Topikalisierung

Topikalisierung

Die Topikalisierung (von griech. τόπος/tópos „Platz“, „Ort“) oder auch Vorfeldbesetzung oder engl. dislocation bezeichnet in der allgemeinen Sprachwissenschaft eine Bewegung auf der Satzebene, bei der Satzglieder, vornehmlich Nominal- bzw. Präpositionalphrasen, aus ihrer Grundsatzstellung an eine diskurspragmatisch hervorgehobene, das heißt für die Bedeutung des Gesamtsatzes entscheidende Position innerhalb des Satzes bewegt werden.

Topikalisierung kann dazu dienen, einen bestimmten Teil einer Aussage durch Erstnennung als Thema bzw. Topik hervorzuheben (s. auch Rhema bzw. Fokus als Pendant dazu).

Beispiele

In vielen Sprachen (z. B. Englisch oder Deutsch) ist die Topikalisierung ein obligatorischer Prozess, im unmarkierten Fall, das heißt ohne erzwungene Hervorhebung, wird dabei meist das Subjekt des Satzes vorangestellt:

  (1)   [Hans]Subj geht tSubj [in das Haus]Obj.

Soll der Präpositionalphrase innerhalb des Satzes eine hervorgehobene Bedeutung beigemessen werden, wird sie anstelle des Subjektes an den Anfang des Satzes bewegt:

  (2)   [In das Haus]Obj geht [Hans]Subj tObj.

Das t in diesen Beispielen kennzeichnet dabei die Positionen, aus denen die Satzelemente herausbewegt wurden (so genannte Spuren, engl. trace).

In deutschen Nebensätzen dagegen findet keine Topikalisierung statt. Konstruktionen, in denen andere Elemente als das Subjekt an strukturell höchster Position stehen, entstehen hier durch den Prozess des Scrambling:

Oft finden sich ab der Stelle, an der das topikalisierte Satzglied normalerweise durch die Regeln der Syntax der Sprache stehen müsste, ein Platzhalter in Form eines Pronomens o. Ä., das dieses Satzglied syntaktisch vertritt. Beispiel (3) zeigt Linksversetzung:

  (3)   Das Buch, das lese ich bestimmt nochmal.

Beispiel (4) zeigt Rechtsversetzung:

  (4)   Der ist ziemlich stark, der Kaffee.

Manchmal wird von Topikalisierung auch gesprochen, wenn nicht im strengen Sinn ein syntaktischer Prozess gemeint ist, sondern lediglich der Diskursgegenstand, über den etwas prädiziert werden soll (das Topik bzw. Thema), durch bestimmte sprachliche Strukturen festgehalten wird:

  (5)   Was die Regierung betrifft, so leistet sie schlechte Arbeit.

Literatur und Quellen

  • Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 2. Aufl. Kröner, Stuttgart 1990; ISBN 3-5204-5202-2
  • Helmut Glück (Hrsg.): Metzler-Lexikon Sprache. 4. Auflage, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart, 2010, ISBN 3-476-02335-4
  • Knud Lambrecht: Dislocation. In: Martin Haspelmath et al. (Hrsg.): Language Typology and Language Universals: An International Handbook (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft. Bd. 20). Bd. 2, S. 1050–1078. Walter de Gruyter, Berlin u. New York 2001.

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