Gaudenz von Matsch

Gaudenz von Matsch

Gaudenz von Matsch (Gaudenz von Mätsch) (* um 1436; † 1504), Graf zu Kirchberg,[1] war ein Adeliger aus dem Geschlecht der Matscher.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gaudenz' Geburtsjahr ist nicht belegt. „Bedenkt man jedoch, dass Ulrich IX. und seine Gemahlin Agnes sich 1435 vermählten, Gaudenz aber 1454 schon an einem Turnier teilnahm, so lässt sich dasselbe zumindest annähernd feststellen“.[2] Man vermutet 1436 als wahrscheinliches Geburtsjahr.[3]

In Beschreibungen findet man Gaudenz „eher als leutseligen, ritterlichen und tapferen Junker, denn als distanzierten und glatten Höfling“.[4] Durch seine Erziehung am Hof Sigmunds von Österreich war er auch schon in jungen Jahren viel gereist, lernte den Umgang mit großer Gesellschaft und nahm an ritterlichen Kampfspielen teil.[5]

Die Herrschaftsaufteilung in Graubünden

Gaudenz' Heimat und Stammburg waren das obere Vinschgau und die Churburg, die sich seit 1297 im Besitz der Matscher befand.[6] Seine politische Tätigkeit begann er in der Verwaltung des Familienbesitzes im Prättigau auf der Burg Castels. Finanzielle Engpässe und das Kalkül sich bei Erzherzog Sigmund gewogen zu machen, veranlassten Gaudenz Teile seines Besitzes an diesen abzutreten und nur noch die Pflegschaft über diese auszuüben. Sigmund machte ihn am 30. Juni 1478 zum Hauptmann an der Etsch und Burggrafen auf Tirol. Bis 1482 bewegte er sich im Dienste Sigmunds an dessen Hof und auf Botschaftsreisen. Am 22. Juni 1482 musste er von der Hauptmannschaft an der Etsch wegen Kompetenzüberschreitungen zurücktreten.[7]

Er begab sich in den Dienst des Herzogs von Mailand. Kontakt zu diesem bestand bereits seit 1479, als er sich mit Hippolyta, der Tochter des Mailänder Kanzlers Cecco Simonetta, vermählt hatte. Aber bereits ab 1485 war er wieder am Hof Sigmunds aktiv, wurde im Jahr darauf zum erzherzöglichen Oberhofmeister ernannt und bekam am 5. März 1487 die Vogtei Feldkirch überschrieben. Im Kriegszug 1487 gegen Venedig war er oberster Feldhauptmann und er wurde von König Maximilian für den Fall, dass Sigmund kinderlos sterben sollte, als Gubernator und Landeshauptmann aller Lande Sigmunds vorausbestimmt.[8]

Ab dem 15. August 1487 erfolgte sein Sturz im Zusammenhang mit der Äffäre der sogenannten "Bösen Räte", die von Kaiser Friedrich III. und König Maximilian für den hochverräterischen Ausverkauf habsburgischen Besitzes an die Herzöge von Bayern verantwortlich gemacht wurden.[9]

Gaudenz zog sich auf seine verbliebenen Besitzungen in Graubünden zurück. Wie auch die anderen verbannten Räte suchte er die Unterstützung der Eidgenossenschaft zur Aufhebung des Bannes und der Rückgewinnung ihrer Besitzungen. Diese Auseinandersetzungen, im konkreten Fall des Gaudenz von Matsch die Situation im Vinschgau und Prättigau, führten letztendlich zum Schwabenkrieg.

Gaudenz starb 1504 als Letzter seines Geschlechts. Die Familie Trapp übernahm, zunächst nicht ganz unumstritten, die Erbschaft der Matscher.[10]

Besonderheiten

Der mit 1576 datierte Pilgerbericht des Friderich Steigerwallder über Gaudenz' abenteuerliche Pilgerreise nach Jerusalem im Jahr 1470 befindet sich im Archiv der Churburg im Vinschgau.

Literatur

  • Friedrich Hegi: Die geächteten Räte des Erzherzogs Sigmund von Österreich und ihre Beziehungen zur Schweiz 1487–1499. Innsbruck 1910

Weblinks

Fußnoten

  1. Zuname seit 1366, Hegi: Die geächteten Räte, S. 10 mit Bezug auf weitere Quellen
  2. Josef Hofer: Gaudenz von Matsch und die Gerichte im Prättigau. Vorgegebenheiten, Rechtsverhältnisse und Urkundliche Überlieferungen über die Ausübung der Herrschaft durch Gaudenz von Matsch, phil. Diss. Innsbruck 1974, 14.
  3. Werner Kreuer: Tagebuch der Heilig Land-Reise des Grafen Gaudenz von Kirchberg, Vogt von Matsch/Südtirol im Jahre 1470. Bearbeitung und Kommentar des von seinem Diener Friderich Steigerwallder verfassten Reiseberichts. Essener Geographische Arbeiten 20. Paderborn 1990, 19.
  4. Josef Hofer: Gaudenz von Matsch und die Gerichte im Prättigau. Vorgegebenheiten, Rechtsverhältnisse und Urkundliche Überlieferungen über die Ausübung der Herrschaft durch Gaudenz von Matsch, phil. Diss. Innsbruck 1974, 17.
  5. Josef Hofer: Gaudenz von Matsch und die Gerichte im Prättigau. Vorgegebenheiten, Rechtsverhältnisse und Urkundliche Überlieferungen über die Ausübung der Herrschaft durch Gaudenz von Matsch, phil. Diss. Innsbruck 1974, 16-17.
  6. Werner Kreuer: Tagebuch der Heilig Land-Reise des Grafen Gaudenz von Kirchberg, Vogt von Matsch/Südtirol im Jahre 1470. Bearbeitung und Kommentar des von seinem Diener Friderich Steigerwallder verfaßten Reiseberichts. Essener Geographische Arbeiten 20. Paderborn 1990, 16.
  7. sogenannter "Claus Ringen Handel", Hegi: Geächtete Räte, S. 12
  8. Hegi: Geächtete Räte, S. 12f.
  9. zur Zeit noch behandelt im Artikel Werdenbergfehde. Ein eigener Artikel ist in Arbeit
  10. Josef Rampold: Vinschgau. Landschaft, Geschichte und Gegenwart am Oberlauf der Etsch. Südtiroler Landeskunde in Einzelbänden 1. Bozen 1997, 282.

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