Maurus Carnot

Maurus Carnot
Maurus Carnot als Mönch

Maurus (Johannes) Carnot (* 26. Juli 1865 in Samnaun; † 2. Januar 1935 in Ilanz) war ein katholischer Pater, Dichter und Lehrer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Am 27. Januar wurde der Junge auf den Namen Johannes getauft. Den Namen Maurus nahm er an, nachdem er Pater geworden war. Seine Eltern waren der Bauer Vinzenz und seine Frau Pauline.

Mutter mit dem kleinen Johannes
als Student

Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes konnte der kleine Johannes die Gemeindeschule nicht regelmässig besuchen und wurde daher von seinem Onkel Heinrich privat unterrichtet. Auf Anraten des Pfarrers Büchel aus dem Nachbardorf Compatsch trat Johannes in das Kollegium Maria Hilf in Schwyz ein. Nach fünf Jahren verliess er das Kollegium und studierte an der Universität Innsbruck Philosophie und Theologie. Nebenbei schrieb er als Korrespondent für das «Bündner Tagblatt».

Nach dem Studium trat Johannes am 4. November 1885 in das Kloster Disentis ein, wo er am 23. Juni 1888 die Gelübde ablegte. Am 8. Juli 1888 wurde er von Bischof Franz Konstantin Rampa zum Priester geweiht. Obwohl er sich lange dagegen gewehrt hatte, beugte er sich schliesslich dem Willen des Abtes und nahm das Amt des Dekans an, das er mehr als 31 Jahre lang innehaben sollte.

Bekannt wurde Pater Maurus Carnot im In- und Ausland vor allem wegen seiner Predigten, die er in Deutsch und Rätoromanisch hielt. Wiederholt wurde er in die deutschsprachige Schweiz eingeladen, um dort zu predigen. Ein Mitbruder schrieb über den Prediger Carnot: Seine Predigtweise ist schlicht, herzlich, gütig und originell. Unter dem Wehen seines Geistes werden auch die strengen und erschreckenden Wahrheiten gerne angehört. Er hat die Gabe, Trost zu spenden. Sein gütiges Verstehen und Mitfühlen bringt milden Sonnenschein in die geplagten Seelen.

In der Klosterschule Disentis unterrichtete Pater Maurus seine Lieblingsfäche Latein und Griechisch sowie Deutsch und Geschichte. Er gründete und leitete er die deutsche Studentenakademie, in der spätere Parlamentarier, Volksredner und Prediger ausgebildet wurden. 1920 übernahm er zusätzlich die Leitung einer neu gegründeten romanischen Akademie.

1925 gab Pater Maurus das Dekanatsamt ab, widmete sich seinen Schriften, der Schule und seiner Tätigkeit als Prediger. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich. Ende 1934 wurde er wegen einer Blinddarmentzündung ins Spital Ilanz gebracht und von einem ehemaligen Schüler operiert. Pater Maurus Carnot starb am 2. Januar 1935 im Spital von Ilanz im Alter von fast 70 Jahren.

Carnot als Schriftsteller

Titelbild von «Sigisbert im rätischen Tale»

Maurus Carnot schrieb Dramen, Erzählungen und Gedichte. Seine ersten Dramen "Plazidus", "Armas e Larmas" und "Friedensengel" erschienen noch vor der jahrhundertwende. 1902 wurde "Feurige Kohlen" aufgeführt, das zu seinem bekanntesten Werk wurde. Es wurde an der Wiener Hofburg gespielt und ins Englische und Polnische übersetzt.

Sein letztes Bühnenwerk war "Die Passion", das sich streng ans Evangelium hielt; die Uraufführung vom 5. März 1933 dauerte rund vier Stunden. Für eine Freilichtaufführung in Domat/Ems im Jahr 1979 wurde der Text gekürzt und der heutigen Zeit angepasst. Letztmals wurde das Stück 1989 in Ems aufgeführt.

Carnots zahlreiche historische Erzählungen und Novellen spielen alle im Kanton Graubünden. Zuerst veröffentlicht wurden "Bündnerblut" und "Steinbock und Adler", später erschien "Graben und Gruben", rätoromanisch "Monas e Minas" und 1919 die bekannte Novellentriologie "Wo die Bündnertannen rauschen". Im Auftrag des konservativen Bündner Politikers Caspar Decurtins schrieb Pater Maurus die deutsche Erzählung «Sigisbert im rätischen Tal», die die Gründung des Klosters Disentis nacherzählt. Die Geschichte ersetzte das bisher vorgeschriebene Lehrwerk «Robinson», das Decurtins für «zu seicht» hielt. 1899 erschien die rätoromanische Version «Sigisbert en Rezia».

Zusätzlich erschienen fast alljährlich Menschen Carnots "Kalendergeschichten". Als letztes Prosawerk erschien 1930 die Novelle "Die Geschichte des Jörg Jenatsch"[1].

Carnots lyrische Werke behandeln heimatliche Stoffe wie sein Elternhaus, das Kloster, die Natur, Tiere, Pflanzen oder historische Gestalten. Manche Gedichte wurden in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht. 1914 erschien ein Gedichtband, der damals als die bedeutendste Erscheinung des Jahres im literarischen Leben der Schweiz bewertet wurde. 1920 später erschien das etwas umgestaltete Werk in neuer Auflage.

Carnot und die Habsburger

Kaiser Karl, mit Gemahlin Zita, hinten in der Mitte Maurus Carnot

Als der junge Kronprinz Otto von Habsburg seine erste Kommunion feierte, schrieb Pater Maurus ein Gedicht und schickte es der kaiserlichen Familie nach Wien. Als im März 1919 Kaiser Karl in die Schweiz ins Exil ausreisen musste, besuchte ihn Pater Maurus. Er schrieb dazu: «Als Nicht-Österreicher war ich eine lange und traurige Zeit hindurch der Einzige, der den von allen bösen Geistern verfolgten und verleumdeten Kaiser mit dem Schwert der Feder in meinem Büchlein „Grün im Tirol“ verteidigen konnte.» 1922 erschienen Carnots Briefe Hammerschläge an Tür und Turm bei Kaiser Karls von Oesterreich Gang zum Grabe [2]. Bis zu seinem Tode blieb Pater Maurus mit der kaiserlichen Familie tief verbunden [3].

Stiftung

Gedenkstein im Ehrenhof von Trun

Am 8. Oktober 1986 wurde in Chur die Pater Maurus Carnot Stiftung gegründet. Ihr Ziel ist in erster Linie die Sammlung und Erhaltung aller Bücher, Handschriften und Dokumente von und über Pater Maurus Carnot sowie das die Förderung der kulturellen und wissenschaftlichen Tätigkeiten über Samnaun.

Literatur

  • Josef Hartmann (Hrsg.): Pater Maurus Carnot. Festschrift zu seinem 70. Geburtstag. Immensee 1935
  • Arthur Jenal: Kalvarienberg. Leben und Werk von Pater Maurus Carnot. Verlag Schmid-Fehr, Goldach 1999
  • Deplazes Gion: Maurus Carnot e ses giuvnals romontschs. Verlag Annalas SRR, 2004

Weblinks

 Commons: Maurus Carnot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Institut für Germanistik Universität Innsbruck
  2. Catalog Hathitrus
  3. Pater Maurus-Stiftung

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