Johann Placotomus

Johann Placotomus

Johann Placotomus (auch: Brettschneider; * um 1514 in Münnerstadt; † 6. Mai 1577 in Danzig) war ein deutscher Mediziner und Pädagoge.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Über die ersten Lebensjahre von Placotomus liegen keine greifbaren Daten vor. Sicher ist, dass er sich am 2. April 1530 an der Universität Wittenberg immatrikulierte.[1] Im Wintersemester 1537 findet man ihn in den Matrikeln der Universität Leipzig[2], wo er am 26. April 1538 sein Examen pauperum absolvierte[3]. Er kehrte zurück nach Wittenberg und absolvierte dort am 15. September 1541 sein Magisterexamen der Sieben freien Künste[4]. Ohne Zweifel dürfte er während jener Zeit mit Philipp Melanchthon und Martin Luther im engen Kontakt gestanden haben, die ihn als vertrauten Freund bezeichneten.

So dürfte Placotomus während seiner Wittenberger Zeit die Vorlesungen von Georg Joachim Rheticus, sowie Erasmus Reinhold in Mathematik, von Veit Amerbach in Physik und bei Veit Winsheim in Rhetorik besucht haben.[5] Als Magister hatte er sich die Voraussetzungen geschaffen, ein Studium an einer höheren Fakultät zu verfolgen. Er entschied sich, in der medizinischen Fakultät unter den Lehrern Augustin Schurff und Jakob Milich seine Studien fortzusetzen. Nachdem er unter Milich das Lizentiat der Medizin erworben hatte, promovierte er am 7. Juni 1543 zum Doktor der Medizin.[6] Im Folgejahr übernahm er die erste medizinische Professur an der Universität Königsberg als Ordinarius. Dort geriet er jedoch in die theologischen Streitigkeiten jener Zeit.

Ihm wurde unterstellt, dass er an der Verbreitung von Schmähschriften gegen Andreas Osiander beteiligt war. Als Rektor der Akademie im Wintersemester 1548 verweigerte er Herzog Albrecht eine Übersicht über die Stipendiaten jener Zeit an seiner Hochschule. Darauf entbrannte ein akademischer Streit bei dem Placotomus, Andreas Aurifaber in einer groben Form beleidigte. Daraufhin verweigerte man ihm die Teilnahme an den Sitzungen des Senats der Akademie. Placotomus forderte daher seine Entlassung aus der Hochschule. Er blieb zwar noch einige Zeit im Lehrkörper der Akademie, jedoch ohne davon in Vorlesungen aktiv zu sein.[7] Stattdessen ging er 1552 nach Danzig, wo er eine Stelle als Stadtphysikus erlangte.

Hier übernahm er 1555 die Ratsapotheke und wurde als Autor verschiedener Schriften aktiv. Dies rief wiederum den Bischof Stanislaus Hosius auf den Plan, so dass er nach Eisleben fliehen musste. Jedoch kehrte er 1558 wieder nach Danzig zurück, erhielt 1566 erneut die Danziger Ratsapotheke. Es soll auch nicht verborgen bleiben, dass er sich an der Gestaltung des Danziger Schulwesens einen hervorragenden Ruf erworben hat. So verfasste er nicht nur viele medizinische Schriften, sondern kümmerte sich auch in seinen Ausführungen um die Entwicklung des Schulwesens in Danzig. So hatte er die Grundlagen des Gymnasiums in Danzig mitentwickelt, das in der Folge über viele Jahrhunderte eine Brutstätte vieler deutscher Persönlichkeiten wurde.

Werkauswahl

  1. Disputationes quaedam philosophicae in Academia Regiomontanae propositae. 1548
  2. De natura cerevisiarum et de mulso. Königsberg,1549
  3. Conclusiones apologeticae quorundam thematum propositorum. De destillationibus. Danzig, 1550
  4. Vom Missbrauch und rechten Gebrauch des Harnsehens. Danzig, 1550
  5. De natura et viribus cerevisiarum et mulsarum opusculum. Wittenberg 1551
  6. Oratio de ratione discendi ac praecipue medicinam. Leipzig, 1552
  7. De destillationibus chymicis epistola, item disputariones eiusdem. Frankfurt, 1553
  8. De tuenda bona valetudine libellus E. Hessi, commentariis doctissimis illustratus. Frankfurt 1554; Paris 1555; Frankfurt 1556; 1564, 1571, 1582,
  9. Causae contemtus medicinae. Eisleben, 1558
  10. De diaeta salubri sive de vicru privatorum libellus Polybi ..., Danzig, 1558; Antwerpen 1561
  11. Pharmacopoea in compendium redacta. 1560, Antwerpen, Repr. 1973
  12. Compendium pharmacopoeae. Lyon, 1561
  13. De ratione docendi disputatio ad quaedam controversias ..., Danzig, 1563
  14. Quaestiones de germanicis fabularum actionibus oppositae opinionibus. Danzig, 1564
  15. Ein kurtzer vnd einfeltiger bericht, wie man sich in diesem fürfallenden Sterbens lauft-der wütenden Pestilentz … Stadt Dantzigk. Danzig, 1564
  16. Schola sive latinae scholae constitutio … themata ad rationem docendae iuventutis. Frankfurt, 1566
  17. Ratio docendi juventutem. Leipzig, 1566
  18. Methodi dialecticae in gratiam novi gymnasii Dantiscani. Frankfurt 1567
  19. Wie man christliche Deutsche Kinder Schulen … Rostock 1568
  20. Disputationes quaedam ad rectam docendi discendique rationes spectantes. Königsberg 1569

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Karl Eduard Förstemann: Album Academiae Vitebergensis, Leipzig 1841, S. 138 b4
  2. Matrikel der Universität Leipzig
  3. Examensnachweis Matrikel Universität Leipzig
  4. Julius Köstlin: Die Baccalaurei und Magistri der Wittenberger Philosophischen Fakultät 1538-1546. Max Niemeyer, Halle (Saale) 1890, S. 13
  5. Heinz Kathe: Die Wittenberger Philosophische Fakultät 1501–1817. Böhlau, Köln 2002, ISBN 3-412-04402-4, S. 455–470
  6. Gottfried Suevus: Academiae Wittenbergensis ab anno fundationis 1502…,usque ad annum 1655. Wittenberg 1655
  7. E.D. Schnaase: Andreas Aurifaber und seine Schola Dantiscana. Ein Beitrag zur Geschichte der Schulen in Danzig. In: Rudolf Reicke, Ernst Wichert: Altpreussische Monatsschrift. Thomas & Oppermann, Königsberg/Preußen 1874, Bd.11, S. 318–319

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