Kapuzinerkloster Freistadt

Kapuzinerkloster Freistadt
Das Gebäude vom Bergfried aus gesehen

Das denkmalgeschützte Gebäude in der Zemannstraße 29 in Freistadt, Oberösterreich wurde Anfang des 17. Jahrhunderts als Kloster errichtet. Seit der Aufhebung des Klosters fand es Verwendung als Schloss, Schülerheim, Verwaltungsgebäude, Krankenhaus und Bürogebäude. Das rund 5500 Quadratmeter umfassende Areal gehört heute der Gespag. Ab 2011/12 soll ein Vier-Sterne Hotel in diesem Gebäude untergebracht werden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Kloster Sankt Maria (1654 - 1785)
Altes Krankenhaus (Schloss Kinsky) von SO
Schloss Kinsky und Umgebung im Jahr 1827 (Franziszeischer Kataster)

In Jahr 1626 wurde vom Provinzkapitel der Kapuziner beschlossen, in Freistadt ein Kloster zu errichten. Am 1. Oktober 1639 gab der Passauer Bischof seine Zustimmung und am 8. September 1643 folgte die Grundsteinlegung des Klosters mit dem Namen Sankt Maria. Im Jahr 1654 war das Gebäude fertiggestellt und am 7. Juni 1654 folgte die Weihe der Kirche durch den Passauer Weihbischof Ulrich Grappler. Unter Josef II. (Josephinismus) wurde das Kloster 1785 aufgehoben. Trotz dem Bitten der Bürgerschaft mussten die 13 Patres und 7 Laienbrüder das Kloster verlassen, lediglich 2 Patres blieben als Kooperatoren in Freistadt.[1]

Schloss Kinsky (1786 - 1895)

Gräfin Rosa von Kinsky erwarb 1786 das ehemaliger Kloster samt Kapelle und baute es in ein barockes Schloss um. Damals verfügte Freistadt über drei Schlösser, den Salzhof, das Habsburger-Schloss und das Schloss Kinsky. Das Schloss diente ab 1798 bis zur Aufhebung der Grundherrschaft (1848) als Herrschaftssitz für die Güter der Familie und blieb bis 1895 im Familienbesitz. Nach 1848 wurde die Verwaltung der Besitztümer ins Schloss Rosenhof bei Sandl verlegt.

Städtisches Studentenkonvikt (1898 - 1938)

1895 erwarb die Stadt Freistadt das Schloss um 20.000 Gulden und baute es bis 1898 in ein Studentenkonvikt (Wohnheim für Schüler des nahe gelegenen Staatsgymnasiums) um, das bis 1938 bestand. Im Konvikt wohnte auch der Schriftsteller Roderich Müller-Guttenbrunn (Herbst 1902 bis August 1904 und Herbst 1906 bis Jänner 1908[2]), dessen Erlebnisse in seinem Roman "Die vergessene Stadt" (≈ "Die Studenten von Hohenstadt") verarbeitet wurden - in diesem Roman ist das Studentenkonvikt eine wesentlicher Schauplatz.

Ab 1915 waren im Park die russischen Offiziere des Kriegsgefangenenlagers Freistadt untergebracht. Die Wachmannschaft bewohnte ein Zimmer im Konvikt. Am 10. Jänner 1915 mussten 104 Möbelstücke dem Gefangenenlager übergeben werden.[3] Zwischen 1926 und 1938 führten die Marianisten vom Marianum in Freistadt das Konvikt. Im Jahr 1926 wurde die Kirche des Gebäudes in eine Kapelle umgestaltet.

NS-Schülerheim, NSDAP-Kreisverwaltung (1938 - 1945)

Nach dem Anschluss entstand in diesem Gebäude ein NS-Schülerheim und zusätzlich zog die NSDAP-Kreisverwaltung ein.

Sowjetrussische Kommandantur (1945 - 1947)

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte der sowjetrussische Besatzungsmacht das Gebäude und richtete den Sitz der Kommandantur ein. Bald darauf wurde der Sitz der Kommandatur in das Haus Hagleitner am Hauptplatz verlegt.

