Hans Henning Atrott

Hans Henning Atrott

Hans Henning Atrott (* 12. Januar 1944 in Memel) ist Gründer und erster Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) und ehemaliger Geschäftsführer der „World Federation of Right-to-die-Societies“. Bekannt wurde er durch die durch ihn angefachte Diskussion über Sterbehilfe, sowie durch Vermittlungen und Verkäufe von Zyankali an Sterbewillige, die zu seiner Verurteilung führten.

Leben

Atrotts Eltern starben im Zweiten Weltkrieg; seine Jugend verbrachte er in der DDR, aus der Atrott 1956 in die Bundesrepublik Deutschland übersiedelte. Frühe Beschäftigung mit der Bibel und dem Neuen Testament festigten seine Abneigung gegen die christlichen Kirchen, die er als Betrüger ansieht. Ein Studium beendete Atrott als Politologe mit dem „Dipl. sc. pol.“.

Von 1979 bis 1981 fungierte Atrott als Landesvorsitzender des Bunds für Geistesfreiheit Bayern, im Jahre 1980 wurde er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben und arbeitete 1982 bis 1984 als Geschäftsführer der World Federation of Right-to-die-Societies. 1985 nahm Atrott an einer Anhörung zur Sterbehilfe im Deutschen Bundestag teil.[1]

Im Juli 1987 erklärte ein Urteil des OLG München[2] die Sterbehilfe mittels Zyankali im Fall Hermy Eckert als gesetzeskonform; Atrott hatte hierfür das Gift geliefert.[3] Im Mai 1992 wurde Atrott vorübergehend festgenommen und nach einem Tag gegen eine Kaution von 200.000 DM wieder entlassen. Atrott setzte sich, so die Darstellung der DGHS, daraufhin in die Schweiz ab.[4] Am 23. Januar 1993 wurde Atrott in Hamburg beim Verkauf von Zyankali erneut verhaftet[5] und verblieb knapp ein Jahr in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Augsburg erhob gegen ihn Anklage wegen Steuerhinterziehung und Verstoß gegen die Gefahrstoffverordnung; die im März 1994 stattfindende Gerichtsverhandlung am Landgericht Augsburg führte nach seinem Geständnis zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und zur Zahlung einer Geldbuße.[6][7] Durch die Erklärung der zwischenzeitlich eingesetzten DGHS-Führung, dass der in U-Haft befindliche Atrott kein Interesse mehr an der Fortführung seines Amtes als DGHS-Präsident hätte, wurde Atrott als gesetzlicher Vertreter aus dem Register gelöscht. Atrott bestreitet dieses Einverständnis. Nach gegenseitigen Ausschlüssen und Entlassungen beendete 1997 ein schiedsrichterlicher Vergleich die Querelen: gegen eine Abfindung verzichtete Atrott auf Ämter und Mitgliedschaft in der DGHS.

Seit 1998 hat Atrott seine Arbeiten über das Christentum wieder aufgenommen, insbesondere über Jesus Christus. Dabei entwickelte Atrott unter anderem die Thesen, dass die Geschichten, die sich um Jesu Geburt ranken, größtenteils aus dem Mithraskult übernommen worden seien, dass Jesus die Menschheit in Wirklichkeit hätte zerstören wollen und dafür eine Sekte, die Christen, gegründet hätte, sowie dass am Kreuz Judas Ischariot als Doppelgänger Jesus' gestorben wäre, so wie auch Paulus in Wirklichkeit Jesus gewesen und für den Brand von Rom 64 n. Chr. verantwortlich sei. Atrott veröffentlichte seine Theorien zunächst im Internet, später im Selbstverlag.[8]

Atrott ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

Quellen

  1. Ludger Fittkau/Peter Gehring: Zur Geschichte der Sterbehilfe in der Beilage zu Das Parlament, Ausgabe 4/2008
  2. Aktennummer 1 Ws 23/1987 OLG München, NJW 46/1987
  3. Interview mit Atrott in der Zeit, Ausgabe 3/86 vom 10. Januar 1986
  4. Stellungnahme der DGHS zu den Vorgängen um ihren damaligen Präsidenten (PDF)
  5. Höllische Schmerzen. In: Der Spiegel. Nr. 5, 93 (1. Februar 1993, online).
  6. Bericht der Berliner Zeitung vom 15. März 1994
  7. 120 Zyankali-Kapseln. In: Der Spiegel. Nr. 12, 94 (21. März 1994, online).
  8. Jesus' Bluff - The universal Scandal of the World (M. Magnes) PublishAmerica, Baltimore 2009, ISBN 978-1-61582-816-6

Weblinks


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