Gokirchen

Gokirchen
Gaukirche von Norden
Barockfassade von Franz Christoph Nagel
Gaukirche mit Markt von Westen

Die Gaukirche, auch Gokirche, Gokerken oder lat. ecclesia rurens, Pfarrkirche St. Ulrich, ist eine um 1170/80 erbaute römisch-katholische Kirche in Paderborn in Nordrhein-Westfalen. Die Kirche befindet sich am Markt- beziehungsweise Domplatz der Bischofsstadt gegenüber dem Hohen Dom zu Paderborn.

Inhaltsverzeichnis

Gebäude

Im Wesentlichen stellt die Gaukirche ein romanisches Kirchengebäude dar, mit wichtigen Elementen aus der Barockzeit. So betritt man von der Marktseite aus (Westen) die Kirche durch ein barockes Tor des fürstbischöflichen Baumeisters Franz Christoph Nagel, eine der „besten Barockfassaden Westfalens“[1]. Die Kirche selbst ist eine dreischiffige gewölbte Pfeilerbasilika. Der Turm in Form eines Oktogons befindet sich auf dem Mittelschiffsjoch im Westen. Auf der östlichen Südseite, auf der Ostseite und am West- und Nordeingang ist die Kirche freistehend, ansonsten von direkt angrenzenden Gebäuden verdeckt. Auf der Südseite der Kirche befindet sich noch heute ein Teil des Gaukirchklosters, das ebenfalls von Nagel umgestaltet wurde. Abgesehen vom Barockeingang wirkt die Kirche von außen durch ihren Bruchkalkstein schlicht.

Geschichte

Die Ursprünge der Kirche sind unklar. Eine urkundliche Datierung ist nicht möglich. Die Bestimmung der Entstehungszeit Ende 12. Jahrhundert ist nur auf Grund von baustilistischen Vergleichen möglich.

Die Kirche lag in der südlichen Domfreiheit Paderborns und diente in ihrem Vorgängerbau seit dem 10. Jahrhundert als Kirche des „Volkes des Padergaus“, im Unterschied zur Bischofskirche, dem Dom. 1229 gründete Hermann von Waldeck auf dem Grundstück der Verwaltungszentrale des Fürstbistums, dem Sternberger Hof unmittelbar neben der Gaukirche, ein Zisterzienserkloster, dessen erste Nonnen aus Münster kamen. Die Kirche wurde 1231 zur Klosterkirche, ein Jahr später von Bischof Bernhard IV. bestätigt. Im 14. Jahrhundert wurden zwei Kapellen hinzugefügt. Um 1500/15 wurde das Haus zu einem Benediktinerinnen-Kloster.

In der Barockzeit wurde unter Fürstbischof Clemens August eine umfassende Umgestaltung angeordnet. Sein Architekt Franz Christoph Nagel (1699–1764) führte die Umgestaltung aus. 1787 wurde das spitz zulaufende Turmdach verkürzt auf ein Haubendach.

Mit der Annektierung des Fürstbistums Paderborn 1802/03 durch Preußen waren die Tage des Klosters gezählt. Aber erst 1810, während der Herrschaft des napoléonischen Königreiches Westphalen, wurde das Kloster säkularisiert.[2]

Zwischen 1883 und 1887 wurde die Kirche umfassend restauriert. Barocke Einrichtung wurde entfernt, die Kirche „purifiziert“ und durch neugotische und historisierende Element ergänzt. Der Turmhelm wurde verkürzt wieder errichtet. Der ursprüngliche Barockaltar wurde aus diesem "Purismus" 1903 an die Stadt Münster verkauft und steht heute in der dortigen Dominikanerkirche. Später gab es vereinzelte Versuche den Barockaltar wieder zu erhalten. Inzwischen aber hat das Erzbistum auf dieses Anliegen verzichtet.[3]

1938 wurden die meisten neugotischen Elemente entfernt. 1945 wurde die Kirche durch Fliegerbomben in ihrer Substanz zerstört und ab 1947 wieder aufgebaut. Heute ist die Kirche die Pfarrkirche St. Ulrich.

Glocken

Das Geläut ist auf die Glocken des Doms abgestimmt und erklingt im Salve-Regina-Motiv. Sie wurden von der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen.

Nr.
 
Gussjahr
 
Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
(16tel)
1 1972 1362 1550 d1 +3
2 1949 1090 800 fis1 +1
3 1949 907 430 a1 +3
4 1949 791 290 h1 +2

Siehe auch

Literatur

  • Otto Gaul, Anton Henze, Fried Mühlberg, Fritz Stich: Reclams Kunstführer Deutschland, Bd.3, Nordrhein-Westfalen (Kunstdenkmäler und Museen). Stuttgart 1982. 
  • H.J. Brandt, K. Hengst (Hrsg.): Die Gaukirche St. Ulrich in Paderborn 1183-1983. 1983. 
  • Dirk Strohmann: Der Hochaltar der Paderborner Gaukirche in Münster. In: Westfälische Zeitschrift. 157/2007, Bonifatius, Paderborn 2007, ISBN 978-3-89710-389-4, S. 61-98. 

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Reclam Kunstführer Nordrhein-Westfalen 1982: 602
  2. Findbuch (A 282 II Kloster Gokirchen, Paderborn - Akten).
  3. vgl. Strohmann 2007: 61ff

51.7181118.7561157Koordinaten: 51° 43′ 5″ N, 8° 45′ 22″ O


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