Elektrochonder

Elektrochonder
Klassifikation nach ICD-10
Z58.4 Probleme mit Bezug auf die physikalische Umwelt

Exposition gegenüber Strahlung

ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Als Elektrosensible werden Menschen bezeichnet, die körperliche oder geistige Beschwerden angeben oder haben aufgrund von elektrischen, magnetischen oder elektromagnetischen Feldern (EMF). Diese EMF werden unter anderem durch Mobilfunk, Rundfunksender, DECT-Telefone, WLAN, Mikrowellenherde oder Bluetooth verursacht. Von den Betroffenen wird gepulsten Wellen ein höheres Schadpotenzial zugeschrieben als ungepulsten Wellen.

Unterschieden werden laut Leitgeb und Schrottner [1] die elektromagnetische Sensibilität, also die Fähigkeit eines Lebewesens EMF körperlich wahrzunehmen, und die elektromagnetische Hypersensitivität.

Inhaltsverzeichnis

Studienlage zur Elektrosensibilität

Aus Studien über die Elektrosensibilität beim Menschen resultieren verschiedene und oft widersprüchliche Ergebnisse. Bei älteren Studien bis zum Jahre 2003, die sich mit der Frage nach der Erkennung hochfrequenter Felder durch Elektrosensible beschäftigten, fand sich keine Bestätigung für die Hypothese, dass Elektrosensible angeben konnten, ob ein entsprechendes Feld anwesend war.[2] [3] [4] [5] [6] [7] Nur etwa 25 % der Personen, die sich als elektrosensibel einschätzten, wiesen diese Eigenschaft tatsächlich auf.

Bei weiteren wissenschaftlichen Studien zur Frage nach möglichen subjektiven Symptomen bei Anwesenheit von hochfrequenten Feldern fand sich bei Elektrosensiblen nur in wenigen Studien ein Zusammenhang.[8]. Dabei war jedoch auch festzustellen, dass entsprechende Symptome paradoxerweise bei Abwesenheit von elektromagnetischen Feldern auftraten und nicht bei deren Anwesenheit.

Eine durch nicht unabhängige Fachkollegen begutachtete Peer-Review-Studie aus den Niederlanden, der TNO-FEL-Report, untersuchte im Jahre 2003 eine mögliche unterschiedliche Auswirkung auf sich selbst als elektrosensibel bezeichnende Personen bei zwei unterschiedlichen elektromagnetischen Feldern zweier Mobilfunksysteme.[9] [10] Hier zeigte sich ein schwach signifikantes Ergebnis bei UMTS-Feldern, jedoch nicht bei GSM-Feldern. [11]

Ein Teil der TNO-Studie zur Elektrosensibilität wurde 2005 von einer Forschergruppe an ETH Zürich in einer doppelt verblindeten Cross-over-Studie wiederholt und veröffentlicht. Die Ergebnisse widerlegen dabei die Ergebnisse der TNO-Studie.[12]

Eine zweiarmige Untersuchung von Gerlinde Kaul von der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zeigte, dass 48 Personen, die sich selbst als elektrosensibel bezeichneten, unter wissenschaftlichen Bedingungen nicht auf hochfrequente Felder und magnetische Wechselfelder reagierten und nicht angeben konnten, wann diese Felder anwesend waren. Die Kontrollgruppe bestand aus 96 Personen.[13] Diese Studie wurde noch nicht veröffentlicht (Stand 7/2007). Eine Teilnehmerin der Untersuchung gab an, die Expositionen seien zu stark gewesen, als dass sie hätte bestimmen können, ob die Exposition an oder aus war.[14].

Die stochastischen athermischen Effekte sind von thermischen Wirkungen von EMF zu unterscheiden. Deren Schädigungspotenzial auf alle Lebewesen ab einem bestimmten Schwellenwert ist seit Jahrzehnten zweifelsfrei belegt.[15] Umstritten und nicht eindeutig belegt sind hingegen die oben angesprochenen athermischen Wirkungen, die Elektrosensible als Ursache für ihre Beschwerden verantwortlich machen.

Eine Studie aus den USA von 1991 hatte nach mehreren Durchgängen bei den letzten beiden Durchläufen, die in der Frequenz daran angepasst waren, auf was die letzten 16 Probanden zuvor am heftigsten reagiert hatten, eine Trefferquote von 100%.[16][17]

Symptomatik

Die Symptome können von Unwohlsein, Kopfschmerzen, über schwere Schlafstörungen bis hin zu kognitiven Ausfallerscheinungen reichen. In der Literatur werden u. a. ebenfalls Bluthochdruck oder Blutdruckschwankungen, Schwindel, Tinnitus, Wortfindungsschwierigkeiten, Konzentrationsstörungen, Sehstörungen, Hautkrankheit und Schädigungen auf Zellebene beschrieben. Es bestehen bei der Symptomatik Parallelen zu dem Multiple Chemikalienunverträglichkeit genannten Beschwerdekreis.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Leitgeb Schrottner: Investigation of electric current perception thresholds of different EHS groups 2006
  2. Lonne-Rahm et al. 2000, Provocation with stress and electricity of patients with "sensitivity to electricity",J Occup Environ Med. Mai 2000;42(5):512-6
  3. Braune S, Influence of a radiofrequency electromagnetic field on cardiovascular and hormonal parameters of the autonomic nervous system in healthy individuals,Radiat Res. 2002 Sep;158(3):352-6
  4. Barth A, Pseudostenocardia due to exposure to "electrosmog, in: Dtsch Med Wochenschr. 2000 Jul 7;125(27):830-2
  5. Flodin U, Provocation of electric hypersensitivity under everyday conditions,Scand J Work Environ Health. 2000 Apr;26(2):93
  6. Andersson B,A cognitive-behavioral treatment of patients suffering from "electric hypersensitivity". Subjective effects and reactions in a double-blind provocation study, J Occup Environ Med. 1996 Aug;38(8):752-8
  7. http://www.aehf.com/articles/em_sensitive.html
  8. Hietanen 2002, Barth 2000
  9. TNO-FEL report: FEL -03-C148, 2003. Effects of Global Communication system radio-frequency fields on Well Being and Cognitive Functions of human subjects with and without subjective complaints
  10. http://www.milieuziektes.nl/Rapporten/TNO-FEL%20REPORT_03148%20(Definitief).pdf
  11. http://www.milieuziektes.nl/Rapporten/TNOkritiek.pdf
  12. S. Regel, S. Negovetic et al, UMTS base station-like exposure, well-being, and cognitive performance, in Environ Health Perspect. 2006 Aug;114(8):1270-5 [1]
  13. http://www.baua.de/nn_49914/de/Themen-von-A-Z/Elektromagnetische-Felder/pdf/Vortrag-05.pdf
  14. http://www.elektrosmognews.de/news/20061211_offenerBriefBAuADrKaul.pdf
  15. ICNIRP: Guidelines for Limiting Exposure to Time-Varying Electric, Magnetic, and Electromagnetic Fields (up to 300GHz), Health Physics 74 (4): p494-522, 1998
  16. Rea 1991
  17. William J. Rea, MD, FACS, Source: This article was first published in 1991 in the Journal of Bioelectricity, 10(1&2), 241-256. Figure 1is not included here, but can be obtained by writing Dr. W. J. Rea at the Environmental Health Center, Dallas, 8345 Walnut Hill Lane, Suite 205, Dallas, TX 75231.

Weblinks

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