François Marcantoni

François Marcantoni

François Marcantoni (* 28. Mai 1920 in Alzi, Korsika; † 17. August 2010 in Paris) war ein französischer Widerstandskämpfer der Résistance, prominenter Krimineller und Buchautor.

Inhaltsverzeichnis

Leben

François Marcantoni war der Sohn von Pierre-Louis Marcantoni und von Marie-Anne Bernardi. Der Vater starb, als François acht Jahre alt war. Seine Mutter zog mit ihm nach Toulon. Marcantoni arbeitete dort im Arsenal des Militärhafens, als die deutsche Invasion über Frankreich hereinbrach. 1943 schloss er sich der Résistance an und ging in den Untergrund. Er organisierte Waffen, Sprengstoff und Fahrzeuge, sprengte einen Eisenbahnzug in die Luft, und wurde bei einer Handstreichaktion gegen eine Befestigung schwer verletzt. 1944 wurde er von der Gestapo verhaftet, die jedoch keine Informationen aus ihm herauspressen konnte. Für seine Verdienste im Widerstand wurde er mit dem Croix de Guerre und der Médaille de la Résistance ausgezeichnet.

Nach Kriegsende entschloss er sich, auf großem Fuß zu leben. Seinen eigenen Worten nach zog er „Champagner der Limonade und Kaviar den Linsen vor“.[1] Er schmuggelte Zigaretten, gab sich als Polizist aus, stahl Gemälde und Juwelen, betätigte sich als Zuhälter und Erpresser. Er wurde Fahrer der legendären Bankräuberbande Gang des tractions avant, die mit ihren Banküberfällen und Fluchtfahrten im Traction Avant zum romantisierend verklärten Vorbild zahlreicher Kriminalfilme wurde. Seine Aktivitäten trugen ihm mehrere Verurteilungen und Gefängnisaufenthalte ein.

Er wurde einer der Gangsterfürsten jener Epoche, gemeinsam mit Paul Carbone und François Spirito, Mémé Guérini, Jo Attia, Gaëtan Zampa, Pierre Loutrel, genannt Pierrot-le-Fou, und Francis Vanverberghe genannt Francis le Belge, mit denen er gut bekannt war. Vanverberghe war am Tag seiner Ermordung, dem 27. September 2000, mit Marcantoni zum Abendessen verabredet.

Marcantoni versuchte, nach außen das Bild eines Gentleman-Verbrechers zu vermitteln, und rühmte sich, seit der Befreiung von der deutschen Besatzung keinen Tropfen Blut vergossen zu haben. Er war beteiligt an einer vornehmen Bar in der Nähe der Champs-Elysées, die von Toto Rossi, den Bruder des Sängers Tino Rossi, betrieben wurde, und suchte und fand den Kontakt zu Stars und Prominenten außerhalb der Gangsterwelt. Brigitte Bardot, Alain Delon, Michel Simon, Jean Marais, Charles Aznavour, Jean-Paul Belmondo, Robert Hossein, Ava Gardner, Fernandel und Erich von Stroheim zählten zu seinen Bekannten.

1968 geriet er jedoch unter Mordverdacht. Ein 21-jähriger Leibwächter von Alain Delon, Stéphan Markovic, wurde erschossen aufgefunden. Der Tote hatte einen Brief hinterlassen, der Delon und Marcantoni belastete. Wenn er, Markovic, ermordet würde, so sei dies die Schuld von Delon und Marcantoni, stand darin.[2] Die Angelegenheit weitete sich zur Staatsaffäre aus, weil Markovic im Besitz von gefälschten Fotos war, die die Frau des Staatspräsidenten Georges Pompidou in Verbindung mit der Unterwelt brachten. Marcantoni wurde elf Monate in Untersuchungshaft genommen, bevor das Verfahren gegen ihn schließlich eingestellt wurde.

Der Mord an Markovic wurde bis heute nicht aufgeklärt; genauso wenig die genauen Hintergründe der Intrige gegen Georges Pompidou. Marcantoni schrieb Bücher mit reißerischen Titeln, ohne jedoch in der Sache zur Aufklärung beizutragen. Er schrieb, Markovic habe versucht, Komplizen in einem Drogengeschäft zu hintergehen, blieb jedoch überzeugende Belege schuldig.

