Plaggen

Plaggen
Rekonstruktion einer Plaggenhütte im Alpener Ortsteil Bönninghardt

Plaggen (niederdeutsch zu Placken) sind rechteckige, durchwurzelte Oberbodenstücke mit der Gras- oder Heidekrautvegetation von rund vier bis sechs Zentimeter Stärke. Sie wurden in Nordwestdeutschland, Jütland und in den östlichen Niederlanden vom 9. Jahrhundert bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, teilweise bis in die 1930er Jahre, auf ackerbaulich nicht genutzten Flächen gestochen (Plaggenstechen, Plaggenhieb) und als Streu für die Ställe oder Baumaterial verwendet. Zusammen mit dem Mist bildete das Material dann einen organischen Dünger, der vor allem auf Eschfluren aufgetragen wurde. Durch den hohen mineralischen Anteil des Düngers bildete sich mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Millimeter pro Jahr ein Mineralbodenhorizont. In der Bodenkunde werden die so entstandenen Böden Plaggenesche genannt. Darüber hinaus wurden in manchen Gegenden Plaggen auch für den Bau von einfachen Hütten genutzt.

Für die für das Plaggenstechen genutzten Teile der Gemarkung bedeutete dies dagegen eine gravierende Bodendegradation. Sie degenerierten zu Heideflächen, teilweise mit Flugsanden und Dünenbildung, die nur noch extensiv genutzt werden konnten.

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  • Plaggen — (Bülten), die mittels der Plaggen oder Bültenhaue abgeschälten Streifen von Rasen oder Heide, die man in länglich viereckige Stücke zerschneidet, um sie, schräg gegeneinander gestellt, in langen Reihen (Plaggenmieten) zu trocknen und als Streu zu …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Plaggen — Plaggen, Bülten, im nordwestl. Deutschland die mit der Plaggen oder Bültenhacke abgeschälte Oberfläche des Sand , Moor und Heidebodens; als Streu in den Ställen, bes. der Schafe, verwendet oder mit Jauche u.a. kompostiert …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Plaggen soil — Plaggen is a type of soil created in Europe in the Middle Ages, as a result of so called plaggen cultivation , created by cutting turves of peat from an outfield area, and then using them as bedding for cattle; the slurry soaked bedding was later …   Wikipedia

  • Plaggenesch — Plaggen|esch,   Plaggenboden, Eschboden, anthropogener Bodentyp v. a. in den Geestgebieten Nordwestdeutschlands und der östlichen Niederlande, entstanden durch die hier seit dem frühen Mittelalter, zum Teil auch seit vorchristlicher Zeit, bis ins …   Universal-Lexikon

  • Plaggenesch — Profil eines Plaggeneschs: 40 50 cm Auflage über fossilem Podsol Der Plaggenesch ist ein fast ausschließlich auf den Raum Nordwestdeutschland beschränkter Bodentyp, der durch eine über Jahrhunderte durchgeführte Plaggendüngung entstand. Da die… …   Deutsch Wikipedia

  • Plaggenhieb — Besenginsterheide in der Eifel die Besenginsterheide verdankt ihr Entstehen einer Wechselwirtschaftsform mit Plaggendüngung Als Plaggendüngung oder Plaggenhieb bezeichnet man eine Form der Düngung von Ackerland, die Plaggenwirtschaft ist eine… …   Deutsch Wikipedia

  • Plagge, die — Die Plagge, plur. die n, ein nur auf dem Lande, am häufigsten aber in Niedersachsen übliches Wort, ausgestochene flache Stücke Rasen zu bezeichnen. Plaggen mähen oder hauen, dergleichen Rasenstücke mit einer Querhacke ausbauen. Plaggen stechen,… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • D28 Lüneburger Heide — Gemeiner Wacholder (Juniperus communis) in der Lüneburger Heide Sandheidefläche in der Lüneburger Heide …   Deutsch Wikipedia

  • Fertigrasen — Rollrasen Eine Grassode ist ein ausgestochenes, viereckiges Stück Grasnarbe. In feuchten Gegenden wurden diese Stücke als Baustoffe für Häuser verwendet. Historisch wurden z. B. in Island Grassoden als Baustoff für so genannte Grassodenhäuser… …   Deutsch Wikipedia

  • Grassoden — Rollrasen Eine Grassode ist ein ausgestochenes, viereckiges Stück Grasnarbe. In feuchten Gegenden wurden diese Stücke als Baustoffe für Häuser verwendet. Historisch wurden z. B. in Island Grassoden als Baustoff für so genannte Grassodenhäuser… …   Deutsch Wikipedia

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