- Burg Hanstein
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Burg Hanstein Burgruine Hanstein, im Vordergrund: Rimbach
Burgentyp: Höhenburg Erhaltungszustand: Ruine Ort: Bornhagen-Rimbach Geographische Lage 51° 20′ 22″ N, 9° 56′ 24″ O51.3394444444449.94370Koordinaten: 51° 20′ 22″ N, 9° 56′ 24″ O Höhe: 370 m ü. NN Die Burg Hanstein ist eine frühmittelalterliche Burgruine bei Bornhagen im thüringischen Landkreis Eichsfeld und gilt als eine der größten Burgruinen Mitteldeutschlands.
Inhaltsverzeichnis
Geographische Lage
Die Ruine liegt auf etwa 390 m ü. NHN[1] im äußersten Norden des Höhenzugs Höheberg, in der Nähe des Dreiländerecks Thüringen, Niedersachsen und Hessen und der Burg Ludwigstein. Direkt unterhalb der Burg liegt das zur Gemeinde Bornhagen gehörende Dorf Rimbach.
Geschichte
Die ältere Annahme einer ersten urkundlichen Erwähnung der Burg Hanstein im 9. Jahrhundert in den "Traditionen" (= Schenkungsnotizen) des Klosters Corvey ist durch die neuere Forschung überholt; der dort erwähnte Ort "Haanstedihus" bezeichnet eine der beiden heute bestehenden Ortschaften namens "Hanstedt" (bei Uelzen bzw. bei Lüneburg). Die älteste bislang bekannt gewordene Erwähnung der Burg Hanstein gibt vielmehr erst Lampert von Hersfeld anlässlich ihrer Zerstörung durch Heinrich IV. im Jahre 1070. Die Burg, die im Besitz des Grafen Otto von Northeim war und sich möglicherweise an anderer Stelle auf dem Höheberg befunden hat als die heutige Ruine, muss also einige Zeit vor 1070 errichtet worden sein. Ihre Zerstörung durch den König zeigt ihre Bedeutung für diesen Teil des hochmittelalterlichen Stammesherzogtums Sachsen und für den sächsischen Adel (vgl. Sachsenkrieg (Heinrich IV.)).
Vermutlich aus dem Erbe der 1144 ausgestorbenen Grafen von Northeim gelangte die Burg in welfischen Besitz. Im Teilungsvertrag der Söhne Heinrichs des Löwen von 1202 ist sie genannt, durch Heinrichs jüngsten Sohn Otto IV. gelangte sie 1209 an den Mainzer Erzbischof. In dessen Auftrag begannen Heinrich und Lippold von Hanstein 1308 mit dem Bau der heutigen Burg – "erst aus Holz, dann nach und nach aus Stein". Im erblichen Besitz der Burg als strategisch wichtige Grenzfestung des mainzischen Eichsfeldes betrieben die Herren von Hanstein im 14. und 15. Jahrhundert eine planvolle Politik des Besitzerwerbs und der Besitzarrondierung, wodurch schließlich das adlige Gericht Hanstein entstand, das 21 Dörfer umfasste. Da den Herren von Hanstein der Erwerb einer Stadtherrschaft nicht gelang, waren sie im 14. und 15. Jahrhundert von der wirtschaftlichen Entwicklung abgeschnitten und sahen sich zeitweise zum Raubrittertum gezwungen. Dagegen und zum Schutz der Handelsstraße durch das Werratal ließ Landgraf Ludwig I. von Hessen im Jahre 1415 die Burg Ludwigstein errichten.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg von schwedischen Truppen teilweise zerstört und seitdem nicht mehr dauerhaft bewohnt. Sie diente jedoch noch lange als Treffpunkt der verschiedenen Linien des Hauses Hanstein. Zu diesem Zweck wurde zwischen 1838 und 1840 ein neuer Saal erbaut. Zudem wurden Teile der Burg vorübergehend als Gefängnis genutzt.
Durch die direkte Lage an der innerdeutschen Grenze wurde der Nordturm als Beobachtungsposten der DDR-Grenztruppen genutzt. Seit 1985 werden wieder denkmalpflegerische Arbeiten an der Ruine vorgenommen, unterstützt vom ortsansässigen Heimatverein.
In der katholischen Kirche von Bornhagen-Rimbach ist der Dreiflügelaltar aus der ehemaligen Burgkapelle ausgestellt.
Heute
Die Burgruine Hanstein war bis weit in das 20. Jahrhundert ein beliebtes Wanderziel Göttinger Studenten. Alljährlich findet am ersten Augustwochenende ein Mittelalterfest statt, das sich großer Beliebtheit erfreut und über 13.000 Besucher anzieht. Touristische Projekte, die zur Erschließung der Burg und ihrer Geschichte dienen, sind beispielsweise der Hansteiner Burgfrieden und ein nach altem Vorbild angelegter Weinberg sowie ein Kräutergarten. Unterhalb der Burg Hanstein befindet sich der Klausenhof, ein altes Wirtshaus mit historischer Herberge, das in enger Verbindung mit der Burg Hanstein steht und einst zu deren Gütern zählte.
Literatur
- Hans-Dieter von Hanstein (Hrsg.): Burg Hanstein. Zur 700-jährigen Geschichte einer eichsfeldischen Grenzfeste. Verlag Mecke-Druck, Duderstadt (Eichsfeld) 2008. ISBN 978-3-936617-48-1
- K. Ph. von Hanstein: Urkundliche Geschichte des Geschlechts der von Hanstein in dem Eichsfelde, in Preußen (Provinz Sachsen): nebst Urkundenbuch und Geschlechtstafeln. Bd. 1 & 2, Urkundenbuch, Cassel, 1856/7.
- L. v. Hersfeld, Annalen, A. Schmidt e. a. (Hrsg.), Darmstadt, 4. Aufl. 2000 (Freiherr von Stein-Gedächtnisausgabe).
- Aloys Schmidt (Bearb.): Urkundenbuch des Eichsfeldes, Teil 1: Anfang saec. IX bis 1300, Magdeburg. (=Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und des Freistaates Anhalt, Nr. 13), 1933.
- Peter Aufgebauer: "... auf unserem und unser Mainzer Kirche Berg, genannt Hanenstein". Zur 700-jährigen Geschichte einer eichsfeldischen Grenzfeste, in: Eichsfeld-Jahrbuch 16, 2008, S. 13-20 [Festvortrag zur 700-Jahrfeier]. ISBN 978-3-936617-90-0
- Heinrich Lücke Der Hanstein in Wort und Bild, Jena 1926
Briefmarkenmotiv
Am 3. Februar 2011 erschien von der Deutschen Post eine 90 Cent Briefmarke mit dem Motiv Zweiburgenblick im Werratal, das die Burg Ludwigstein in Hessen und die Burgruine Hanstein in Thüringen zu beiden Seiten der Werra zeigt.
Einzelnachweise
- ↑ Thüringer Landesvermessungsamt (Hrsg.): Amtliche topographische Karten Thüringen 1:10.000. Eichsfeldkreis LK Nordhausen, Kyffhäuserkreis, Unstrut-Hainich-Kreis. In: CD-ROM Reihe Top10. CD 1, Erfurt 1999.
Weblinks
Commons: Burg Hanstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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