Panzinger

Panzinger

Friedrich Panzinger, (* 1. Februar 1903 in München; † 8. August 1959) war im Dritten Reich SS-Oberführer, Leiter der Amtsgruppe IV A des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA), von August 1943 bis Mai 1944 Führer der Einsatzgruppe A in Russland, ab 15. August 1944 Chef des Reichskriminalpolizeiamtes (Amt V des Reichssicherheitshauptamtes) und Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes.

Inhaltsverzeichnis

Schule und Studium

Als Abendschüler holte er 1923 die mittlere Reife und 1927 das Abitur nach. Er nahm an einer Einstellungsprüfung für den mittleren Polizeidienst teil und wurde als Polizist in das Beamtenverhältnis aufgenommen. Schließlich absolvierte er noch ein Jurastudium und legte 1932 sein Referendarexamen ab. Im Sommer 1933 trat Panzinger der SA bei. Trotz einer positiven Stellungnahme der NSDAP-Ortsgruppe im Oktober 1936 zum Aufnahmeantrag Panzingers konnte er aufgrund des allgemeinen Aufnahmestopps erst im Mai 1937 Parteimitglied werden.

Im Reichssicherheitshauptamt

Der SS trat Panzinger im April 1937 bei. Er war sodann als Kriminalkommissar in der Staatspolizeileitstelle Berlin beschäftigt. Ab August 1940 nahm er Aufgaben eines Sonderbeauftragten der Sicherheitspolizei bei der deutschen Gesandtschaft in Sofia wahr. Im September 1941 trat Panzinger seinen Dienst als Leiter der Amtsgruppe IV A (Gegnerbekämpfung) im Amt IV (Gegnererforschung und –bekämpfung – Gestapo: Leiter SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Heinrich Müller) des Reichssicherheitshauptamtes an. Die Amtsgruppe IV A Panzingers bestand aus den folgenden Referaten:

  • IV A 1 (Kommunismus, Marxismus und Nebenorganisationen, Kriegsdelikte, illegale und Feindpropaganda): SS-Sturmbannführer und Kriminaldirektor Josef Vogt, ab August 1941 SS-Hauptsturmführer Günther Knobloch
  • IV A 2 (Sabotageabwehr, Sabotagebekämpfung, Politisch-polizeiliche Abwehrbeauftragte, Politisches Fälschungswesen): SS-Hauptsturmführer und Kriminalkommissar Horst Kopkow
  • IV A 3 (Reaktion, Opposition, Legitimismus, Liberalismus, Emigranten, Heimtücke-Angelegenheiten - soweit nicht IV A 1): SS-Sturmbannführer und Krimininaldirektor Willy Litzenberg
  • IV A 4 (Schutzdienst, Attentatsmeldung, Überwachungen, Sonderaufträge, Fahndungstrupp): SS-Sturmbannführer und Kriminaldirektor Franz Schulz.

Bei den Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD

Vom 4. September 1943 bis Mai 1944 führte Panzinger als Nachfolger von Dr. Humbert Achamer-Pifrader die aus drei Einsatzkommandos bestehende Einsatzgruppe A, die im Bereich der Heeresgruppe Nord im Baltikum und Weißruthenien als Teil der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD die sicherheitspolizeilichen Belange wahrzunehmen und zugleich die Liquidierung aller potentiellen Gegner und der „rassisch Minderwertigen“ durchzuführen hatte. In dieser Zeit war Panzinger auch der Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD im Reichskommissariat Ostland mit Sitz in Riga.

Wieder im Reichssicherheitshauptamt

Eine Umorganisation des Amtes IV des RSHA im März 1944 führte zu einer Aufteilung der Fach- und Gebietsabteilungen zwischen Panzinger und Achamer-Pifrader. Während Panzinger mit der Amtsgruppe IV A die Leitung der Fachabteilungen übernahm, kamen zur Amtsgruppe IV B unter Achamer-Pifrader die Gebietsabteilungen. Panzingers Amtsgruppe stellte sich nun wie folgt dar:

  • IV A 1 (Opposition): Panzinger
  • IV A 2 (Sabotage): Horst Kopkow
  • IV A 3 (Abwehr): SS-Obersturmbannführer Walter Huppenkothen
  • IV A 4 (Weltanschauliche Gegner): SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann
  • IV A 5 (Sonderfälle): SS-Standartenführer und Regierungsdirektor Rudolf Mildner
  • IV A 6 (Kartei, Akten, Schutzhaft): SS-Sturmbannführer, Regierungs- und Kriminalrat Dr. Emil Berndorff

Ab 15. August 1944 führte Panzinger das Amt V (Reichkriminalpolizeiamt) des RSHA als Nachfolger von Arthur Nebe, der aufgrund seines Wissens um das Hitlerattentat vom 20. Juli 1944 untertauchte.

Panzinger war mitverantwortlich für die Ermordung des kriegsgefangenen französischen Generals Maurice Mesny am 19. Januar 1945 in der Nähe des Ortes Nossen (Sachsen).

Nach dem Krieg

Nach Kriegsende geriet Panzinger in sowjetische Kriegsgefangenschaft. In Moskau wurde er am 22. März 1952 zu zwei Mal 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Als sogenannter Nichtamnestierter wurde er jedoch im September 1955 nach Deutschland entlassen.

Als Regierungsrat zur Wiederverwendung (z. Wv.) wurde Panzinger Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes unter Reinhard Gehlen und war später (1959) bei einer Treuhandgesellschaft angestellt.

Panzinger verübte bei seiner Verhaftung am 8. August 1959 Suizid.

Literatur

  • Wildt, Michael: Generation des Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes. Hamburg , Hamburger Edition HIS Verlagsges. mbH, 2002, ISBN 3-930908-75-1
  • Eine deutsche Karriere: Friedrich Panzinger; Protokoll des Verhörs des Gefangenen Panzinger, Friedrich vom 12. Februar 1947 in „Utopie kreativ“, 1995 (Förderverein Konkrete Utopien e.V. Berlin) ISSN 0863-4890
  • Dr. Sebastian Weitkamp: Braune Diplomaten, Dietz Verlag, Bonn 2008, ISBN 3-8012-4178-5



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