Reichssturmfahne

Reichssturmfahne
Bannerträger mit der Reichssturmfahne(Chorfenster im Berner Münster)
Graf Wernher von Homberg hat in seinem Verband einen Fahnenträger, der die Reichssturmfahne trägt (Codex Manesse)
Wappen Württembergs, 1510 (Johanneskirche in Weinsberg. Schlussstein im Ostchor)

Die Reichssturmfahne war eine ursprünglich im Krieg als Feldzeichen des Heiligen Römischen Reiches geführte Reiterfahne.

Inhaltsverzeichnis

Aussehen

Sie hatte die Form einer kleineren Version des Reichsbanners des Heiligen Römischen Reiches, schwarzer Adler in quadratischem goldenem Feld, mit einem oben angebrachten zusätzlichen roten Schwenkel, d. h. einem fest mit dem Banner verbundenen langen Wimpel. Während der Kreuzzüge führten die Ritter des Heiligen Römischen Reiches zum Reichsbanner zusätzlich ein Banner mit silbernem Kreuz in rotem Feld. Es diente der Unterscheidung der verschiedenen kriegführenden Heere. Nach den Kreuzzügen wurde diese Fahne durch die schwarz-goldene Reichssturmfahne ersetzt – an die rot-weiße Fahne erinnert der Schwenkel, der zum älteren Adler trat.

Später gab es auch andere Reichssturmfahnen, wie das Sankt-Georgs-Banner (rotes Kreuz auf Silber) der schwäbischen und fränkischen Ritterschaft,[1] oder einem schwarzen Adler in blauem Feld, nach 1692 zur Zeit der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg als Inhaber des Reichsbanneramts der neunten Kur.[2]

Geschichte der Bannerträger

Der Träger der Reichssturmfahne Hartmann I. von Grüningen, der 1252 mit der Reichsstadt Markgröningen belehnt wurde, brachte die Fahne dorthin. Sie blieb auch dort, nachdem der Heimfall des Lehens erzwungen worden war. Mit dem Kauf Markgröningens durch Graf Ulrich III. von Württemberg 1336 ging auch die Reichssturmfahne an Württemberg. Die Württemberger betrachteten die zunehmend symbolische Trägerschaft der Reichssturmfahne als ein Reichsamt ähnlich den Erzämtern des Reiches. Seit der Erhebung von Eberhard im Bart zum Herzog 1495 gehörte die Reichssturmfahne zum Wappen Württembergs und verschwand daraus erst nach Ende des Reiches mit der Vereinfachung des königlich-württembergischen Wappens 1817.

Als 1692 die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg zu Kurfürsten erhoben und ihnen dabei das nun offiziell geschaffene Amt des Erzbannerträgers übertragen wurde, protestierte Württemberg und erreichte, dass das Amt ab 1706 nicht mehr vergeben war. 1718 verlieh Herzog Eberhard Ludwig seiner in der Nähe Markgröningens gegründeten neuen Residenz Ludwigsburg als Stadtwappen die Reichssturmfahne in blauem Feld. Im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde Württemberg die Kurwürde verliehen und es erhielt nun das Erzbanneramt. 1806 verzichtete Württemberg mit Beitritt zum Rheinbund, der auch das Ende des Reichs bedeutete, auf alle Reichswürden.

Andere wichtige Fahnen des Reiches

War flag of the Holy Roman Empire (1200-1350).svg Die frühe Reichsfahne der Kreuzritterzeit: Auf Rot das silberne Kreuz, später allgemeines Symbol der Reichszugehörigkeit (hier als Sturmfahne)
Reichsrennfahne heraldic.svg Reichsrennfahne: Schwarz-weiß geteilt mit gekreuzten roten Schwertern. Neben der Reichsfahne (dem eigentlichen Reichsbanner) und dem Reichsschwert hatte der Reichsmarschall die Rennfahne an der Seite des Kaisers zu tragen. (hier: Wappenbanner)
Catholic League (Germany).svg

Als Feldzeichen verwendet das Heer der Neuzeit seit dem 16. Jh. zusätzlich noch das Madonnenbild[3][4] (hier: bayerische Madonna, Katholische Liga, Dreißigjähriger Krieg)

Literatur

  • Wolfgang Burr: Die Reichssturmfahne und der Streit um die hannoversche Kurwürde, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte, Bd. 27, 1968, S. 245-316
  • Johann Georg Kulpis: Gründliche Deduction, daß dem hochfürstl. Haus Würtemberg das Reichs-Panner- oder Reichs-Fendrich-Ambt, Praedicat und Insigne, schon von etlichen Seculis her, rechtmäßig zustehe und dahero ohne Kränckung desselben althergebrachter Praerogativen, keinem anderen Chur- oder Fürsten erst neuerlich verliehen werden könne. Lorber, Stuttgart 1693 (Digitalisat)
  • Douglas Miller, John Richards, Gerry Embleton: Landsknechte 1486–1560. Siegler, Sankt Augustin 2004, ISBN 3-87748-636-3
  • Johann Christoph Weinland: De Vexillo Imperii primerio, vulgo Reichs-Sturm-Fahne. Commentatio academica, Halle 1727, abgedruckt in: Johann Reinhard Wegelin (Hrsg.): Thesaurus rerum Suevicarum, seu, Dissertationum selectarum volumen tertium. Lindau 1757, S. 508–537 (Digitalisat)

Weblinks

 Commons: Flaggen und Fahnen des Heiligen Römischen Reiches – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Banner. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 2, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, ‎ S. 343.
  2. Fahne [1]. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 6. Leipzig 1906, S. 267–268. (zeno.org)
  3. Peter Diem: Rot-Weiß-Rot durch die Jahrhunderte. Die wahre Geschichte der österreichischen Farben. Abgerufen am 15. Mai 2009 (auch pdf).
  4. Alfred Mell: Die Fahnen der österreichischen Soldaten im Wandel der Zeiten. Bergland, Wien 1962, S. 29 – nach Diem

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