- Mindset AG
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Die mindset ag ist eine Tochtergesellschaft der Schweizer Spirt Avert AG. Ziel des im Juli 2007 gegründeten Unternehmens ist die Entwicklung und Produktion eines Elektroautos namens mindset mit optionalem Benzinmotor.
Inhaltsverzeichnis
Projekt
Insgesamt arbeiten 100 mehrheitlich externe Mitarbeiter europaweit an diesem Projekt.[1] In einem Versuchsträger wurden im Februar 2008 der E-Motor und die Batterien eingebaut und der Versuchsträger von der Zeitschrift Auto Bild getestet.[2]
Am 15. Januar 2009 stellte das Unternehmen in Berlin einen fahrfähigen Prototypen des Elektroautos im Anschluß an die Konferenz Zukunftsmarkt Elektromobilität vor.[3] Dieser wurde im Werk der französischen Heuliez Gruppe fertiggestellt.[4] Nachdem das Unternehmen zuvor als Ziel für die Markteinführung das Jahr 2009 angab,[5] stellt es nun den Produktionsbeginn erst ab 2010 in Aussicht. Grund dafür ist eine nötige Kapitalerhöhung, deren Finanzierung noch nicht geklärt ist.[6]
Die Funktion des CEO der mindset ag wurde von Juli 2007 bis Ende Januar 2009 auf Mandatsbasis von der MGMO GmbH in Luzern in der Person von Murat Günak wahrgenommen. Laut Plänen der Spirt Avert AG soll die mindset ag mittels Absorptionsfusion im Verlaufe des Jahres 2009 aufgelöst und die operative Tätigkeiten vollständig in die Spirt Avert AG integriert werden.[6]
Antriebskonzept
Das projektierte Hybridelektrokraftfahrzeug mindset soll ein serieller Hybrid, Vollhybrid und Plug-in-Hybrid werden. Ein noch nicht fahrfähiger Prototyp des 2+2-Sitzers wurde 2008 vorgestellt. Kundenfahrzeuge sollen 2009 ausgeliefert und 2010 in größerer Stückzahl gebaut werden.[7]
Elektromotor und Akkumulator
Das Auto soll über einen 70 kW starken Elektromotor verfügen, der es in sieben Sekunden auf 100 km/h beschleunigen soll. Die Höchstgeschwindigkeit wird auf 140 km/h begrenzt sein. Die Batterieladung soll für 180 km Elektrobetrieb im ECE-Gesamtyklus reichen.
Die Batterien Typ Lithium-Ionen-Akkumulator sollen in einer Stunde wieder aufgeladen werden können.
Ein leicht ausbaubarer Verbrennungsmotor als Reichweitenverlängerer
Mit dem Zusatzmotor Range Extender (dt: Reichweitenverlängerer) sollen 800 km Reichweite möglich sein. Der Range Extender soll ausgebaut werden können, um im Alltagsbetrieb sein Gewicht einzusparen. Der Benzinverbrauch soll mit dem Range Extender bei einer konstanten Geschwindigkeit von 120 km/h weniger als 4 Liter auf 100 km betragen. Der im Heck integrierte Miniatur-Motor ist ein 250 cm3-Benziner mit 24 PS.
Öko-Bilanz
Je nachdem, wie der Strom zur Ladung der Batterien produziert wird, beträgt der CO2-Ausstoß 1 bis 55 Gramm pro Kilometer. Kommt der Reichweitenverlängerer zum Einsatz, liegt der CO2-Ausstoß je nach Stromquelle bei 14 bis 70 Gramm pro Kilometer.[8]
Karosserie und Designkonzept
Die Grundkonstruktion der Karosserie ist aus geschweißten Aluminiumprofilen, auf die Bauteile aus Verbundwerkstoffen montiert werden. Diese Space-Frame-Leichbauweise soll das Fahrzeuggewicht trotz 4,20 Meter Länge auf unter 800 kg beschränken. Die stromlinienförmige Karosserie Typ Coupé Berlinetta des Fahrzeugs steht auf hohen 22-Zoll-Rädern, um Übersicht und bequemes Einsteigen zu ermöglichen. Sie sind 155 mm schmal, um den Rollwiderstand gering zu halten.[9]
Diese Kombination nennt der Designer Commuter, in Anlehnung geschlossene kleine Holzsportboote, mit denen in den 1920er Jahren in New York wohlhabende Bürger von Hampton nach Manhattan in die Arbeit fuhren.[10]
Die Dachverglasung des Mindset soll optional mit Solarpaneelen ausgestattet werden können.
