Keltische Kriegsführung

Keltische Kriegsführung

Die Keltische Kriegsführung bezeichnet die die Art und Weise, in welcher die Angehörigen der Volksgruppe der Kelten ihre kriegerischen Konflikte austrugen. Sie umfasst sowohl das praktische Kriegshandwerk, als auch dessen Methoden, Taktik und Strategie.

Verbreitung der keltischen Kultur ca. 800–400 v. Chr.

Inhaltsverzeichnis

Der keltische Krieger

Historisierende Darstelleung des Piktenkönigs in Rüstung und Bewaffnung

Bewaffnung

Kelten benutzten eine Vielzahl von Waffen, was wohl auf ihre Kriegerkultur zurückzuführen ist. Fernkampfwaffen waren Wurfspeere, Harpunen, Bögen und Schleudern. Die Steine der Schleudern wurden meist aus Flüssen entnommen, da diese durch die Strömung gut geformt waren. Dazu muss man sagen dass Harpunen und Wurfspeere nicht unbedingt die Primärwaffen eines Kriegers waren, viele Nahkampftruppen trugen zusätzlich Wurfwaffen. Junge Krieger kämpften meist mit primitiven Wurfspeeren, Schleudern und Bögen, wogegen die Harpunen von keltischen Champions getragen wurden. Ein Beispiel hierfür wären die Gaesatae. Viele der Fernkampfwaffen waren vergiftet. In der Spätantike setzten die Pikten bereits leichte Armbrüste ein. Als Nahkampfwaffen wären Speere, Zweihandhämmer, Streitäxte und Schwerter zu nennen. Die Schwerter waren Anfangs Kurzschwerter, später Langschwerter. Sie schwankten stark in ihrer Qualität. Es gab wahre Meisterstücke, aber manche antike Geschichtsschreiber berichten von Schwertern, welche nach einem Schlag stumpf wurden. Keltische Speere besaßen relativ breite Spitzen. In England wurden einige Großschwerter gefunden. Sie wurden bisher als rituelle Gegenstände aufgeführt, ein militärischer Einsatz ist allerdings ebenfalls wahrscheinlich. Es ist anzunehmen, dass die Schwerter in Gallien oder Hibernia hergestellt wurden, da die britischen Kelten wohl nicht dazu in der Lage waren. Äxte, Zweihandhämmer und Zweihandschwerter waren jedoch eher seltene Waffen. Dennoch gehört sie zum keltischen Arsenal, nicht zuletzt da sie sehr gute Arbeit gegen gerüstete Gegner leisteten. Die Wucht einer solchen, schweren Waffe war so groß, dass sie durch einen Kettenpanzer hindurch tödliche Verletzungen verursachen konnte.

Rüstungen

Frühe La-Tene Kelten trugen keine Rüstung, nur Adlige besaßen manchmal Pectorale. Später kamen Lederrüstungen, leichte Bronzebrustplatten, Kettenhemden und Schuppenhemden auf. Als Sonderform wäre noch die Ceannlann-Rüstung zu nennen. Diese „Fischschuppen“ (Ins Deutsche übersetzt) bestanden aus auf Leinen aufgenähten Metallschuppen, wobei die Leinen noch einmal von innen an ein Kettenhemd genäht waren. Die Römer bezeichneten die Kelten als Erfinder des Kettenhemdes, Bronzebrustplatten wurden jedoch von mykenischen Rüstungen beeinflusst. Auch Helme waren selten, sie wurden meist nur von Adligen benutzt. Bedeutende Formen sind der Montefortinohelm und der Coluus. Belgische Helme hatten eine typische, kegelartige Form mit einem langen, viereckigen und geraden Nackenschild. Am Helm konnten Federn oder Pferdeschwänze befestigt werden. Einige Helme trugen Hörner oder ahmten Hörner nach. Schilde kamen sehr häufig zum Einsatz. Runde Schilde wurden meist von leichten Infanteristen oder Kavelleristen eingesetzt. Schwere Infanteristen trugen lange Schilde, meist viereckig, oval oder hexagonal. Der Krieger einer Streitwagenbesatzung trug wahrscheinlich einen Infanterieschild. Als Kleidung trug der keltische Krieger meist eine sogenannte Braccae-Hose und einen leichten Mantel.

Standarten

Die Kelten führten verschiedene Banner in die Schlacht, später wurde für kurze Zeit der sarmatische Draco von in römischem Dienst kämpfenden Hilfstruppen übernommen. Bullenhörner und die sogenannten Carnyxe gaben Signale oder sollten die Kämpfer inspirieren.

Militärische Organisation

Kavallerie

Zuerst wurden Pferde nur als Zugtiere der Streitwagen eingesetzt. Jeder Streitwagen bestand aus zwei Besatzungsmitgliedern: Einen Wagenlenker und einem adligen Krieger oder Champion. Die Streitwagen wurden von antiken Geschichtsschreibern oft als Mischung von Infanterie und Kavallerie bezeichnet. Der Streitwagen würde in das Getümmel fahren, von wo der Krieger aus dem Gefährt springt und kämpft. Caesar beschreibt, dass die Wagenlenker extrem agil auf dem fahrenden Wagen agierten, so würden sie zum Teil weit nach vorne klettern, auf das Joch, um die Pferde besser zu lenken.

