Karl Maria Wiligut

Karl Maria Wiligut

Karl Maria Wiligut (* 10. Dezember 1866 in Wien; † 3. Januar 1946 in Arolsen, Pseudonyme: Karl Maria Weisthor, Jarl Widar)[1] war ein österreichischer Okkultist und SS-Brigadeführer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Karl Maria Wiligut war Oberst in der österreich-ungarischen Armee.

Wiligut veröffentlichte 1903 das Buch Seyfrieds Runen.[2] Seit Anfang des 20. Jahrhunderts soll er in Wien Kontakte mit völkischen und ariosophischen Kreisen gepflegt haben.[3] Er stand der Edda-Gesellschaft nahe und schrieb unter dem Pseudonym Jarl Widar Gedichte in deren Widar-Heften.[3] Er trat 1933 der SS bei, wo er den Namen „Weisthor“ führte. Er wurde engster Ratgeber Heinrich Himmlers.[4] Seit 1934 war er SS-Standartenführer (Ehrenrang), was seinem ehemaligen militärischen Rang (Oberst) in der österreichischen Armee entsprach. 1936 verlieh Himmler ihm den Dienstgrad SS-Brigadeführer (Generalleutnant).[5] Der Name „Weisthor“ wurde ihm von der SS-Führungsspitze verliehen: „Weis“, weil er zu den Eingeweihten zählte, und „Thor“ im Sinne des nordischen Donnergottes. Wiligut übernahm im Oktober 1934 die Leitung der Abteilung Vor- und Frühgeschichte des Rasse- und Siedlungshauptamtes und beriet Himmler in weltanschaulichen Fragen. Ab Januar 1936 war er im Rasse- und Siedlungshauptamt mit Sonderaufgaben betraut.[6] Wiligut und Himmler verband das Interesse für okkulte, esoterische und mythologische Themen. Wiligut behauptete von sich selbst, dass er und seine Familie direkt von den Asen abstammten.

Als Himmler mit Richard Walther Darré auf der Suche nach etwas Altehrwürdigem in Westfalen war, in dem sich die SS verankern ließe, lenkte der Architekt Hermann Bartels am 3. November 1933 in Absprache mit dem Regierungspräsidenten und Jutta von Oeynhausen die Aufmerksamkeit auf die Wewelsburg bei Paderborn.[7] Wiligut nahm dort eine Zeit lang Einfluss auf die Umgestaltung der Burg zu einer Ordensburg der SS. Er entwarf ebenso den Totenkopfring der SS, befasste sich mit Runen, Heraldik und Symbolkunde und gab an, hellseherische Fähigkeiten zu besitzen. So beriet er auch seinen persönlichen Freund Heinrich Himmler in Fragen der Astrologie. Aufgrund seines Einflusses wurde er auch als „Himmlers Rasputin“ bezeichnet.[8]

Im August 1939 musste er die SS verlassen, weil er zunehmend als Scharlatan entlarvt wurde und wegen seines Medikamenten- und Alkoholmissbrauchs nicht mehr in der SS zu halten war. Zu dieser Zeit wurde auch öffentlich bekannt, dass Wiligut die Zeit von 1924 bis 1927 in einer Salzburger Nervenheilanstalt verbracht hatte und 1925 entmündigt worden war. Zudem hatte Hitler öffentlich gegen den Okkultismus Stellung bezogen. Himmler gab dennoch die Beziehung zu Wiligut nicht völlig auf und holte mehrmals Wiliguts Rat ein. Im Sommer 1940 entwarf dieser ein Grabzeichen für gefallene SS-Mitglieder.[5] Nach seiner Entlassung aus der SS lebte Wiligut noch einige Jahre in der mittelalterlichen Stadt Goslar, der er sich sehr verbunden fühlte.

Die Informationen über Wiliguts Leben vor dem Eintritt in die SS sind sehr unzuverlässig und stammen überwiegend aus Kreisen, in denen er verehrt wurde bzw. noch heute verehrt wird.[2][9]

Literatur

  • Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. Lizenzausgabe. Marixverlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-937715-48-7, darin S. 155–166: Karl Maria Wiligut. Heinrich Himmlers privater Magus.
  • Rudolf J. Mund: Der Rasputin Himmlers. Die Wiligut-Saga. Volkstum-Verlag u. a., Wien u. a. 1982, ISBN 3-85342-035-4.
  • Rudolf J. Mund, Gerhard von Werfenstein: Mythos Schwarze Sonne. Karl Maria Wiligut-Weisthor, der heilige Gral und das Geheimnis der Wewelsburg. Hans Herzig, Books on Demand 2004, ISBN 3-8334-1122-8.
  • Wolfgang Kaufmann: Das Dritte Reich und Tibet. Die Heimat des „östlichen Hakenkreuzes“ im Blickfeld der Nationalsozialisten. 2. korrigierte und aktualisierte Auflage. Ludwigsfelder Verlagshaus, Ludwigsfelde 2010, ISBN 978-3-933022-58-5, Teil 2, S. 100–182 (Zugleich: Hagen, FernUniv., Diss., 2008).

Einzelnachweise

  1. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Ein Handbuch. Ergänzungsband. Mit Korrigenda zum Hauptband. Darmstadt 1989, S. 90 u. 92.
  2. a b Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, ISBN 978-3-88680-859-5, S. 293.
  3. a b Stefanie von Schnurbein: Religion als Kulturkritik. Carl Winter Universitätsverlag, Heidelberg 1992, ISBN 3-533-04582-X, S. 113.
  4. Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 292.
  5. a b Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 295.
  6. Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 292 f.
  7. Karl Hüser: Wewelsburg 1933 bis 1945. Kult- und Terrorstätte der SS. Eine Dokumentation. Paderborn: Bonifatius, 19872, ISBN 3-87088-534-3, S. 16 f.
  8. Vgl. hierzu Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 292–295.
  9. Stefanie von Schnurbein: Religion als Kulturkritik. Carl Winter Universitätsverlag, Heidelberg 1992, ISBN 3-533-04582-X, S. 114.

Weblinks


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