Vitalis Pantenburg

Vitalis Pantenburg

Vitalis Peter Joseph Pantenburg (* 3. Juni 1901 in Wittlich, Rheinland-Pfalz; † nach 1976) war ein deutscher Diplomingenieur und Wirtschaftsgeograph, Journalist, Schriftsteller, Übersetzer und Fotograf. Seine Arbeitsgebiet war die Wirtschaftsgeographie der Arktis und Subarktis, Energiewirtschaft und Wasserbau.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Pantenburg studierte Energiewirtschaft, Elektrotechnik und Wirtschaftsgeographie an der TH Hannover und an der TU Braunschweig. Zahlreiche Studienreisen und Expeditionen führten ihn u.a. in die nordischen Länder Skandinavien, Island, Grönland, in die Zentralarktis und nach Kanada.

Im Jahr 1935 veröffentlichte er als Geschäftsführer des Rhein-Kontors (Köln) der Nordischen Gesellschaft (Frankfurt am Main) seinen Beitrag „Eine Begegnung mit dem Hakenkreuz im hohen Norden“. Im selben Jahr publizierte er seinen Beitrag „Norden - et geopolitisk problem“ in „Ragnarok“ (Heft 8), der nationalsozialistischen Monatszeitschrift Norwegens.[1] 1938 erschien sein Buch „Rußlands Griff um Nordeuropa“, das damals große Verbreitung fand.[2]

Er galt nicht nur als „hoher Nazi, sondern auch als „einer der besten Nazi-Spione in Europa“, eine Tätigkeit, die ihm durch seine Forschungsreisen und -aufenthalte in Skandinavien und Lappland erleichtert wurde. Im Jahr 1940 nannte ihn das amerikanische Magazin Life „einen bestens bekannten Nazi-Journalisten“ in Narvik.[3] Der deutsche Abwehr-Chef Admiral Wilhelm Canaris hatte Pantenburg als einen der Leiter der skandinavischen Sektion des deutschen Geheimdienstes nach Norwegen beordert. Dort beschaffte er Pläne praktisch aller wichtigen militärischen Anlagen in der Arktis wie beispielsweise der Festung Boden in Nordschweden und der Festung Narvik.[4] Schon drei Wochen nach seiner Ankunft wurde Pantenburg allerdings beim Fotografieren verhaftet und arrestiert.[5]

Später leitete er in Finse am Hardangerjøkulen (Norwegen) die „Erprobungsstelle Nord (Arktis)“ im Technischen Amt des Reichsluftfahrtministeriums, die im Frühjahr 1943 ihren Betrieb aufnahm. Die Hauptaufgabe war die Erprobung von Gerät und Erforschung der Lebensbedingungen unter extremen polaren Verhältnissen.[6][7]

Nach dem Krieg war er Mitarbeiter des Archivs für Polarforschung in Kiel.

Wie schon in der Vorkriegszeit lebte er auch nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in Vororten im Kölner Süden, in den 1950er Jahren in Rodenkirchen, in den 1970er Jahren im Hahnwald. Er war mit der Schriftstellerin und Übersetzerin Lieselotte Kattwinkel verheiratet[8], mit der er häufig lange Reisen unternahm. Unter anderem begab er sich 1949/50 als Mitarbeiter des Kieler „Archivs für Polarforschung“ zusammen mit seiner Frau auf eine halbjährige Studienreise nach Kanada (als einer der ersten Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg), bei der das Paar 30.000 km im Auto zurücklegte.[9] Die Tatsache, dass die kanadischen Behörden dem ehemaligen Nazi-Journalisten und -Spion Pantenburg Einreisevisa ausgestellt hatten, war 1952 sogar Tagesordnungspunkt einer Debatte im kanadischen Unterhaus.[10] Ende der 1970er Jahre siedelte sich das Ehepaar auf den Balearen an, wo sich Pantenburgs Spur verliert.

Pantenburg schrieb populäre wissenschaftliche Werke sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche,[11] Jugendbücher, Filme, Hörspiele und Fernsehberichte, aber auch Reiseführer über die von ihm bereisten Gebiete. Insgesamt veröffentlichte er 117 Arbeiten in 224 Publikationen, die in 10 Sprachen erschienen sind.[12] In der Sowjetischen Besatzungszone wurden seine Schriften Rußlands Griff um Nordeuropa (Schwarzhäupter-Verlag, Leipzig 1938) und Finnland (Goldmann, Leipzig 1943) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[13]

Schriften

  • Rußlands Griff um Nordeuropa - (1938, Schwarzhaupter)
  • Nordland jenseits der Eisbarre. Eine Expedition in arktisches Urland. Aus den Tagebüchern des Verfassers. - (1940, Dt.Verl.Ges.)
  • Zum Dach Europas - (1948, Dt.Verl.Ges.)
  • Wild - Ren, Jagdfahrten auf nordischer Hochsteppe - (1949, Dt.Verl.Ges.)
  • Arktis. Erdteil der Zukunft - (1949, Bagel)
  • Eirik der Jungfänger - (1951, Greven)
  • Die Trapper und die große Straße - (1953, Westermann)
  • Hier fängt die Welt noch einmal an. Auf Kanadas neuen Straßen - (1955, Dt.Verl.Ges.)
  • Unternehmen Kitimat - Ingenieure zähmen wilde Wasser - (1960, Arena)
  • Die Arktis ruft - (1964, Spectrum)
  • Ein Gigant erwacht - Kanada Von der Hudsonbay zum Industriestaat - (1966, Diederichs)
  • Werner von Siemens - Abenteuer Elektrizität - (1966, Ensslin&Laiblin)
  • Die Arktis ruft - (1967, Spectrum)
  • Expedition heute: Wissenschaft unterwegs. - (1967, Schwann)
  • Überfluss spendet die Erde - (1968, Cotta)
  • Rettet das Wasser! Vom weltweiten Feldzug der Hydrologen. - (1969, Schwann)
  • Verfahrenstechnik: Gewußt wie. Ein neuer Beruf für Ingenieure - (1969, Schwann)
  • Das Porträt der Erde. Geschichte der Kartographie - (1970, Kosmos) ISBN 3440002667
  • Luftsprung auf T3 - (1972, Ueberreuter) ISBN 3800021307
  • Kanada-Polyglott-Reiseführer - (1974, 2. Aufl., Polyglott) ISBN 3-493-60804-7
  • Die Mosel - (1974, Polyglott) ISBN 3493606168
  • Landschaft aus Menschenhand - (1975, Greven Verlag Köln) ISBN 3774300992
  • Seestraßen durch das große Eis - (1976, Koehler)
  • Eifel-Polyglott-Reiseführer - (1979, Polyglott) ISBN 3-493-60629-X