Krankenhaus (1947 - 1992)

Das leerstehende Haus wurde 1947 in ein Krankenhaus umgewidmet, ab dem Jahr 1963 fand ein großzügiger Umbau der Räumlichkeiten und eine Vereinfachung der Fassade statt. 1964 wurde die Orgel des Freistädter Orgelbauers Lorenz Franz Richter aus der Johanneskirche in der Kapelle eingebaut. Das Krankenhaus bestand bis zur Eröffnung des heutigen "Neuen Krankenhauses" im Jahr 1992. Das Haus in der Zemannstraße wird von den Freistädtern immer noch als "Altes Krankenhaus" bezeichnet.

Außenstelle der Landes-Nervenklinik (1993 - 2002)

Im Jahr 1993 wurde ein Teil des Gebäudes in eine Außenstelle der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg umgewandelt. Die Nervenklinik bestand bis zur Schließung im Jahr 2002. Umbauten wurden in dieser Zeit keine vorgenommen, da die Außenstelle nur als eine Zwischenlösung angesehen wurde.

Heutige und zukünftige Nutzung

Seit 2002 wurde regelmäßig über langfristige Nutzungsmöglichkeiten des Areals diskutiert, als Sozialzentrum, als Werkstätte für Langzeitarbeitslose, als Pflegeheim für ältere Menschen, als Bürogebäude und vieles mehr.[4] Das Gebäude stand seitdem nicht zur Gänze leer, als Übergangslösung waren verschiedene Firmen und Organisationen einquartiert. Heute sind eine psychosoziale Beratungsstelle, der Mittelschüler-Kartell-Verband K. Ö. St. V. Nibelungia und ein Facharzt für Frauenheilkunde im Gebäude untergebracht.

Erst im Sommer 2008 erfolgte die endgültige Festlegung der Weiternutzung des Gebäudes. Bis 2012 entsteht das Vier-Sterne-Hotel Salzbaron mit 134 Betten und Wellnessbereich, dadurch steigt die heutige Bettenkapazität der Stadt um rund 50 %.[5] An dem Betreiberkonsortium ist neben Investoren aus Tschechien und Leonding auch die Stadtgemeinde beteiligt. Beim Umbau soll der Schlosscharakter erhalten bleiben. Da eine Hälfte des Parks auch der Wohnbaugesellschaft Neue Heimat gehört und dieser nicht für Wohnbauten umgewidmet wird, wird die Neue Heimat in das Projekt integriert[6]

Bau

Altes Krankenhaus (Schloss Kinsky) von Süden

Das Gebäude ist ein zweigeschossiger Gebäudekomplex mit Walmdächern und einer weitläufigen Parkanlage. Die Gebäude gruppieren sich um einen fast quadratischen Innenhof. An der Südostseite befindet sich ein dreigeschossiger Turm. Die Kapelle ist ein selbstständiges dreiachsiges Gebäude mit rundbogigen Doppelfenstern. Die ehemalige Kirche war der Geburt der allerheiligsten Jungfrau Maria geweiht. 1926 erfolgte eine Geschossteilung wodurch die heutige einjochige Kapelle entstand.

Meierhof

Der zugehörige Meierhof des Klosters ist ebenfalls zweigeschossig und trägt heute die Hausnummer Zemannstraße 25. Das Gebäude ist ein Bau aus dem 17. oder 18. Jahrhundert und weist geschwungene Blendgiebel auf. Im Inneren finden sich flache Tonnen- und Kappengewölbe.

Literatur

  • Bundesdenkmalamt Österreich (Hrsg.): Dehio - Oberösterreich Mühlviertel. Verlag Berger, Horn/Wien 2003, ISBN 978-3-85028-362-5.

Einzelnachweise

  1. Diözese Linz: Geschichte der Diözese Linz, Seite 108f
  2. Dr. Othmar Rappersberger im 113. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Freistadt, Eigenverlag, 1983.
  3. Fritz Fellner: Die Stadt in der Stadt, OÖ Heimatblätter, Heft 1, 1989, Seite 12 (PDF)
  4. Stadtgemeinde Freistadt: Aktuell aus dem Rathaus, 02/2004 (pdf)
  5. Stadtgemeinde Freistadt: Weichenstellung für das Hotelprojekt Salzbaron, (abgerufen am 25. Mai 2008)
  6. ORF Online:Neues Hotel in Freistadt, (abgerufen am 1. März 2009)

Weblinks

48.507514.5057Koordinaten: 48° 30′ 27″ N, 14° 30′ 18″ O


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