Reichsluftfahrtministerium

Reichsluftfahrtministerium
Reichsluftfahrtministerium, 1938
Blick von der Wilhelmstraße auf das Detlev-Rohwedder-Haus (ehemaliges Gebäude des Reichsluftfahrtministeriums)
Rückseite des Gebäudekomplexes, Blick vom Gelände der Ausstellung Topographie des Terrors
Blick auf den Gebäudekomplex von der Leipziger Straße
Das Gebäude als Filmkulisse für den Film Mein Führer, 2006

Das Reichsluftfahrtministerium (RLM) war ein Ministerium in der Zeit des Dritten Reichs. Für dieses Ministerium wurde 1935 ein monumentales Bürogebäude in Berlin errichtet, das seit 1992 Detlev-Rohwedder-Haus heißt und heute Sitz des Bundesministeriums der Finanzen ist.

Inhaltsverzeichnis

Gründung und erste Amtshandlungen

Der Reichskommissar für die Luftfahrt

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 war es eines ihrer essenziellen Ziele, durch eine Politik der Aufrüstung die durch den Versailler Vertrag auferlegten Schranken zu brechen und damit das militärische Fundament für die Aggression zur Eroberung von Lebensraum im Osten zu schaffen. Entscheidend bei diesen Plänen war die Gründung einer Luftwaffe als neuer Teilstreitkraft der Reichswehr. Zur Erreichung dieser Ziele erließ Adolf Hitler am 2. Februar 1933 die Verordnung über den Reichskommissar für die Luftfahrt, die einen Reichskommissar für die Luftfahrt bestellte, der als oberste Reichsbehörde für die Planung und Entwicklung der Luftfahrt fungieren sollte und dem Reichskanzler unmittelbar unterstellt wurde. Hierzu erhielt der neue Reichskommissar seitens des Reichsverkehrsministeriums und des Reichsministerium des Innern alle die zivile Luftfahrt und den Luftschutz betreffenden Vollmachten. Zum Reichskommissar bestimmte Hitler den Jagdflieger des Ersten Weltkrieges, NSDAP-Politiker und preußischen Innenminister Hermann Göring, der durch die Gründung des Deutschen Luftsportverbands bereits vorher einen ersten Schritt zur Gleichschaltung der Luftsportorganisationen getan hatte.

Der Reichsminister der Luftfahrt

Im April 1933 wurde die Behörde des Reichskommissars in den Rang eines Reichsministeriums versetzt. Bald schon zeigte sich, dass die eigentliche Aufgabe des RLM hauptsächlich in der Förderung und Unterstützung der neuen Luftwaffe bestand, deren Oberbefehlshaber ebenfalls Göring wurde. So übertrug der Reichswehrminister Werner von Blomberg aus seinem Geschäftsbereich dem RLM das Luftschutzamt, das zuvor die oberste Behörde der militärischen Luftfahrt war. Dies führte zu einer erheblichen Steigerung seiner politischen Bedeutung, die dadurch mehr und mehr auf den Nationalsozialismus ausgerichtet wurde. Das RLM gab eine eigene Propagandaillustrierte mit dem Titel Der Adler heraus.

Eine der ersten Amtshandlungen des RLM und hier im speziellen von Hermann Göring, war, alle Patente von Hugo Junkers und seiner Firmen Junkers & Co. sowie Junkers Motorenbau und Junkers Flugzeugwerk in unberechtigter Weise zu übernehmen. Dies bezog sich insbesondere auf die Rechte um die legendäre Junkers Ju 52. Dazu wurde die Luftfahrtkontor GmbH gegründet, die als Tarngesellschaft die Beteiligung an Junkers verwaltete.

Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium

Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium war von 1933 bis 1945 Erhard Milch, der zugleich Generalinspekteur der Luftwaffe sowie von 1941 bis 1945 auch Generalluftzeugmeister war.

Neubau eines Bürogebäudes und seine spätere Nutzung

1935/1936 wurde in der Wilhelmstraße im Berliner Stadtzentrum für das personell inzwischen stark erweiterte Ministerium auf Görings Veranlassung nach Plänen des Architekten Ernst Sagebiel ein Neubau mit 2000 Büroräumen und 56.000 m² Nutzfläche errichtet – damals das größte Bürogebäude Berlins.[1] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das wenig zerstörte Gebäude vom Finanzministerium der DDR genutzt. Das mittlerweile total sanierte und modernisierte und in Detlev-Rohwedder-Haus umbenannte Gebäude ist seit dem Umzug der Regierung der Bundesrepublik nach Berlin Sitz des Bundesministeriums der Finanzen.

Von Arno Breker sind mehrere Entwürfe für eine monumentale Skulptur auf dem Vorplatz zum Haupteingang des geplanten Neubaukomplex an der Leipziger Straße überliefert. Sie zeigen als Idee eine aufgesockelte, rund sechs Meter hohe Figur, deren Gewandsaum wie durch eine angehoben nach hinten zu einer flügelähnlichen Form ausschwingt. Sie trägt eine Fackel. Zusätzlich ist den Entwürfen deutlich zu entnehmen, dass die Skulptur mit ihrem freien Arm einen modellartigen Flugkörper – ähnlich einem Speerwerfer – führt.

Organisation und weitere Entwicklung des Ministeriums

Das Technische Amt des RLM, das aus einer bis 1935 bestehenden Abteilung Flugtechnik im Heereswaffenamt hervorgegangen war, war im Wesentlichen für die Entwicklung neuer Flugzeugtypen durch die Luftfahrtindustrie und ihre Produktionsplanung verantwortlich. 1936 berief Göring den späteren Generalobersten Ernst Udet an die Spitze dieses Amtes und vertraute ihm die Aufgaben des Staatssekretärs Erhard Milch an, der bis dahin der maßgebliche Planer und Organisator der Aufrüstung der Luftwaffe gewesen war. Udet war damit für die Entwicklung und Bereitstellung von Flugzeugen, Waffen und Gerät für alle Teile der Luftwaffe zuständig. Udet gliederte das Amt in 13 Abteilungen auf, sodass der Überblick über deren Zuständigkeiten verlorenging. Nach dem Selbstmord Udets 1941 übernahm Erhard Milch wieder dessen Aufgaben.

Verglichen mit ähnlichen Ämtern im In- und Ausland war das RLM nicht besser oder schlechter strukturiert und organisiert, doch vor allem ließen die hervorragenden persönlichen Beziehungen zwischen Göring und Hitler dem RLM schon bald mehr Einfluss und Macht zukommen als anderen Ministerien. Göring nutzte darüber hinaus seine Stellung an der Spitze des RLM, um das Ministerium mit zahlreichen befreundeten und verdienten NS-Größen zu erweitern. Diese waren ihrerseits weniger an den eigentlichen Aufgaben des RLM interessiert, als ihre eigene politische Karriere zu planen und auszubauen.

Im Zusammenhang mit der Übertragung der Luftrüstung an den Reichsminister Albert Speer im Juni 1944 wurde das Ministerium neu und straff durchorganisiert, um so die nötigen Voraussetzungen für neue und schnelle Rüstung- und Entwicklungsaufgaben zu schaffen. Diese späte Entscheidung hatte jedoch keinerlei Auswirkungen auf die Luftwaffe bzw. den Verlauf des Zweiten Weltkrieges.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Reichsluftfahrtministerium – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Alle Blätter von Ernst Sagebiel für das neue Bürogebäude im Architekturmuseum der TU Berlin; abgerufen am 15. November 2009
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