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ragnarok, Themenliste 1935
  2. Die Wehrmacht im Kampf, Band 9, Verlag K. Vowinckel, 1956
  3. Life vom 16. Dez. 1940, Band 9, Nr. 25, Seite 97 (Digitalisat)
  4. Kurt D. Singer: Duel for the northland. The war of enemy agents in Scandinavia, Seite 114f., Verlag R. M. McBride & company, 1943 (Auszug)
  5. Kurt D. Singer: Spies and traitors of World War II, Seite 44 u. 60, Verlag Prentice-Hall Inc., 1945 (Auszug)
  6. Rudolf Radler: Die Deutschsprachige Sachliteratur, Band 11, Seite 505, in: Kindlers Literaturgeschichte der Gegenwart, Fischer Taschenbuch Verlag, 1980, ISBN 3596264715 (Auszug)
  7. Wilhelm Dege,William Barr: War north of 80. The last German Arctic weather station of World War II, 2004, Seite XX (Digitalisat)
  8. Wer ist wer?, Band 12, Seite 882, Verlag Schmidt Römhild, 1955 (Auszug)
  9. Polarforschung, Bände 20-29, Vereinigung zur Förderung des Archivs für Polarforschung, Verlag W. Keller, Kiel ab 1950
  10. House of Commons debates, official report, Band 4, Verlag Queen's Printer, 1952
  11. Rudolf Radler: Die Deutschsprachige Sachliteratur, Band 11, Seite 334, in: Kindlers Literaturgeschichte der Gegenwart, Fischer Taschenbuch Verlag, 1980, ISBN 3596264715 (Auszug)
  12. Pantenburg bei WorldCat Identities
  13. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-p.html

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно сделать НИР?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Pantenburg (Begriffsklärung) — Pantenburg ist der Name einer Ortsgemeinde in Rheinland Pfalz; siehe Pantenburg des deutschen Arktis Forschers und Schriftstellers Vitalis Pantenburg der deutschen Schriftstellerin Lieselotte Kattwinkel, Ehefrau von Vitalis Pantenburg …   Deutsch Wikipedia

  • Lieselotte Kattwinkel — (* 27. März 1915 Solwytschegodsk, Russland; † ....) war eine deutsche Schriftstellerin, Übersetzerin und Fotografin. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Werke 3 Weblinks 4 …   Deutsch Wikipedia

  • Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck — Säulenhaus der ABW Die Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck (ABW) wurde 1934 gegründet, um das Eigentum des Nerother Wandervogels vor dem Zugriff des NS Staates zu retten. Der nach dem Zweiten Weltkrieg fortgeführte Verein verwandelte die Burg… …   Deutsch Wikipedia

  • Geodäsie — Die Geodäsie (altgriech. γῆ gé ‚Erde‘ und δαίζειν daízeïn ‚teilen‘) ist nach der klassischen Definition von Friedrich Robert Helmert und nach DIN 18709 1 die Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche. Dies umfasst die… …   Deutsch Wikipedia

  • Geodätisch — Die Artikel Geodäsie und Vermessung überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zu vereinigen. Beteilige dich dazu an der Diskussion über diese Überschneidungen. Bitte entferne diesen Baustein erst… …   Deutsch Wikipedia

  • Köln-Hahnwald — Hahnwald Stadtteil 207 von Köln …   Deutsch Wikipedia

  • Reiseautor — Ein Reiseschriftsteller ist ein Verfasser von Reiseliteratur. Dazu zählen der Reisebericht, die literarische Reisebeschreibung, der Reiseroman sowie der phantastische Reiseroman. Zu Reiseschriftstellern zählen A Bertus Aafjes NL Willibald Alexis… …   Deutsch Wikipedia

  • Reiseschriftsteller — Ein Reiseschriftsteller ist ein Verfasser von Reiseliteratur. Dazu zählen der Reisebericht, die Reisebeschreibung und der Reiseroman. Bekannte Reiseschriftsteller Inhaltsverzeichnis A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S …   Deutsch Wikipedia

  • Theodor Lerner — Theodor Eduard Julius Lerner (* 10. April 1866 in Antweiler, Ahr; † 12. Mai 1931 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Journalist und Polarforscher. Inhaltsverzeichnis 1 Kindheit und Jugend 2 Studium und erste Reisen …   Deutsch Wikipedia

  • Vermessungskunde — Die Artikel Geodäsie und Vermessung überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zu vereinigen. Beteilige dich dazu an der Diskussion über diese Überschneidungen. Bitte entferne diesen Baustein erst… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”