Burg Scharfeneck (Pfalz)

Burg Scharfeneck (Pfalz)
Burg Neuscharfeneck
Entstehungszeit: um 1232
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Ort: Flemlingen
Geographische Lage 49° 15′ 9,8″ N, 8° 1′ 18,5″ O49.2527222222228.0218194444444500Koordinaten: 49° 15′ 9,8″ N, 8° 1′ 18,5″ O
Höhe: 500 m ü. NN
Burg Neuscharfeneck (Rheinland-Pfalz)
DEC
Burg Neuscharfeneck
Torturm von außen
Torturm vom Innenhof
Torturm Richtung Pallas
Schildmauer Richtung Pallas

Die Burg Neuscharfeneck ist eine Burgruine über Ramberg und Dernbach auf der Gemarkung einer Exklave von Flemlingen im Landkreis Südliche Weinstraße in Rheinland-Pfalz.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Die Ruine befindet sich in der Pfalz. Sie liegt in knapp 500 Metern Höhe.

Geschichte

Die Anlage wurde um 1232 durch Johann von Scharfeneck-Metz als Vorwerk für die heute völlig zerstörte Burg Alt-Scharfeneck errichtet. Die Scharfeneck-Metz gehörten einer Seitenlinie der älteren Scharfenecker an, die zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Burg Alt-Scharfeneck am Eingang des Hainbachtals bei Frankweiler erbaut hatten. Nach dem Aussterben der Hauptlinie um 1250 erbten die Ritter von Scharfeneck-Metz auch die Burg Alt-Scharfeneck. Bereits im späten Mittelalter war Neu-Scharfeneck der Hauptsitz der Familie, während Alt-Scharfeneck zerfiel.

Die erste Burganlage des 13. Jahrhunderts war wesentlich kleiner als die heutige Ruine. Von der hochstaufischen Burg sind nur geringe Reste erhalten.

Die Herren von Scharfeneck stammten aus der Reichministerialität im Umfeld des Trifels. Nach dem Ende der Stauferherrschaft konnten sie ihre unabhängige Stellung nicht mehr halten und lehnten sich an die Kurpfalz als den mächtigsten Territorialherren im Pfälzer Raum an. 1363 erhielt der Kurfürst das Öffnungsrecht an der Burg. Die Scharfenecker trugen ihm im selben Jahr ihre Burg als Lehen an und erhielten sie als Mannlehen zurück. Aus ehemaligen Reichsvasallen wurden Dienst- und Lehensleute der Kurfürsten von der Pfalz. Im 14. Jahrhundert verschlechterte sich die finanzielle Lage der Scharfenecker zusehends, woraufhin sie Teile ihrer Burg an die Ritter von Kirrweiler und an das Bistum Speyer verpfändeteten. Sie traten auch häufig in kurpfälzischen Kriegs- oder Verwaltungsdienst ein. 1416 starb mit Friedrich von Scharfeneck-Metz der letzte des Geschlechtes und die Burg fiel an die Wittelsbacher Kurfürsten von der Pfalz.

Kurfürst Friedrich I. der Siegreiche ließ die Burg großräumig ausbauen. Unter seiner Herrschaft entstanden die Vorburg, die Schildmauer und der große Wohnbau, der das kleine Ritterhaus auf dem Burgfelsen ablöste. Diese erste Wohnanlage wurde abgerissen. 1469 stiftete er seinem nicht standesgemäßem Sohn Ludwig (1463-1524) (aus der Verbindung mit der Augsburgerin Clara Dett) eine Herrschaft mit der Burg Neu-Scharfeneck als Zentrum.

Ludwig war ab 1477 "Herr von Scharfeneck". 1488 erhielt er noch Stadt und Burg Löwenstein im Landkreis Heilbronn. Er nannte sich fortan Graf von Löwenstein, Herr von Scharfeneck und war Begründer des späteren Fürstenhauses Löwenstein-Wertheim. 1525 wurde die Burg im Bauernkrieg vom Nußdorfer Bauernhaufen niedergebrand, da es in der Burg kein Pulver für die Verteidigung gab. Nach dem Bauernkrieg wurde die Burg in Fronarbeit als Schlossanlage wieder aufgebaut. In den Händen der Löwenstein-Scharfeneck verblieb die Burg bis zu ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg. Sie wurde um 1633 von den Schweden gesprengt und ist seitdem Ruine. 1828 gelangte sie durch die Teilung der Haingeraden in den Besitz der Gemeinde Flemlingen.

Anlage

Die gesamte Anlage misst ca. 150 x 60 Meter. Ihre Schildmauer ist mit 58 Metern Länge und 12 Metern Stärke die mächtigste der Pfalz. Innerhalb der Schildmauer sind viele begehbare Gänge und Kammern erhalten.

Es gibt noch einen teilweise erhaltenen Torbau, diverse Wasserbecken und Teile der Ringmauer zu besichtigen.

Die Oberburg auf dem zentralen Felsen ist leider nicht erhalten, wohl aber eine unzugängliche Felsenkammer und der Brunnenbau.

Sagen

Laut der Sage treibt der böse Ritter Einaug von Scharfeneck, welcher vor langer Zeit von seinem eigenen Knecht ermordet worden ist, auf der Burg Scharfeneck immer noch sein Unwesen, weil er seit seiner Ermordung keine Ruhe mehr findet. Von Zeit zu Zeit taucht er in dunklen Nächten auf dem Schlossberg, auf dem die Burg steht, und im nahe liegenden Ort Dernbach auf und vergrault alle die unehrlich sind.[1]

Quellen

  1. Die Rheinpfalz - Südwestdeutsche Zeitung - 16. Juni 2007

Literatur

  • Rolf Übel: Burg Neuscharfeneck bei Dernbach, Kreis Südliche Weinstraße. Verlag für Burgenkunde und Pfalzforschung, Landau 1998 ISBN 3-929893-04-5
  • Alexander Thon (Hrsg.): „... wie eine gebannte, unnahbare Zauberburg“. Burgen in der Südpfalz. 2., verbesserte Aufl. Regensburg 2005, S. 122-127. ISBN 3-7954-1570-5

Weblinks


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