Im Alter von 85 Jahren wurde Marcantoni zum letzten Mal in einer Schutzgeldaffäre beschuldigt; die Angelegenheit verlief folgenlos.

Marcantoni war ein gläubiger Katholik, der täglich betete. 2006 schrieb er, dass Jesus schließlich auch dem Barabbas die Sünden vergeben habe.[3] Er wurde in Toulon beigesetzt.

Buchveröffentlichungen

  • Mit Christian Chatillon: Strass et voyous. Ed. Les Portes du Soleil, 2009. ISBN 978-2358080132.
  • Mit Serge Garde: Monsieur François. Le milieu et moi de A à Z. Le Cherche-midi, Paris, 2006. ISBN 978-2749105918
  • Un Homme d’honneur. De la Résistance au milieu. Balland, Paris, 2001. ISBN 978-2715813793
  • Mais qui a tué Markovic ?. P. M. Favre, Lausanne, 1985. ISBN 978-2828901905.
  • La Conjuration. L’affaire qui a fait trembler la Ve République. O. Orban, Paris, 1976.

Literatur

  • Franck Johannès: François Marcantoni. Le Monde, 24. August 2010, S. 21

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. « (j'ai) préféré le champagne à la limonade et le caviar aux lentilles ». Zitat laut Le Monde, a. a. O.
  2. « Si je suis assassiné, ce sera 100% la faute d'Alain Delon et de son parrain François Marcantoni », France Info, abgerufen am 18. September 2010.
  3. « Jésus n'avait-il pas pardonné à Barabbas ? » Zitat laut Le Monde, a. a. O.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • François Marcantoni — Portrait de François Marcantoni Surnom Monsieur François Commandant Naissance 28 mai 1920 Alzi Corse ( …   Wikipédia en Français

  • Francois Marcantoni — François Marcantoni Portrait de François Marcantoni par Eric Menneteau Résistant, puis figure du Milieu de Pigalle dès les années 1950, François Marcantoni alimente l actualité judiciaire à partir de janvier 1969 pour sa prétendue implication… …   Wikipédia en Français

  • Francois Marcantoni — François Marcantoni (May 28th 1920, Corsica) is a Corsican gangster, member of French resistance, a bank robber and a writer. WWIIIn 1942, during World War Two, Marcantoni participated in a sabotage operation in Toulon. He refused to collaborate… …   Wikipedia

  • Affaire Markovic — L affaire Markovic est une affaire politique française, greffée sur un fait divers. Le 1er octobre 1968, dans la commune d’Élancourt (Yvelines), le corps décomposé de Stevan Markovic, enveloppé dans une housse de matelas, est retrouvé… …   Wikipédia en Français

  • The Markovic affair — was a political scandal in France in the late 1960s, involving French President George Pompidou and movie star Alain Delon.Death of Stevan MarkovicOn October 1, 1968, in the village of Élancourt, Yvelines, on the western outskirts of Paris, the… …   Wikipedia

  • Markovic affair — The Markovic affair was a political scandal in France in the late 1960s, involving French President George Pompidou and movie star Alain Delon. Death of Stevan Markovic On October 1, 1968, in the village of Élancourt, Yvelines, on the western… …   Wikipedia

  • Jacques Isorni — Parlementaire français Date de naissance 3 juillet 1911 Date de décès 8 mai 1995 Mandat Député 1951 1958 Circonscription Paris …   Wikipédia en Français

  • Alain Delon — Pour les articles homonymes, voir Delon. Alain Delon …   Wikipédia en Français

  • Alain delon — Pour les articles homonymes, voir Delon. Alain Delon Naissance 8  …   Wikipédia en Français

  • Le Solitaire (film, 1987) — Pour les articles homonymes, voir Solitaire. Le Solitaire Données clés Réalisation Jacques Deray Scénario Alphonse Boudard Jacques Deray Simon Michaël Daniel Saint Hamont …   Wikipédia en Français

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”