Maria Beatrice d’Este (1658–1718)

Maria Beatrice d’Este (1658–1718)
Maria Beatrix d’Este von Modena als Herzogin von York (1680), Porträt von Willem Wissing

Maria Beatrix d’Este, Prinzessin von Modena (* 5. Oktober 1658 in Modena; † 7. Mai 1718 in Saint-Germain-en-Laye) war als Gemahlin von Jakob II./VII. Königin von England, Schottland und Irland.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Maria Beatrix war die einzige Tochter von Herzog Alfons IV. von Modena und seiner Gemahlin Laura Martinozzi, einer der Nichten des Kardinals Mazarin.

Heirat

Am 20. September 1673 wurde Maria Beatrix mit Jakob II., der damals noch Herzog von York war, im herzoglichen Palast zu Modena per procurationem vermählt. Stellvertretend für den abwesenden Bräutigam nahm Lord Peterborough seine Stelle ein. Sie war zur Zeit ihrer Hochzeit knapp 15 Jahre alt, ihr Mann bereits vierzig, Witwer und Vater zweier Töchter, sowie einiger illegitimer Kinder. Maria Beatrix lehnte die Ehre der Hochzeit zunächst ab, sie wollte lieber Nonne werden als in einem protestantischen Land leben. Der Papst musste vermitteln, und Maria gab nach.

Jakob war 1669 wieder offen zum Katholizismus übergetreten und suchte, nach dem Tod seiner ersten Gemahlin, eine Frau seines Glaubens. Die katholische Maria Beatrix war im anglikanischen England als Papistin verhasst. Im Unterhaus wurde gefordert, die Einschiffung der Prinzessin zu verhindern, doch König Karl II. lehnte dieses Ansinnen ab. Am 21. November 1673 fand in Dover die eigentliche Vermählung statt. Maria wurde von ihrem Mann verehrt und verstand sich auch mit ihren fast gleichaltrigen Stieftöchtern Maria und Anna.

Herzogin von York

Zehn Kinder verlor Maria Beatrix, bevor sie 1688 James Francis Edward Stuart (den späteren Älteren Prätendenten) gebar. Hatte man bis dahin hoffen können, dass England nach dem Tode Jakobs einen protestantischen König erhalten werde, so war nun die Erbfolge der katholischen Stuarts gewiss. Schon der Tod von Marias erstem Sohn Karl (1677) war in der Bevölkerung mit Erleichterung aufgenommen worden. König Karl II. sah sich gar veranlasst, Jakob und Maria vor dem Volkszorn nach Holland in Sicherheit zu bringen. Jakob weigerte sich vehement, zum anglikanischen Glauben zurückzukehren, und wurde in dieser Haltung von seiner Frau bestärkt. 1679 reiste das Herzogspaar nach Schottland. In Edinburgh wurde beide freudig aufgenommen und kehrten 1681 schließlich nach London zurück.

König Jakob II.
Wappen Königin Marias

Königin

Am 6. Februar 1685 starb Jakobs Bruder, und Maria Beatrix wurde an der Seite ihres Mannes Königin von England, Schottland und Irland. König Jakob versuchte ein katholisches absolutistisches System durchzusetzen, besetzte dazu politische Ämter mit Katholiken und näherte sich außenpolitisch immer mehr Frankreich.

Als der Kalvinist und Schwiegersohn Jakobs, Wilhelm von Oranien (der künftige König Wilhelm III.), in England landete und die Glorious Revolution begann, floh sie mit dem sechs Monate alten Prince of Wales in einer Nacht- und Nebelaktion nach Frankreich; kurz darauf gesellte sich auch ihr abgesetzter Gatte zu ihr in das französische Exil.

Exil

In Frankreich wurden der Exkönig und seine Gemahlin von Ludwig XIV. äußerst freundlich aufgenommen. Im Frieden von Rijswijk musste Ludwig XIV. allerdings Wilhelm III. anerkennen, weigerte sich aber, Jakob II. auszuliefern, der von da an nicht mehr war als einfacher Prätendent. Da sich Jakob immer mehr resigniert in die Religion flüchtete, knüpfte Maria Kontakte zu den Jakobiten und den katholischen Höfen Europas.

Nach dem Tod von Marias kinderlosem Bruder Francesco II. in Modena (1694) versuchte sie, den Thron in Modena für sich und ihren Mann zu gewinnen, doch der Plan scheiterte an Jakobs Ablehnung. In Modena folgte Maria Beatrices Onkel Rinaldo.

Nach dem Tod von Königin Maria II. erbot sich deren Witwer Wilhelm III., Maria Beatrices Sohn Jakob Franz zu adoptieren und damit Chancen auf den englischen Thron offenzuhalten. Doch das Königspaar im Exil lehnte diesen Wunsch ab, weil sie den damit verbundenen Religionswechsel des Kindes nicht tolerieren wollten.

1701 starb Jakob II. und in Frankreich wurde Maria Beatrices Sohn als Jakob III. zum König von England proklamiert. Maria Beatrice, die im Schloss Saint-Germain-en-Laye residierte, übernahm bis 1706 die Funktion der „Regentin“ für ihren unmündigen Sohn. Der Tod ihrer Tochter Louisa Maria, die 1712 19-jährig an den Pocken starb, traf sie schwer. Viele Jahre hatte Maria Beatrice ergebnislos versucht, einen passenden Ehemann für Louisa Maria zu finden.

James Francis Edward und seine Schwester Louisa Maria Stuart, Gemälde von Alexis Simon Belle

Fast ihr ganzes Vermögen hatte Maria Beatrice aufgebraucht, um in die politischen Abenteuer ihres Mannes und ihres Sohnes zu investieren. Sie verbrachte ihre letzten Jahre in eher bescheidenen Verhältnissen und starb im Alter von 59 Jahren an einer Lungenentzündung.

Nachkommen

Von den zwölf Kindern aus der Ehe mit Jakob II. von England erreichten nur zwei das Erwachsenenalter.

  • Kind (†* 1674)
  • Katharina Laura (* 10. Januar 1675; † 3. Oktober 1675)
  • Kind (†* 1675)
  • Isabella (* 18. August 1676; † 2. März 1681)
  • Karl (* 7. November 1677; † 12. Dezember 1677), Herzog von Cambridge
  • Elisabeth (*† 1678)
  • Kind (†* 1681)
  • Charlotte Maria (* 16. August 1682; † 6. Oktober 1682)
  • Kind (†* 1683)
  • Kind (†* 1684)
  • Jakob Franz (* 10. Juni 1688; † 1. Januar 1766), genannt the Old Pretender
  • Louisa Maria (* 28. Juni 1692; † 18. April 1712)

Literatur

  • Otto Flake: Große Damen des Barock Fischer Taschenbuchverlag, 1981
  • Marita A. Panzer: Englands Königinnen. Piper, München 2006.
  • Ronny Baier: Maria Beatrice d’Este. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL).
Vorgänger Amt Nachfolger
Katharina von Braganza Queen Consort von England und Irland
1685–1701
Georg von Dänemark
Queen Consort von Schottland
1685–1701

Weblinks

 Commons: Maria Beatrice d’Este – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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