Musharraf

Musharraf
Pervez Musharraf (2004)

Pervez Musharraf (Urduپرویز مشرّف‎ ; * 11. August 1943 in Delhi, Indien) war von 2001 bis zu seinem Rücktritt 2008 Präsident Pakistans. 1999 hatte er in einem unblutigen Militärputsch die Regierungsgewalt übernommen, war aber durch seinen diktatorischen Regierungsstil und die außenpolitische Annäherung an die USA seit den Anschlägen vom 11. September 2001 innenpolitisch zunehmend unter Druck geraten.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Musharraf, der 1943 im heutigen Indien geboren wurde, zog 1947 mit seinen Eltern in den westlichen Landesteil, der das heutige Pakistan bildet. Nach seiner Schulausbildung in der Türkei, wo er bis 1956 lebte, kehrte er nach Pakistan zurück, entschied sich für eine militärische Laufbahn und besuchte ab 1961 die Militärakademie in Kakul und das Royal College of Defence Studies im Vereinigten Königreich. Außerdem wurde er in Ankara ausgebildet und lernte dort Türkisch. In zwei Kriegen kämpfte er gegen Indien und stieg zum Rang des Ersten Generals auf.

Machtübernahme

Als Armeegeneralstabschef übernahm er die Macht in einem militärischen Putsch am 12. Oktober 1999 und stellte den Premierminister Nawaz Sharif unter Hausarrest. Am 22. Dezember 1999 besetzte die pakistanische Regierung mit 30.000 Soldaten die Elektrizitätswerke der Nation. Dies half, die militärische Kontrolle über die Wirtschaft zu gewinnen. Am 20. Juni 2001 wurde er formell Präsident Pakistans. Am 28. November 2007 übergab er das Amt des Armeechefs, den Oberbefehl über die Streitkräfte, an Ashfaq Parvez Kayani.[1]

Politik und Ansehen

Musharraf wird von westlichen Regierungen als ein gemäßigter Führer angesehen, weil er bereit ist, mit dem Westen zusammenzuarbeiten. Er ist bisher Wirtschaftsreformen gegenüber offen gewesen und bereit, Pakistan zu modernisieren. Er gilt als weitgehend laizistisch (obgleich dies immer wieder zu Spannungen mit den Grundprinzipien der islamischen Republik Pakistan führen muss), und nach seiner Machtgewinnung wurden extremistische islamistische Elemente aus dem Militär und den Sicherheitskräften entfernt.

Nach den Anschlägen des 11. September 2001 in den USA hat Musharraf eng mit dem US-amerikanischen Präsidenten George W. Bush im so genannten Krieg gegen den Terror zusammengearbeitet und gilt seither als einer der engsten Verbündeten der USA im Kampf gegen den Terrorismus, weshalb er im eigenen Land als „Busharraf“ verspottet wird. Wegen der gespannten innenpolitischen Lage und wegen seiner Regierungskoalition mit gemäßigten Islamisten zögerte er dennoch lange, entschieden gegen die Extremisten im Grenzgebiet zu Afghanistan (Taliban, al-Qaida) und gegen gewaltverherrlichende islamische Religionsschulen vorzugehen.

Attentat

Am 14. Dezember 2003 überlebte Musharraf ein Attentat, bei dem eine Bombe detonierte, während sein hochgradig gesicherter Konvoi eine Brücke in Rawalpindi überquerte. Hierbei handelte es sich um den dritten Versuch dieser Art in seiner siebenjährigen Amtszeit.

In der Folgezeit fand im Rahmen der Cricket-Diplomatie eine zaghafte Annäherung an Indien statt.

Ausnahmezustand

Am 3. November 2007 erklärte Musharraf den Ausnahmezustand in Pakistan und setzte die Parlamentswahlen aus. Der Vorsitzende des Obersten Gerichtshofes in Pakistan, Iftikhar Chaudhry, wurde abgesetzt. Unmittelbar nach seiner Vereidigung als Präsident am 29. November 2007 verkündete er, dass der Ausnahmezustand am 16. Dezember ende. Als Wahltermin für die Parlamentswahlen gab er den 8. Januar 2008 an.[2][3] Der Termin wurde jedoch nach der Ermordung der Oppositionsführerin Benazir Bhutto auf den 18. Februar 2008 verschoben. Bei diesen Wahlen hat die Musharraf unterstützende Fraktion der Muslimliga (PML-Q) deutliche Stimmenverluste hinnehmen müssen; sie ist nur noch drittstärkste Kraft in der Nationalversammlung nach der PPP (Pakistan Peoples Party) der ermordeten Benazir Bhutto und der Muslimliga PML-N von Nawaz Sharif.[4]

Rücktritt

Am 7. August 2008 kündigten auf einer Pressekonferenz Pakistans Ex-Premierminister Nawaz Sharif und Asif Ali Zardari, stellvertretender Vorsitzender der Pakistanischen Volkspartei und Witwer der ehemaligen Premierministerin Benazir Bhutto, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Musharraf an. Weiterhin will die Volkspartei 60 Richter wieder einsetzen, die der Präsident entlassen hatte, nachdem das Oberste Gericht überprüfen wollte, ob Musharrafs Wiederwahl im Oktober 2007 legal war.[5] Sharif und Zardari werfen Musharraf Amtsmissbrauch vor und geben ihm die Schuld an der wirtschaftlichen Krise im Land, wie auch am Vertrauensverlust in der Bevölkerung. Musharraf kündigte daraufhin in einer Fernsehansprache am 18. August 2008 seinen Rücktritt an. Laut Medienberichten wurde ihm zuvor zugesichert, dass er das Land verlassen dürfte.[6]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 404
  2. NYtimes
  3. Schoresch Davoodi & Adama Sow: The Political Crisis of Pakistan in 2007EPU Research Papers: Issue 08/07, Stadtschlaining 2007, S.46f
  4. Die Zeit: Pakistan: Triumph für Bhutto-Partei vom 19. Februar 2008.
  5. vgl. Wergin, Clemens: Pakistans Regierung will Präsident Muscharraf absetzen bei welt.de, 7. August 2008 (aufgerufen am 8. August 2008)
  6. CNN: Musharraf says he will resign Pakistan presidency, vom 18. August 2008 (aufgerufen am 18. August 2008).

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