter, der es auf die Bestseller-Liste schaffte: She Said Yes (Sie sagte Ja). Auch Beth Nimmo und Darrell Scott, die Eltern von Rachel Scott, glaubten fest an den Märtyrertod ihrer Tochter und eröffneten eine kommerzielle Website, auf der sie Bücher wie Rachel’s Tears („Rachels Tränen“) verkaufen.

Mord oder Unfall

Lange Zeit hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass Daniel Rohrbough nicht von einem der beiden Amokläufer getötet, sondern versehentlich von einem Polizeibeamten getroffen worden war. Im Mai 2000 veröffentlichte die Verwaltung von Jefferson in ihrem offiziellen Untersuchungsbericht, dass Rohrbough zuerst von Eric Harris getroffen, dann aber von Dylan Klebold aus kürzester Distanz gezielt getötet wurde. Die Eltern bezweifelten diesen Bericht, der in ihren Augen widersprüchlich war. Die einzige der drei wiedergefundenen Kugeln, die ihren Sohn trafen, stamme aus einer Waffe, die Eric Harris benutzt habe. Ferner wurde bekannt, dass auf der Kleidung von Rohrbough keine Schießpulverpartikel gefunden worden waren. Der erste Polizist vor Ort, Dan O'Shea, wurde von den Rohrboughs verdächtigt, im allgemeinen Durcheinander versehentlich auf ihren Sohn geschossen zu haben.

Vor Gericht behauptete die Familie im April 2000, dass ein Polizeibeamter und nicht Harris oder Klebold die Kugel abgefeuert hätte, die ihren Sohn tötete. Als danach der Name Dan O'Shea ins Gespräch gebracht wurde, ordnete die Verwaltung von Jefferson eine unabhängige Untersuchung an, die der benachbarte Verwaltungsbezirk El Paso County leitete. Dieser wies die Ergebnisse des Berichts von Jefferson County im April 2002 zurück und benannte Eric Harris als den Mörder von Daniel Rohrbough. Die Bezirksverwaltung von Jefferson war dadurch bloßgestellt, deren Polizeibeamter aber entlastet. Die Familie bat den Polizisten danach um ein Treffen, um sich bei ihm für die falschen Anschuldigungen zu entschuldigen, was dieser ablehnte.

Gedenkstätten

Columbine Memorial

Nach dem Massaker entstand nahe der Schule ein Denkmal mit 15 großen Kreuzen, die mahnend an das Verbrechen an der Columbine High School erinnern sollten. Von empörten Eltern wurden zwei der 15 Kreuze niedergerissen, da diese für Harris und Klebold aufgestellt worden waren.

Der Spatenstich für ein dauerhaftes Denkmal zum 5. Jahrestag des Amoklaufs musste abgesagt werden, weil zu dem Zeitpunkt nur 600.000 Dollar statt der erforderlichen 2,5 Mio US-Dollar zur Verfügung standen. Erst am 16. Juni 2006 wurde in einer feierlichen Zeremonie unter der Führung des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton im Clement Park der Grundstein für das Columbine Memorial gelegt. Es wurde am 21. September 2007 eröffnet.

Literatur

  • Brooks Brown: No Easy Answers: The Truth Behind Death at Columbine. ISBN 1-59056-031-0 (Brooks Brown soll ein Freund der Attentäter gewesen sein. Engl.)
  • Misty Bernall: Cassie. Sie sagte Ja und musste uns viel zu früh verlassen. 17 Jahre mit meiner Tochter. Brunnen Verlag, Gießen 2000. ISBN 3-7655-1645-7 (Deutschsprachige Ausgabe der amerikanischen Originalausgabe von Christian Rendel: Misty Bernall: She Said Yes. The unlikely martyrdom of Cassie Bernall. The Plough Publishing House, 1999)
  • Joachim Gaertner: Ich bin voller Hass - und das liebe ich. Dokumentarischer Roman. Eichborn, Berlin, 2009. 192 Seiten. ISBN 9783821858487
  • Wally Lamb: Die Stunde, in der ich zu glauben begann, Pendo, München, 2009. ISBN 978-3866122062 (Amerikanische Originalausgabe: The Hour I First Believed, Harper Collins, New York, Gebundene Ausgabe 2008. Taschenbuch: Harpercollins, New York, April 2009, ISBN 978-0007290802)
  • Marjorie Lindholm: A Columbine Survivor's Story ISBN 0-9773085-0-2 (eine Überlebende des Schulmassakers, engl.)
  • Elsa Pollmann: Tatort Schule. Wenn Jugendliche Amok laufen, Marburg, Tectum, 2008. ISBN 978-3-8288-9801-1
  • Frank Robertz, Ruben Wickenhäuser: Der Riss in der Tafel. Amoklauf und schwere Gewalt in der Schule Springer, Heidelberg, 2007, ISBN 978-3-540-71630-3
  • Morton Rhue: Ich knall euch ab! Roman, Ravensburger, Ravensburg, 2002. ISBN 3473581720
  • Crystal Woodman Miller: Ich dachte mein Leben ist vorbei. Wie der Amoklauf von Littleton eine junge Frau veränderte. Gerth Medien, 2008. 187 Seiten. ISBN 978-3-86591-297-8

Weblinks

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