Kritik
Unter den ersten äußerte sich Greenpeace gegenüber dem abenteuerlichen Projekt: "Eine der derzeit spannendsten Auto-Neuentwicklungen heißt „Mindset“ und kommt vorerst ohne die Hilfe der großen Hersteller aus". [11]
Die Automobil-Fachpresse hat mindset mit Interesse aufgenommen. So Birgit Priemer, Stellvertretende Chefredakteurin von Auto Motor und Sport: "Kein Zweifel: Der Mindset ist ein Hingucker. Einer, der mit seinen Rundscheinwerfern im Stil der Porsche-Sportwagen erstes Aufsehen erregt, mit seinem kastenartigen Heckabschluss Kopfdreher provoziert und sich mit seinen freigestellten, riesigen 22-Zoll-Rädern endgültig in das Gedächtnis des Betrachters einbrennt. [12]
Auto-Bild-Redakteur Hauke Schrieber, der sich zunächst kritisch gegenüber dem Projekt äußerte, war nach der ersten Probefahrt überzeugt: "Vielleicht lag ich falsch. (...) Der Mindset hat mehr zu bieten als viele dieser zahlreichen neuen E-Auto-Projekte". Später stellte Auto-Bild den mindset-Prototypen Seite an Seite mit einem Porsche 911 auf der ADAC-Teststrecke und stellte fest, dass "beide mehr gemeinsames haben, als man denkt". [13]
Laut ETH-Professor Lino Guzzella, ein ausgewiesener Fahrzeugspezialist, ist das Konzept des mindset hervorragend, aber weder neu noch besser als viele Konkurrenzprodukte - auch aus der Schweiz -, die nicht vom Fleck kommen. [14]
Ein Artikel des Zürcher Tagesanzeiger[15] stellt eine Verbindung zwischen den Elektroauto-Projekten mindset und Twike. Bereits während des New-Economy-Booms um die Jahrtausendwende habe Lorenzo R. Schmid über die börsennotierte Beteiligungsfirma CommCept Trust AG mit dem Twike ein Auto der Zukunft angepriesen. Statt den anvisierten 10'000 Fahrzeugen jährlich wurden insgesamt bloss 700 Stück verkauft, worauf Twike-Produzent SwissLEM AG im Sommer 2002 Konkurs ging. Heute noch, 13 Jahre nach Markteinführung, wird das Twike nahezu unverändert in Deutschland [16] produziert. Es gilt als eines der meistverkauften Elektroautos Europas.
Siehe auch
Der Verbrennungsmotor plus Generator zur Reichweitenverlängerung anhängbar statt ausbaubar: AC Propulsion
Beim Opel Twin ließ sich das ganze Elektroantriebsmodul gegen ein herkömmliches Antriebsmodul mit Verbrennungsmotor austauschen.
Die Firma Better Place strebt an eine Infrastruktur mit Akkumulatorenwechselstationen an.
Einzelnachweise
- ↑ Focus Online: Elektroauto mindset – Sexy Stromer, 13. August 2008
- ↑ Hauke Schrieber: Günak wird grün, AutoBild 18.2.2007 http://www.autobild.de/artikel/fahrbericht-mindset_575828.html
- ↑ http://video.golem.de/mobil/1812/mindset-impressionen-der-vorstellung-in-berlin.html Video der Vorstellung des Prototyps (Dauer 1'12")
- ↑ Spirt Avert AG, Medienmitteilung vom 28. November 2008
- ↑ Stefan Anker: "Wir tun was Gutes für die Welt",, in Die Welt vom 26. Juli 2008, Seite A6, Autowelt
- ↑ a b Spirt Avert AG, Medienmitteilung vom 22. Dezember 2008
- ↑ Stefan Anker: "Wir tun was gutes für die Welt", Murat Günak, ehemaliger VW-Designchef, hat den Prototyp seines Elektroautos fertig und wünscht sich nun die Kooperation mit einem Autohersteller, in Die Welt vom 26. Juli 2008, Seite A6, Autowelt,
- ↑ Focus Online: Elektroprojekt Mindset – Sexy Stromer, 13. August 2008
- ↑ http://www.energieburo.ch/web/images/stories/medienmitteilungen/NZZ_080408.pdf
- ↑ http://www.mindset.ch/ dort Glossar, dort Commuter
- ↑ http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=5462
- ↑ http://www.auto-motor-und-sport.de/eco/mindset-hybrid-fahrfaehiger-prototyp-mit-range-extender-809008.html
- ↑ http://www.autobild.de/autobild-tv/?clip_id=1379
- ↑ Tages-Anzeiger 8. Januar 2008
- ↑ http://sc.tagesanzeiger.ch/dyn/news/wirtschaft/829909.html
- ↑ http://www.twike.de/
Weblinks
- Homepage der Mindset
- Bilderserien zum Mindset bei Autobild, Auto, Motor und Sport, FOCUS und Stern.
- Ausführlicher Bericht in der Schweizer Automobil Revue vom 19.12.2007
- Artikel im Focus Magazin [1]
- Artikel Süddeutsche Zeitung "Der Status-Stromer" [2]
- Artikel Süddeutsche Zeitung "Strom-David und Elektro-Goliath" [3]
- Bericht in der Neuen Zürcher Zeitung vom 4.8.2008
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