Die eigentliche Kavallerie kam erst später auf, vor allem in Britannien überdauerten die primitiven Wagen noch lange. Die Reiter waren meist eher leichte Kavalleristen. Sie kämpften, indem sie auf den Gegner zupreschten, ihn mit einem Hagel von Wurfspeeren eindeckten und dann mit Lanzen und Schwerter angriffen.

Taktik

Der normale keltische Schwertkämpfer war wohl ein schwerer Infanterist. Er trug zwar keine Rüstung, kämpfte jedoch als Linieneinheit. Das Zentrum der keltischen Taktik bildete der Ansturm dieser massiven Kriegermasse. Der wilde Frontalangriff, von der Römern „Furor Celtica“ genannt, sollte den Gegner schnell besiegen. Manchmal kämpften die Kelten jedoch auch sehr Defensiv. Sie konnten bei Gefahr einen Schildwall formen. Caesar beschreibt beim Kampf gegen helvetische Stämme eine keltische Phalanx. Eine andere Theorie besagt, dass Caesar mit „Phalanx“ den oben genannten Schildwall meint. Die Römer setzten ihre Pila ein, um die sich beim Schildwall überlappenden Schilder ineinander zu verharken. Zusätzlich zu diesen offenen Kampfesmethoden setzten die Kelten auch auf Guerilla. Sie verstanden es gut, den Gegner aus dem Wald anzugreifen oder ihn mit Plänklern zu stören.

Kriegerkult

Die Kelten waren eine Kriegerkultur. Kämpfer wurden wie Helden verehrt und Mut im Schlachtfeld war eine wichtige Tugend. Die keltischen Elitekämpfer fungierten als Vorbilder, welche andere Krieger durch ihren Mut inspirieren sollten.

Die Kelten trennten ihren getöteten Feinden die Köpfe ab und sammelten diese. Dabei handelte es sich um eine spirituelle Geste, die sich oft auch in anderen Kulturen wiederfindet. Ein Beispiel dafür ist das Skalpieren wie es von einigen Indianerstämmen praktiziert wurde. Der Kopf galt bei den Kelten als Sitz der Seele, der Emotionen und des Lebens. Wer einen Kopf erbeutet hatte, erlangte die Stärke des getöten Feindes. Solche Trophäen wurden an das Pferd gebunden oder am Gürtel befestigt.

In der Schlacht liebten die Kelten Zurschaustellung. So gibt es Legenden von einem keltischen Herrscher, der mit einem silbernem Streitwagen in die Schlacht fuhr. Natürlich ist Silber sehr weich und daher eher ungeeignet für einen Streitwagen, doch die feindlichen Kriegsbanden ergriffen der Geschichte nach die Flucht beim bloßen Anblick. Krieger bemalten sich oft mit Färberwaid oder bildeten Sprechchöre, um ihre Feinde einzuschüchtern. Dies dient dazu, den Feind zu verunsichern und ihn zur Niederlage zu bringen. Ähnliche Drohgebärden finden sich bei anderen Kriegervölkern und auch Tiere benutzen oft Drohgebärden, um einen tödlichen Kampf zu verhindern. Der Übergang von Ritualgegenstand zu Kriegswaffe ist daher unklar. Ein Kelte würde zum Beispiel mit einem gehörnten Helm in den Krieg gehen, dieser Helmschmuck ist zwar hinderlich, doch er soll die Feinde einschüchtern und dient der Selbstdarstellung des Kriegers. Es wurde auch ein Helm gefunden, welcher von einem metallernem Raben gekrönt ist. Wenn der Träger damit rennt, schlägt der Rabe mit den Flügeln. Dies ist eine Anspielung auf die Keltische Mythologie. Dort holt die Todesgöttin die Seelen der gefallenen Krieger in Gestalt eines Raben.

Kelten als Söldner

Kelten kämpften oft als Söldner, Hannibal hatte eine Garde von Gaesatae. Die antiken Ptolemäer und das Reich von Pontos setzten Kelten (Galater) ein, diese wurden manchmal sogar zu Kleruchen erhoben.

Die Erben der Kelten setzten die Söldnertradition fort: Walisische Bogenschützen und irische Kerns fanden oft Platz in englischen Armeen. Frankreich profitierte vom Konflikt zwischen England und Schottland. Die Schotten schickten regelmäßig Söldner, um gegen den gemeinsamen Feind vorzugehen. Die Franzosen bildeten daraus die „Compagnie des Gendarmes Ecossois“, welche mit Bögen und Degen bewaffnet wurden. Gälische Reiter, sogenannte „Hobbilare“ kämpften oft für Frankreich und England.

Einzelnachweise


Weblinks

Literatur

  • Gaius Iulius Caesar: De bello Gallico, Mundus Verlag, Essen 1999.
  • Barry Cunliffe: The Ancient Celts, Oxford University Press, Oxford 1997. ISBN 0-19-815010-5
  • Peter Berresford Ellis: The Celtic Empire - The first millennium of Celtic history, Constable Publishings, London 1990. ISBN 0-09-468670-X
  • Adrian Goldsworthy: Die Kriege der Römer, Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 2001. ISBN
  • Paul Jacobsthal: Early Celtic Art, Oxford University Press, Oxford 1969. ISBN 0-198-17170-6
  • Plantagenet Somerset Fry: Roman Britain, David & Charles PLC, 1984. ISBN 0-715-38267-5
  • Peter Wilcox: Rome´s Enemies - Gallic and British Celts, Osprey Publishing Ltd., London 1985. ISBN 0-850-45606-1

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